LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Wie das Bildungsministerium die Berufsausbildung attraktiver gestalten will

Das Bildungsministerium hat in dieser Legislatur aber auch darüber hinaus einiges in der Berufsausbildung vor. Mit dem Ziel, die Berufsausbildung attraktiver zu gestalten und Schülern neue Perspektiven zu bieten, hat Bildungsminister Claude Meisch zusammen mit den Verantwortlichen seines Ministeriums teils bekannte, teils neue Initiativen vorgestellt. Die, wie der DP-Minister betonte, in einer „engen Partnerschaft“ mit den Berufskammern, Schulen und Lehrern in Angriff genommen werden sollen.

So soll etwa das bereits bestehende Stufenmodell weiter ausgebaut werden. Damit es einfacher wird, nach einem Berufsbefähigungszeugnis (CCP) noch den beruflichen Eignungsnachweis (DAP) anzustreben oder nach dem DAP-Abschluss das Technikerdiplom, sollen die Inhalte der einzelnen Diplomierungsgänge besser aufeinander abgestimmt werden.

Wer ein DAP-Diplom sein eigen nennt, aber keinen Sekundarabschluss hat, kann seine Hochschulreife in zwei Jahren mit dem bereits heute angebotenen „diplôme d’accès aux études supérieures“ (DAES) bei der nationalen Erwachsenenschule nachholen. Bereits bekannt sind die Pläne zur Einführung eines Doppeldiploms, das es Schülern erlaubt, parallel zu ihrem Abschluss im allgemeinen Sekundarunterricht auch eine DAP-Zertifizierung zu erhalten. Wie den Aussagen Meischs zu entnehmen ist, sind hier allerdings noch nicht alle Fragen geklärt.

Im „Lycée du Nord“ kündigt sich derweil ein Pilotprojekt für einen BTS in dualer Ausbildung im Handel an, also mit einem Lehrlingsvertrag. Ziel ist es, die Studenten früher an das Berufsleben heranzuführen und ihre Chancen zu erhöhen, später einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu erhalten.

Die Vorbereitungsmodule, die es Studenten mit einem Technikerdiplom ermöglichen, sich für weiterführende Studien an einer Hochschule zu bewerben, sollen noch spezifischer auf die Fachrichtung ausgerichtet werden, kündigt Meisch an.

Ein Jahr dranhängen, um aus einem BTS- einen Bachelor-Abschluss zu machen? Die „École de Commerce et de Gestion - School of Business and Management“ (ECG) und das „Lycée des Arts et Métiers“ haben zusammen mit der Universität Luxemburg diese Möglichkeit ausgearbeitet. Im ECG kann so aus einem Höheren Fachdiplom „Gestionnaire comptable et fiscal“ ein Bachelor in der Buchhaltung werden. Im „Arts et Métiers“ wird in diesem Herbst indes der Bachelor für Animationszeichnung angeboten. Da kein „Bachelor zweiter Klasse“ entstehen soll und demnach auch etwa ein Auslandssemester dazu gehört, müssen sich Interessierte allerdings im ersten Jahr für BTS mit oder ohne Bachelor entscheiden.

Berufsausbildung stärker an die Bedürfnisse der Unternehmen anpassen

Wohl länger als eine Legislaturperiode wird die Überarbeitung der 120 Berufsausbildungsgänge dauern. Die Berufsausbildung soll einerseits stärker an die Bedürfnisse der Unternehmen, andererseits auch an die technologischen Entwicklungen angepasst werden. Berücksichtigt werden soll, wie sich Berufsbilder durch die Digitalisierung verändern, aber auch, wie digitale Hilfsmittel sinnvoll in der Ausbildung eingesetzt werden können.

Der Sprachenunterricht soll in der Berufsausbildung stärker auf das Fachvokabular und die Praxis ausgelegt werden. Parallel dazu wird weiter daran gearbeitet, die Ausbildungen sowohl in deutscher wie in französischer, gegebenenfalls auch in englischer Sprache anzubieten.

Wer seine Berufsausbildung abbricht, soll die Möglichkeit bekommen, sich die bestandenen Module zertifizieren zu lassen. So wird die Möglichkeit geschaffen, durch ergänzende Weiterbildungen zu einem späteren Zeitpunkt doch noch ein Diplom zu erhalten.

Alle Pläne und Ideen des Ministeriums für die Berufsausbildung und die Weiterbildung sind damit noch nicht aufgezählt. Nach eher strukturellen Reformen in den vergangenen Jahren soll in dieser Legislatur ein besonderes Augenmerk auf der Weiterentwicklung der Berufsausbildung liegen, da sie ein ausschlaggebender Faktor für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft sei. Mit den jetzt vorgestellten Plänen wolle man zeigen, dass sich die Berufsausbildung nach den unterschiedlichsten Talenten junger Menschen richten könne, so Meisch.

In der kommenden Woche wird sich Parlament nach Aussagen des Ministers ebenfalls erneut mit dem Thema Berufsausbildung befassen. Mit den gesetzlichen Anpassungen wird unter anderem wieder eine Benotung ergänzend zur Kompetenzbewertung eingeführt. Die Reform führt darüber hinaus auch die Möglichkeit ein, berufsbegleitend eine Berufsausbildung zu absolvieren.

Knapp zusammmengefasst: Weitere Initiativen

Eine Akkreditierungsagentur soll in enger Zusammenarbeit mit den Berufskammern entstehen. Sie soll die Qualität des beruflichen Weiterbildungsangebots garantieren und für Transparenz auf dem Markt der Weiterbildung sorgen.

Die nationalen Zentren für berufliche Weiterbildung (CNFPC) sollen „dynamisiert“ werden und näher an die Bedürfnisse der Unternehmen oder auch der ADEM rücken. So sollen auch maßgeschneiderte Weiterbildungen möglich werden.

Im kommenden Jahr findet zum ersten Mal ein Festival der Berufe statt. Unter dem Motto „Meng Schoul, mäi Beruff, meng Zukunft“ richtet sich dieses Festival während zwei Tagen an Schüler des 4. Zyklus in der Grundschule sowie der unteren Sekundarschulklassen, wie auch Eltern oder Lehrer.

Die Prozedur zur Anerkennung von erworbenen Kompetenzen (VAE) soll vereinfacht werden, damit mehr Menschen davon Gebrauch machen können.

Zu den neuen Ausbildungen zählen der Techniker im E-Commerce und der DAP in der Kinderbetreuung. Im CCP sind weitere Ausbildungen geplant.