LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Größer und eindrucksvoller: VR-Pavillon im neimënster ermöglicht intensives Eintauchen

Nach links oder rechts? Wer dieser Tage den „Virtual Reality“-Pavillon im neimënster besucht, könnte möglicherweise diesen kleinen Moment der Verwirrung erleben. Zu viele Pfeile. Ein übersichtlicher Plan im Eingangsbereich hätte Sinn gemacht. An diesem Morgen ist nicht viel los, der Menge hinterherlaufen, fällt demnach schon mal als Möglichkeit aus. Wir entscheiden uns für den Haupteingang der Abtei auf der linken Seite und folgen dem Pfeil mit dem VR-Logo ins zweite Stockwerk, wo wir dann erneut etwas verloren rumstehen. In diesem Bereich findet gerade der „VR Day“ statt, der sich eher an die Professionellen des Filmsektors richtet, wo also luxemburgischen Produktionsgesellschaften die Gelegenheit geboten wird, sich mit ausländischen Experten auszutauschen. Das interessiert uns nicht. Stattdessen folgen wir dem nächsten Pfeil, der uns in Richtung „Cosmos within us“ führt. Von dieser aufwendigen „VR Experience“ mit Live-Performance von fünf Schauspielern hatte Film Fund-Direktor Guy Daleiden bei der Vorstellung des Festivals regelrecht geschwärmt. Die Vorstellung um 11.00 ist aber schon voll. Dumm gelaufen.

Wir steigen die Treppen wieder hinunter, verlassen diesen Gebäudeteil der Abtei, um die andere Seite zu erkunden. Hier erwartet uns unter dem Titel „Algorithmic Perfumery“ laut Programmheft eine „Interactive Olfactory Installation“. Dank künstlicher Intelligenz sollen wir am Ende ein Flakon Parfüm in Händen halten, das auf Basis der von uns gelieferten Informationen zusammengestellt wird. Das Programm wird aber gerade in diesem Moment neugestartet, und so müssen wir auch diese Station vorerst überspringen.

Eindrucksvolle Erfahrungen

Etwas genervt könnte man nun fast schon sein, zum Glück bleibt aber noch ein letzter Pfeil, dem wir folgen können. Und dann endlich kann unser „Virtual Reality“-Abenteuer starten. Die VR-Headsets baumeln vor einer schwarzen Wand von der Decke und warten nur darauf, Platz auf unseren Köpfen zu finden. Bald werden wir in andere Sphären eintauchen, wie uns in einer kurzen Einführung erklärt wird. „Spheres - Chapter I-III“ von Eliza McNitt - ausgezeichnet mit dem „Grand Jury Prize“ beim Festival „Venice VR 2018“ - wird uns in den Kosmos entführen. Zwei Controller werden uns gereicht, die VR-Brille wird festgezurrt und die Kopfhörer aufgesetzt. Und schon verlassen wir den Erdball und schweben in die unendlichen Weiten des Weltraums, wo wir uns zwischen den Planeten wiederfinden, in die wir dann auch noch die Köpfe stecken können, die wir aber auch bei Seite schieben oder sogar zum Singen bringen können. Es dauert etwas, bis man sich nicht mehr unwohl fühlt, weil man weiß, dass man eigentlich mitten in einem Raum steht und mit den Armen fuchtelt. Die Illusion ist perfekt, die Bilder gestochen scharf, und ein leichtes Schwindelgefühl gibt’s bei dieser eindrucksvollen Erfahrung gratis dazu. Die drei Kapitel sollte man sich vielleicht nicht in einem Schwung reinziehen.

Gänsehautmomente

Wir steuern den nächsten Raum an, wo uns die interaktive VR-Erfahrung „The Key“ von Céline Tricart erwartet. Auch sie wurde in Venedig ausgezeichnet, dies 2019 mit dem „Grand Jury Prize for Best VR Immersive Work“. Diesmal geht es auf eine Reise durch eine mysteriöse Fantasiewelt. Welches Geheimnis sich hinter dem Schlüssel verbirgt, den wir virtuell mit auf den Weg bekommen, finden wir nach 20 Minuten heraus. Da hat sich längst eine leichte Gänsehaut auf unseren Armen ausgebreitet. Eine starke Geschichte mit einem überraschenden Schluss, der doch sehr zum Nachdenken anregt!

Nun ist es an der Zeit, eine luxemburgische Koproduktion zu testen. Wir nehmen Platz auf einem drehbaren Stuhl, lassen uns auch hier den VR-Helm aufsetzen und sind bereit für „7 lives“ (a_BAHN). Obwohl wir darauf vorbereitet sind, lässt sich ein leichtes Zusammenzucken nicht vermeiden, als sich eine junge Frau vor unseren Augen vor die Metro wirft. Wir werden eins mit ihrer Seele, die den toten Körper verlässt und nach und nach in die Gedankenwelt der anderen Zeugen dieses tragischen Vorfalls eintaucht. Auch diese „VR Experience“ verfehlt ihre Wirkung nicht.

Neugierig sind wir in der Zwischenzeit auch auf den animierten VR-Film „Gymnasia“ geworden, dies dank einer etwas gruseligen lebensgroßen Puppe, die auf einem fahrbaren Untersatz durch die Gänge des VR-Pavillons rollt. Wieder setzen wir uns hin, ziehen das Headset über und finden uns in der schaurigen Kulisse einer verlassenen Turnhalle wieder. Wie von Geisterhand beginnen die Basketbälle um uns herum auf und ab zu hüpfen. Und dann plötzlich… Nein, wir werden nicht alles verraten. Das VR-Festival läuft noch bis zum 15. März. Die Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen und dann auch genug Zeit mitbringen. Die Frisur ist nach dem mehrfachen Auf- und wieder Absetzen der VR-Helme zwar im Eimer, doch die Erfahrung ist dieses Opfer wert.
Bis 15. März täglich von 10.00 bis 18.00. Nicht geeignet für Kinder unter 13 Jahren. Der Eintritt ist frei