LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

Umfrage der AMMD: Großes Vertrauen in die Ärzte, hohe Erwartungen an die Politik

Wie sehen die Leute das Gesundheitssystem und wie ist der Stellenwert der Ärzteschaft bei den Patienten? Das wollte die Ärztevereinigung AMMD wissen und wandte sich an das Meinungsforschungsinstitut „Quest. „Uns interessierte, ob sich die Forderungen, die die Ärzteschaft bei der Reform vom Krankenhausgesetz hatten, bei den Patienten widerspiegeln“, erklärte Dr. Alain Schmit, als die Resultate gestern vorgestellt wurden.

600 Bürger aus Luxemburgs Bevölkerung, die repräsentativ in Alter, Geschlecht und Nationalität sind, wurden zwischen dem 26. Oktober und dem 10. November befragt. Sie befanden zu bis zu 90 Prozent, dass es bei der Qualität, der Kostenübernahme und dem Zugang zu Leistungen nichts zu mäkeln gebe. Generell gesehen, denn wenn man ins Detail geht, so gibt es Warnlichter (31 Prozent kritisieren die Organisation der Krankenhäuser, 44 Prozent die Planung der Infrastrukturen angesichts eines starken Bevölkerungswachstums) und regelrechte Alarmglocken schrillen bei den Notdiensten und dem Zugang zu IRM, Scanner und Co, womit 71 Prozent unzufrieden sind. Dass 35 Prozent der Befragten schon zur Behandlung im Ausland waren, macht den Ärzten zu schaffen. „Wir sind in verschiedenen Punkten nicht konkurrenzfähig“, monierte Dr. Schmit.

Was die Ärzte anbelangt: Acht bis neun Patienten von zehn bewerten den Respekt, den Empfang, die Erklärungen und die Aufmerksamkeit, die Ärzte ihren Patienten schenken, als gut bis sehr gut. Die kritische Marke von 30 Prozent Unzufriedenheit wird bei der Zeit, die sie den Patienten widmen erreicht, gar jeder Zweite ist nicht zufrieden damit, wie schnell man einen Arzttermin bekommt. Das sind die zwei Baustellen, an denen die Ärzte arbeiten müssten. „Wir haben viel weniger Ärzte als unsere Nachbarländer und müssen unbedingt darauf achten, attraktiv für ausländische Ärzte zu bleiben“, sagte Dr. Schmit.

Auf die anderen Akteure im Gesundheitswesen entfallen allerdings mehr Hausaufgaben, gerade wenn es heißt, den Zukunftsängsten der Patienten Rechnung zu tragen. Langfristige Finanzierbarkeit, Planung der Infrastrukturen sowie die Alterung der Bevölkerung werden als größte Herausforderungen gesehen. Hier werden das Ministerium, die Krankenhäuser und die CNS am meisten in die Pflicht genommen: Um die Kosten im Griff zu behalten, könne man die Pharmaindustrie zu anderen Verpackungsgrößen verpflichten, zu mehr Generika greifen, die Organisation verbessern und für einen gesunden Lebensstil sensibilisieren, bei therapeutischen Mitteln, wie Prothesen oder Medikamenten sollte dagegen auf keinen Fall gespart werden.

Extrem wichtig ist den Patienten mit 98 Prozent die freie Arztwahl und die Therapiefreiheit der Ärzte. „Die Bevölkerung steht unisono hinter einer freien Medizin“, erklärte Carlo Kissen von „Quest“. „Einen Super-Score von 84 Prozent gibt es für die Ärzte bei der Frage nach der finalen Entscheidung über die adäquate Behandlung. Es soll keiner in das Arzt-Patienten-Verhältnis hineinreden.“ Aber was Patienten sich wünschen und die Realität sind zweierlei, denn die Ärzte werden zu grundlegenden Entscheidungen für Behandlung und Kostenerstattung nicht gefragt - sie sind im Direktionskomitee der CNS nicht vertreten.

Nun soll in einer weiteren Umfrage den Ärzten auf den Zahn gefühlt werden, wie es mit ihrer Therapiefreiheit wirklich aussieht.