LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Dieschbourg und Turmes sehen keine Probleme bei Windkraftanlage bei Bürden

Eigentlich stellt Windkraft die einfachste Art dar, saubere Energie zu gewinnen. Was schon vor Jahrhunderten Windmüller und Betreiber von Polderpumpen wussten. Dummerweise lassen sich moderne Windmühlen nicht verstecken, sie stehen ziemlich groß und klotzig in der Gegend herum. Was nicht jedermann gefällt. Aktuell wird ihr Erfolg, sowohl durch die Anzahl der Windräder als auch durch ihr gigantisches Höhenwachstum, zum Problem. Daher bauen Länder mit Zugang zum Meer zunehmend weit draußen Offshore Windparks.

Aktuell tobt gerade in Luxemburg ein Streit um ein Windrad, das zwischen Warken und Bürden errichtet werden soll – mit einer Gesamthöhe von 230 Metern landesweiter Spitzenreiter. Ein weiteres soll bei Diekirch gebaut werden. Wobei, so die beiden liberalen Abgeordneten André Bauler und Gusty Graas, der Schattenwurf der Anlage bei Bürden bis nahe an die Bebauung heranreichen würde. Der Abstand zwischen Baugebiet und Windrad beträgt dort nur 750 Meter. Beide Abgeordnete wollten nun detaillierte Auskünfte von Umweltministerin Carole Dieschbourg und Energieminister Claude Turmes über den Betrieb dieser Windräder haben.

Dauerbrenner „Infraschall“

Die erste Frage beschäftigte sich quasi naturgemäß mit „Infraschall“ und seinen Auswirkungen. Die sehr niedrigen Frequenzen der Rotorblätter sind für Menschen nicht mehr bewusst hörbar und  werden von Windkraftgegnern gerne als Hauptargument für die Gesundheitsschädlichkeit der Windräder angeführt.

Auf die konkrete Anlage bei Bürden zielt eine Frage nach dem Schattenfall des Windrades ab, und welchen Einfluss dieser auf die Lebensqualität der Anwohner hat? Sollte man den Standort der Anlage nicht aus Gründen des Gesundheitsschutzes verlegen? Denkt man im Umweltministerium daran, den gesetzlichen Mindestabstand von Windrädern zu Baugebieten zu vergrößern? Sind die beiden Minister bereit, sich den Fragen der Anwohner direkt zu stellen, damit deren „Ängste und Sorgen“ genannt werden können. Falls ja, wann?

Alles easy!

Infraschall-Frequenzen unterliegen in Luxemburg keiner Regelung. Nach Forschungsstand sind keine Eingriffe oder Untersuchungen nötig, wenn die Gesamtanlage keinen höheren Lärmpegel als 42 dB(A)  erreicht. Die neuere Forschung, die Minister nennen französische und deutsche Quellen, bestätige diese Auffassung. Das habe man auch schon 2018 dem adr-Abgeordneten Kartheiser mitgeteilt.

Der Schattenfall der Windkraftanlage sei, wie bei allen Anlagen in Luxemburg, nach einer deutschen Methode (WEA – Schattenwurf-Hinweise), die auch in anderen Ländern zur Anwendung  kommt, analysiert worden. Das Verfahren basiere auf einem „worst case“-Szenario: dauerhafter Sonnenschein, wolkenlos, Rotorenstellung senkrecht zur Sonne. Danach könnten Schatten der Rotoren die Ortschaft Bürden eigentlich nur von November bis Januar erreichen. Die im Commodo-Verfahren gültigen Höchstwerte eines „worst case“-Szenarios werden dabei nicht überschritten, womit eine automatische Abschaltung der Anlage nicht vorgesehen ist. Real wird der Schattenwurf in Bürden während der drei Monate nicht einmal eine Gesamtzeit von drei Stunden/Jahr erreichen.

Alles regelkonform

Gegen den gewählten Standort spricht nach Auffassung der Minister nichts, da alle in Luxemburg gültigen Grenzwerte eingehalten werden. In den letzten Jahren habe es ganz wenige Reklamationen oder Probleme mit derartigen Windkraftanlagen gegeben.

Die Minister sprechen sich gegen einen erweiterten standardisierten Mindestabstand aus, sie setzen auf jeweilige Einzelfallprüfungen.

Der Frage nach der direkten Bürgeranhörung wichen Dieschbourg und Turmes aus und verwiesen darauf, dass alle Einwände noch einmal zur Kenntnis genommen werden.