CLAUDE KARGER

Auf die Gefahr hin, das Osterwochenende zu vermasseln: Über den Berg sind wir in der Covid-19-Krise noch lange nicht. „Mir sinn nach net derduerch“, um es mit Gesundheitsministerin Paulette Lenert zu sagen, die gestern erneut vor die Presse trat. Die Zahl der Todesfälle nimmt weiterhin zu, die Zahl der Infizierten ebenfalls. Und das weltweit, gestern wurde die Marke von 100.000 Opfern überschritten, weit über 1,6 Millionen Menschen sind infiziert, die Dunkelziffer ist hoch. Gegen das neuartige Virus - das manche immer noch für eine gewöhnliche Grippe oder eine schlechte Verschwörung halten - gibt es bis auf Weiteres noch keinen Impfstoff und es ist auch noch ziemlich unklar, wie sich der Erreger genau verhält. Klar ist, wie er sich überträgt und was zu tun ist, um sich gegen ihn zu schützen. ie „gestes barrière“ dürften die meisten bislang gelernt haben. Aufpassen, Abstand zu anderen halten, in den Ellbogen husten oder niesen, nicht im Gesicht rumfummeln, häufig die Hände waschen, damit das Virus keine Chance hat, sich festzusetzen.

Klar ist, Atemschutzmasken - sogar die, die viele Freiwillige nun „bitzen“ - können den Schutz verstärken, sind aber keine Wunderwaffe gegen Covid-19. Dennoch sollte jeder Verantwortung übernehmen, zumal wenn er oder sie schon mit Atemwegsbeschwerden geplagt ist, um sich und andere zu schützen, wenn man sich an Orte wie Supermärkte begibt, wo trotzdem noch viel „Verkehr“ herrscht. Fakt ist, dass solche Masken die Distanz zwischen den Bürgern noch vergrößern, weil dann die Gesichter nicht mehr „lesbar“ sind, in denen sich unsere Gefühle spiegeln. Die Gesellschaft würde „kälter“, das „social distancing“ verschärft, dieses Unwort des Jahres, das eigentlich, wie immer mehr meinen, gestrichen werden sollte und durch „physical distancing + social solidarity“ ersetzt werden müsste. Dass die Solidarität derzeit besonders groß geschrieben wird im Ländchen und auch weit über die Grenzen hinaus, ist toll. Doch sollte diese psychologisch erschöpfende Krise länger dauern, wird auch ihr irgendwann ein Stresstest bevorstehen. Deshalb: feiern wir den Einsatz vieler Mitbürger für andere in diesen Zeiten, wo wir nur können. Er ist außergewöhnlich!

Der Applaus wärmt uns auch selbst. Wir werden natürlich Unsummen an Geld, aber vor allem auch viel menschliche Wärme brauchen, wenn es darum geht, die tiefen Spuren in Gesellschaft und Wirtschaft zu überwinden, die das Virus bereits geschlagen hat. Der Mensch kann nicht lange in einer ständigen Bedrohung und bei unklaren Zukunftsperspektiven verharren. Deshalb muss schnell ein Ausstiegsszenario aus der jetzigen Lage her mit einer sanitären Agenda, einer bildungspolitischen, einer wirtschaftlichen - welche Sektoren werden am ehesten wieder „hochgefahren“ - und einer gesellschaftlichen - welche der uns sehr schwer belastenden Ausgangsbeschränkungen - die mittlerweile übrigens über vier Milliarden Menschen auf dem Planeten betreffen, mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung also - werden für wen wann in welchem Maße wieder aufgehoben? azu gehört natürlich auch die stufenweise Rücknahme der Notstandsgesetze. Nächste Woche soll auch in Luxemburg eine Ausstiegsagenda vorliegen. Aber es gibt für Jahre viel zu tun. Denn aus dem Kampf gegen die Pandemie wollen schließlich auch noch Lehren für die Zukunft gezogen werden.