Luxemburger müssten sich in Riga eigentlich sehr wohl fühlen: Genau wie Luxemburg-Stadt sind über 50 Prozent der Stadtfläche Grünfläche, es gibt ein Pendant zur „Gëlle Fra“ - das 1935 enthüllte Freiheitsdenkmal, das mit Spenden der lettischen Bevölkerung finanziert wurde - und Riga kann ein Lied von Besatzern singen. Es hatte eine Festung, die als mächtigstes Fort Europas galt und im 15. Jahrhundert abgetragen wurde. Auf den Resten der Bastion wurden Park- und Grünflächen angelegt, die sich nun im Halbkreis um die historische Altstadt ziehen und sie von der Neustadt mit ihrem Reichtum an Jugendstilhäusern abtrennt. Beide Stadtteile gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.
1200 vom deutschen Bischof Albert gegründet war es später Teil des polnisch-lettischen Königsreichs. Bereits 1282 trat Riga der Hanse bei, was seine Spuren hinterlassen hat: Es gibt bis heute überregionale Gemeinsamkeiten in der Architektur, der Kunst und im Städtebau, wie beispielsweise die Backsteingotik, die sich in den schmucken Gildehäusern in der Altstadt zeigt. Bis es Ende des 18. Jahrhunderts an Russland fiel, gehörte Riga dem schwedischen Königreich an.
Größtes Wirtschaftswachstum der Welt am Anfang des 20. Jahrhunderts
Von 1918 bis 1941 war Riga erstmals Hauptstadt der unabhängigen Republik Lettland, dann begann die Okkupationszeit durch Russland, Nazi-Deutschland und bis 1990 wieder Russland. Seit 1991 ist Lettland erst wieder unabhängig. Heute machen die Letten in Riga keine 50 Prozent mehr aus, die russischsprachigen Volksgruppen überwiegen. Dennoch setzte man durch, dass an den staatlich finanzierten russischsprachigen Schulen lettisch unterrichtet wird.
Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Riga dank des Hafens und seiner Industrien das größte Wirtschaftswachstum der Welt. Aus dieser Zeit stammen auch die vielen Jugendstilhäuser - ein Drittel der 5.458 Gebäude des historischen Zentrums sind in diesem Stil gebaut. Die bekanntesten Jugendstilhäuser findet man in der Albertstraße, in der drei Gebäude des Architekten Michail Eisenstein zu bestaunen sind.
Kunst und Kultur findet man auf Schritt und Tritt: Es gibt wohl nur wenige Städte, die so viel Skulpturen und Kunstwerke im öffentlichen Raum aufweisen können. Die Letten sind stolz auf ihre Dichter, Maler, Komponisten, Musiker und sie zeigen es. Ihre Nationaloper ist weltweit unter Kennern der klassischen Musik bekannt und bietet absolute Weltklasse. Die Anzahl der Museen ist beeindruckend - ob Fotografie, Architektur, Design, Schifffahrt, ausländische Kunst oder Schrifttum, Theater und Musik, hier findet jeder etwas.
Riga ist die größte Stadt des Baltikums. 700.000 Einwohner zählt die Stadt, die sich rechts und links entlang der Düna hinzieht. Und auch wenn Riga weiterhin eines der größten Wirtschafts- und Handelszentren der Region ist, so ist doch auch beschaulich und gemütlich. Mit seinen vielen Terrassen, die wegen des eher frischen Klimas - die Temperaturen steigen auch im Sommer kaum über 20 Grad - geheizt sind, lädt es zum Verweilen ein. Kulinarisch überrascht die lettische Küche mit feinen, sehr frischen und leichten Gerichten und exzellenter Qualität an Fleisch, Fisch, Gemüse und Salaten. Die Preise sind dafür sehr moderat. Schokolade und Pralinen gehören zu den Spezialitäten der Stadt.
Eine Reise nach Riga lohnt auf alle Fälle, und wenn man sich nicht wirklich ein paar Tage Zeit lässt, dann könnten es auch ein paar Reisen werden, um alle Facetten der historienträchtigen Stadt gesehen und erlebt zu haben. Gerade jetzt, nachdem die EU-Präsidentschaft an Luxemburg übergegangen ist, geht es dort vielleicht wieder etwas ruhiger zu.






