LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

In fünf Jahren eröffnet die „Galerie nationale d’art luxembourgeois“ im Gebäude der BnL

Weder soll ein Ghetto für luxemburgische Kunst entstehen, noch will sich Kulturminister Xavier Bettel mit diesem Projekt ein letztes Monument bauen, noch hat das Ganze etwas mit Nationalismus zu tun: Diese Vorurteile hatten die Runde gemacht, seit die Schaffung einer „Galerie nationale d’art luxembourgeois“ in dem bald leer stehenden Gebäude der Nationalbibliothek (BnL) angekündigt wurde. Gestern stellte Xavier Bettel das Projekt „Nationalgalerie“ genauer vor und schaffte gleichzeitig die Vorwürfe aus der Welt.

Kostenpunkt: 36 Millionen Euro

Nachdem der Umzug der Nationalbibliothek in einen Neubau auf Kirchberg in trockenen Tüchern war, hätte sich die Frage gestellt, was mit dem Gebäude neben der Kathedrale passiere. Anfang 2016 bereits hätte er vorgeschlagen, dort eine Nationalgalerie zu schaffen, so Bettel. Die Idee sei im gleichen Jahr vom Regierungsrat zurückbehalten worden, beziehungsweise habe man sich für eine doppelte Zweckbestimmung ausgesprochen. Einerseits soll das „Ale Kolléisch“ eine Kunstgalerie sowie ein Dokumentationszentrum beherbergen, andererseits werden 1.600 m2 für betreutes Wohnen (36 Wohnungen) entstehen. Mit den Umbauarbeiten wird in zwei Jahren begonnen. Nach dreijähriger Bauphase soll die „Galerie nationale“ öffnen. 36 Millionen Euro wird das Vorhaben kosten.

Die Geschichte des Gebäudes, das 1964 als nationales Monument klassiert wurde, beginnt indes bereits im Jahr 1603 als „Collège des Jésuites“. Zwischen 1773 und 1817 diente es als „Collège royal“, Militärklinik und Gemeindehaus. Von 1817 bis 1964 befand sich das „Athenée de Luxembourg“ an dieser Adresse, bevor 1973 schließlich die Nationalbibliothek einzog.

Künstler mit Luxemburger Bezug

„Ziel ist es, der Luxemburger Kunst einen Platz zu bieten, wo sie die nötige Aufwertung erfährt“, sagte Bettel. 1.000 m2 Ausstellungsfläche werden zur Verfügung stehen. „Ausgestellt werden Künstler unabhängig ihrer Nationalität, die entweder hier aktiv sind oder aber luxemburgische Wurzeln haben und im Ausland arbeiten“, hieß es weiter. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit - allen voran - dem „Musée national d’histoire et d’art“ (MNHA), aber auch den Stadtmuseen, dem Mudam und dem Casino, entstehen und komplementär zu anderen Strukturen funktionieren. „Wir schaffen kein Ghetto für Luxemburger Kunst“, stellte Bettel klar. Vielmehr gehe es darum, dem nationalen wie internationalen Publikum zu zeigen, was Luxemburg an Kunst zu bieten habe. Vorgesehen ist eine permanente Schau, die einen chronologischen Überblick und somit Einblick in die nationale Kunstgeschichte bietet, sowie temporäre Ausstellungen mit Schwerpunkt auf bestimmte Künstler. Alle Sparten der darstellenden Kunst werden abgedeckt.

„Da wir der Ansicht sind, dass es nicht reicht, diese nationale Kunst nur zu zeigen, wird gleichzeitig ein Dokumentationszentrum entstehen, demnach ein zentraler Platz, wo alles aufgearbeitet und konserviert wird, was einen Bezug zur luxemburgischen Kunstgeschichte hat, von ihren Anfängen bis heute“, wurde weiter kommuniziert. Vor allem die Phase von 1945 bis heute sei bislang nur lückenhaft abgedeckt, stellte Bettel fest. Besonders interessant in diesem Kontext ist auch die Ausarbeitung eines „Dictionnaire des artistes luxembourgeois“.

Angedockt an das MNHA

Was die Rechtsform anbelangt, so wird die Nationalgalerie an das MNHA angegliedert, ähnlich wie bereits das „Musée Dräi Eechelen“. Synergien bündeln laute die Devise. Es soll keine Eigenkollektion entstehen, sondern Leihgaben (vom MNHA, anderen Institutionen oder Privatsammlern) ausgestellt werden. Zehn bis zwölf Mitarbeiter sollen später in der Galerie tätig sein, bereits jetzt werde indes ein Konservator eingestellt, um das Konzept auszuarbeiten.

Das Erdgeschoss mit Haupteingang in der Rue Notre-Dame wird der Galerie mit Ausstellungsräumen, Dokumentationszentrum und Konferenzsaal vorbehalten sein. Im ersten Stockwerk befinden sich in drei Seitenflügeln zusätzliche Exporäume sowie Wohnungen. Weitere Wohneinheiten sind auf der zweiten Etage vorgesehen, wo auch die Verwaltung untergebracht wird. Im Untergeschoss befindet sich das Lager.

Wichtige archivarische Arbeit

„Wenn man die Forschung über die Kunst Luxemburgs vereinfachen will, muss man einen Ort schaffen, wo die systematische Dokumentation garantiert wird. Es geht darum, den archivarischen Nachlass eines Künstlers aufzubewahren und nicht darum, seine Werke zu konservieren. Das Künstlerlexikon wird dem Leben und dem Werk des Künstlers gewidmet sein. Darin aufgenommen werden Künstler mit Luxemburger Bezug, vorausgesetzt sie können mindestens eine monografische Ausstellung in einem dafür vorgesehenen Ort aufweisen. Das Werk wird nicht wertend analysiert“, erklärte Gilles Zeimet vom MNHA. Zu den Einträgen gehören faktische Informationen ebenso wie Artikel von Experten.

Die Politik mische sich nicht in die Auswahl der Künstler ein, betonte Bettel abschließend: „Ich bin der Meinung, dass wir genug Material haben, um die ganze Galerie zu füllen. Wir können stolz darauf sein. Mit Nationalismus hat das nichts zu tun. Es geht einfach darum, zu zeigen, dass wir reichlich Talente haben. Mit dieser Galerie bieten wir der Kunst aus Luxemburg eine permanente Vitrine“.