LUXEMBURG
JEFF KARIER

Pascal Schumacher über sein neues Album „Drops & Points“

Er ist einer der profiliertesten Musiker und Komponisten des Großherzogtums: Pascal Schumacher. Der 1979 geborene klassische Perkussionist ist vor allem als Jazzmusiker am Vibrafon bekannt, er hat an den Konservatorien in Luxemburg, Straßburg, Brüssel und Den Haag studiert und zahlreiche Preise gewonnen. Gemeinsam mit dem französischen Gitarristen Maxime Delpierre und dem Produzenten Joachim Olaya hat Schumacher das Album „Drops & Points“ aufgenommen. Dieses wird am 25. März in der Philharmonie Premiere feiern. Das Journal hat mit Schumacher über das neue Projekt und seine Musik gesprochen.

Wie würden Sie die Entwicklung Ihrer Musik seit dem ersten Album beschreiben?

Pascal Schumacher Als ich die ersten drei Alben aufgenommen habe, war ich gerade fertig mit der Uni, ich glaube beim ersten Album war ich sogar noch Student. Das war moderner, zeitgemäßer Jazz, der natürlich europäisch angehaucht war. Ich glaube die drei Alben, die wir unter dem belgischen Jazz-Label „Igloo“ veröffentlicht hatten, hatten auch was Eigenes. Als wir dann zu „Enja Records“ gewechselt sind, war das insgesamt etwas anderes, ein Upgrade. Neue Einflüsse haben die Musik bereits leicht verändert. Und die Postproduktion mit dem Ausprobieren von Effekten hat einen größeren Teil eingenommen als zuvor.

Mit dem Wechsel zu „Laborie Jazz“ ging die Musik dann in eine ganz neue Richtung. Damals begann auch meine Zusammenarbeit mit Joachim Olaya, der sehr wichtig geworden ist. Ab dem Zeitpunkt war es auch nicht mehr das Pascal Schumacher Quartett, sondern lief nur noch unter meinem Namen. Ich habe angefangen, mehr Entscheidungen selber zu treffen. Die Musik wurde poppiger, benutzte mehr Effekte. Es war zwar im Kern immer noch Jazz, aber die Musik ist immer weiter abgedriftet.

Setzt Ihr neues Album „Drops & Points“ diese Entwicklung fort?

Schumacher Kann man so sagen. Jazzeinflüsse sind zwar weiterhin präsent, aber die Einordnung fällt schwer. Manche bezeichnen es als Elektro-Jazz, andere sind der Meinung, dass es nichts mehr mit Jazz zu tun hat. Mir ist es eigentlich ziemlich Wurst, in welche Schublade die Leute glauben das Album stecken zu müssen. Es gibt einfach nicht die eine Schublade, denn nicht jedes Stück des neuen Albums ist elektronisch, oder klassisch oder Jazz.

Aber wenn es einen Gesamtbegriff gibt, der das Album beschreibt, dann ist es minimal. Denn der Grundgedanke, der in allen musikalischen Bereichen des Albums zu finden ist, ist das Minimalistische.

Wie war die Zusammenarbeit mit Maxime Delpierre und Joachim Olaya?

Schumacher Die Vorbereitungen für das Album haben im Mai 2016 begonnen. Ich habe damals viel komponiert und mir Gedanken gemacht. Maxime und ich hatten kurz hier in Luxemburg geprobt. Das hatte einen Blind Date Charakter, denn wir kannten uns vorher nicht. Das macht glaube ich auch einen Teil des Charmes des Albums aus, denn wir beide waren an einem Punkt angelangt, an dem wir etwas Neues machen wollten, bereit für ein neues Abenteuer waren. Es hat einfach gepasst und die Arbeit im Studio war entsprechend gut.

Das war Ende Juli. Einige Wochen später präsentierte uns Joachim den ersten Zusammenschnitt der Aufnahmen. Wir waren begeistert und auch erleichtert, denn viele unserer Ideen haben genau gepasst und funktionierten. Die Auswahl der Stücke habe ich zum Großteil mit Joachim getroffen. Es folgten noch einige Treffen, bei denen wir an den Stücken feilen. Da ich von Anfang an auch Streicher haben wollte, haben wir dann auch überlegt, wo diese passen würden. Es folgte eine Session mit Streichern und es hat sich nach und nach alles zusammengefügt. Eigentlich hätte es nicht einfacher laufen können.

Was steht nach der Premiere in der Philharmonie an?

Schumacher Dann beginnt die Promophase. Mit der eigentlichen Tour wollen wir erst im Sommer beginnen und dann im Herbst so richtig loslegen. Bei meinen vorigen Alben bin ich sofort auf Tour gegangen und habe nebenbei die Promotion betrieben. Das war dann aber immer ein bisschen ein Gemurkse. Jetzt bin ich etwas älter, ich will das Ganze etwas gemütlicher angehen. Ich spüre daher keinen Druck mehr, alles so schnell wie nur möglich zu machen, sondern will es einfach nur richtig machen.

Oft heißt es, dass klassische Musik und Jazz in der Krise stecken. Stimmen Sie dem zu?

Schumacher Ich glaube eher, dass die Krise bei den Musikern zu suchen ist. Zu selten wird sich von großen Namen wie etwa Chopin in der Klassik oder Miles Davis im Jazz und deren Werken gelöst. Denn der Grund, warum große Komponisten bis heute ein Begriff sind, und ihre Stücke gespielt werden, ist, dass sie die Musik vorangebracht haben.

Andere Genres einfließen zu lassen, das fasziniert mich und bringt meiner Meinung nach die Musik voran. Das gilt bei mir nicht nur für den starken Einfluss von elektronischer Musik, die für mich noch vieles bereithält. Mit Maxime als Gitarristen habe ich ein Instrument der Musik hinzugefügt, mit dem ich zuvor nicht viel zu tun hatte. Die Möglichkeiten, die dieses Instrument bietet, sind einfach enorm.

Sie sind auch in Japan recht bekannt und haben viele Fans dort, wie kommt das?

Schumacher Als ich zum ersten Mal in Japan war, bin ich eine Woche lang jeden Abend in einer japanischen Fernsehshow aufgetreten. Das war so etwas wie ein Jackpot für mich. Denn als ich etwa einen Monat später mit meiner Band in Japan aufgetreten bin, kamen sehr viele Leute zu unserem Konzert, man kannte mich.

Das japanische Publikum ist außerdem sehr treu und ist dann auch voll und ganz Fan. Die Leute bringen ihre Freunde mit aufs Konzert und sogar Geschenke. Daher bekomme ich nach Konzerten in Japan immer hübsch verpackt Sake und alle möglichen Süßigkeiten geschenkt, das ist dort einfach so.


Vor der Premiere mit „Drops & Points“ am 25. März in der Philharmonie wird Pascal Schumacher am 10. März in Marnach zum letzten Mal sein Programm „Left Tokyo Right“ präsentieren. Mehr Informationen unter www.pascalschumacher.com