LUXEMBURG
JEFF KARIER

Jahresbericht der „Médecins du Monde“ zeigt hohen Bedarf an medizinischer Versorgung

Fast drei Mal so viele Patienten wie 2015 registrierten die Einrichtungen von „Médecins du Monde“ im letzten Jahr. Das teilte die Organisation, die sich in Luxemburg um die medizinische Versorgung von Personen, die keinen Zugang zu den regulären Einrichtungen im Land haben, kümmert, auf der gestrigen Pressekonferenz zum Jahresbericht mit. Insgesamt wurden die Mitarbeiter der Organisation etwa 1.300 Mal aufgesucht. Die Zahlen zeigten, dass immer noch viele Personen nicht von dem Gesundheitssystem erfasst und somit keinen Zugang dazu haben. Wolle der Staat seiner sozialen Aufgabe nachkommen, müsse er hier noch viel unternehmen.

Zum Großteil EU-Ausländer

Die Personen, die die Angebote von „Médecins du Monde“ nutzen, sind neben Obdachlosen unter anderem auch Flüchtlinge ohne Papiere sowie Luxemburger ohne Krankenversicherung oder zwar versichert sind, sich allerdings in einer prekären finanziellen Situation befinden. „82 Prozent der Patienten 2016 waren Männer und 92 Prozent lebten unter der Armutsgrenze“, erklärte Jean Bottu, Präsident von „Médecins du Monde“. Auffallend ist, dass nur sieben Prozent der Patienten 2016 luxemburgische Staatsbürger sind. 21 Prozent stammten aus Rumänien, acht Prozent aus Portugal und sieben Prozent aus Italien sowie Algerien.

Ehrenamtliche Arbeit

Da die zu behandelnden Krankheiten sehr unterschiedlich sind, arbeitet die Organisation mit Medizinern und Personal aus den verschieden Bereichen zusammen. Diese Personen tun dies dabei ehrenamtlich . „Anders ist unsere Arbeit auch nicht machbar“, erklärt Sylvie Martin, Direktorin der Organisation und führt weiter aus: „Das Team an Freiwilligen besteht dabei aus rund 70 Personen.“ Darunter Allgemeinmediziner, Spezialisten, Zahnärzte, Augenärzte, Optiker, Krankenpfleger und -schwestern, sowie Übersetzer und einige mehr. Um eine möglichst gute und umfassende medizinische Betreuung zu erreichen, arbeitet „Médecins du Monde“ gemeinsam mit anderen Organisationen zusammen und plant auch die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Krankhäusern des Landes zu vertiefen. Außerdem wurde vergangenes Jahr das „Centre d‘Accueil, de Soins et d‘Orientation“ (CASO) in Bonnevoie eingeweiht.

„Médecins du Monde“ betreibt auch Vorsorge und organisierte beispielsweise letztes Jahr zum ersten Mal die Aktion „Vaccination gratuite contre la grippe“. Des Weiteren wurden etwa warme Schlafsack-Jacken verteilt und gemeinsam mit „Inter-Actions“ „Des Lunettes pour Tous“ ins Leben gerufen. Seit letztem Jahr wird auch der „Service en Santé Mentale“ angeboten, um besser auf psychische Beschwerden und Erkrankungen eingehen sowie eine psychologische Begleitung anbieten zu können. Hinzu kommen noch die zahlreichen Aktivitäten im Ausland, wie etwa auf Haiti oder in Ecuador.