LUXEMBURG
PAUL HEBER

Gestern fand mit dem „Red Hand Day“ der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten statt. Auch wenn in der öffentlichen Wahrnehmung Kindersoldaten nur selten thematisiert werden, ist es weiterhin ein aktuelles Problem.

„Auch heute noch werden in vielen Konfliktgebieten Kindersoldaten eingesetzt. Genaue Zahlen wie viele es sind, gibt es nicht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Länder, Armeen und Milizen, die Kindersoldaten in ihren Reihen haben, dies nicht zugeben wollen. Eine Schätzung besagt, dass es weltweit rund 250.000 Kindersoldaten gibt. Diese Zahl ist jedoch vermutlich noch wesentliche höher. Dabei muss man sagen, dass als Kindersoldat je nach Land all jene gelten, die unter 18 sind. Wenn also zum Beispiel ein 17-Jähriger beschließt, als Freiheitskämpfer das Regime seines Landes zu bekämpfen ist dies demnach auch ein Kindersoldat.

Konflikte, in denen auch Kindersoldaten kämpfen, finden oft in Regionen der Welt statt, in denen viel Armut herrscht und die Kinder und ihre Familien keine echten Perspektiven haben. Oft sind es dann Milizen, Rebellen oder andere militante Gruppen, die von Dorf zu Dorf ziehen und die Kinder entweder mit falschen Versprechungen von einer besseren Zukunft locken, oder sie ganz einfach zwingen, sich ihnen anzuschließen. In einigen Fällen werden die Kinder vor die Wahl gestellt ihre eigene Familie umzubringen oder selber zu sterben. Somit sorgen die Anführer dieser Gruppen auch dafür, dass es für die Kinder kein Zurück mehr gibt.

Anschließend werden die Kinder mittels Drogen gefügig gemacht und auch Gewalt ist an der Tagesordnung. In einigen Fällen werden die Kinder vergewaltigt, was besonders oft bei Mädchen der Fall ist. Denn auch sie werden in einigen Regionen zu Kindersoldaten gemacht.

Die Kindersoldaten werden oft als erste Welle in den Kampf geschickt, um die erwachsenen Soldaten zu schützen. Diese perfide Praxis führt auch dazu, dass etwaige Gegner, wie reguläre Armeen, auf Kinder schießen müssen oder aber sie verweigern dies, weil die Soldaten einfach nicht auf Kinder schießen wollen. So geschehen 2013. Nachdem es in der Zentralafrikanische Republik einen Putsch gegeben hatte, waren auch internationale Kräfte im Land, um einzugreifen. Als diese jedoch auf den Schlachtfeldern Leichen von Kindersoldaten vorfanden, zogen sie sich sofort zurück. Die Kindersoldaten werden somit nicht nur als Kanonenfutter verwendet, sondern auch in gewisser Weise als psychologisches Kriegsmittel, um den Gegner zu beeinflussen.

Die Demobilisierung von Kindersoldaten, die Kinder also aus diesen Gruppen befreien und wieder in die Gesellschaft zu integrieren, fällt sehr schwer. Zum einen, weil sie selber nicht nur Opfer, sondern eben auch Täter sind und ihre Gemeinschaft, ihre Familie nichts mehr mit ihnen zu tun haben möchte. Zum anderen, weil diese Kinder schwer traumatisiert sind und Probleme oft nur noch mit Gewalt zu lösen wissen. Unicef versucht den Kindern entsprechend mit Psychologen und anderen Mitteln zu helfen, was allerdings sehr schwierig und langwierig sein kann. Und auch wenn es uns gelungen ist, zehntausende Kindersoldaten zu demobilisieren, bleibt es ein Kampf, der kein Ende zu haben scheint.“