LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Neimënster“ widmet sein Programm der Flüchtlings- und Migrationsthematik

Wer sind diese Menschen, die ihre Heimat verlassen und ihr Leben auf hoher See riskieren, um nach Europa zu kommen? Dieser Frage widmet sich das Kulturzentrum „Neimënster“ in den nächsten sechs Monaten. Im gestern vorgestellten Programm wird der Fokus auf die Flüchtlingsthematik gerichtet, beziehungsweise auf die Migration an sich. „Diese ganze Thematik von Bewegungen, wo wächst man auf, wo geht man hin... darauf haben wir uns konzentriert“, erklärte Direktorin Ainhoa Achutegui. Theaterstücke wie „Dans les yeaux du ciel“ (Rachid Benzine) und „Welcome to paradise“ (Carole Lorang/Mani Muller), diverse eindringliche Fotoausstellungen oder thematische Konferenzen werden das Thema auf unterschiedlichste Art und Weisen beleuchten.

Kultur im und aus dem Orient

So wirft „Neimënster“ beispielsweise einen umfassenden Blick auf den Orient, dies aus mehreren Perspektiven. Unter dem Motto „Automne orientale“ (von Oktober bis Dezember) wird eine andere Seite des Mittleren Ostens gezeigt, der allzu oft mit dem radikalen Islam gleichgesetzt wird und deshalb die Vielfalt der östlichen Kultur in den Hintergrund rückt. Hervorstreichen kann man in diesem Kontext eine Produktion von Regisseur Guillaume Clayssen: Er wählt die Form des Dokumentartheaters für seine Inszenierung der berühmten „Lettres Persanes“ von Montesquieu und versetzt die Handlung in die Gegenwart (am 12. November).

Eine große Konferenz - „das war mir sehr wichtig“, unterstrich Achutegui - über die Zerstörung des Weltkulturerbes in Syrien wird am 13. Dezember abgehalten. Gastredner ist Jean-Yves Monchambert, der bei der Unesco ist sowie Direktor für Kunstgeschichte und Archäologie an der Sorbonne. „Wir befinden uns momentan in einer Situation, in der die Zerstörung des Weltkulturerbes vor sich geht und wir schauen zu, beziehungsweise es geht unter, weil es andere Problematiken gibt, die wichtiger sind. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es diese Zerstörung gibt. Das ist unser Erbe, das was uns als Menschheit auszeichnet“, betonte die Direktorin.

„Boat People“ im Mittelpunkt mehrerer Expos

„Neimënster“ beschäftigt sich aber auch eingehend mit den Migrations- und Flüchtlingswellen der vergangenen Monate, denen mehrere Fotoausstellungen gewidmet sind, so etwa „Flüchtlinge - Eine Herausforderung für Europa“ der berühmten Fotografin Herlinde Koelbl. Eine Fotoausstellung über den Dschungel von Calais von Chiara Debize wird ebenfalls gezeigt. Der maltesische Fotoreporter Darrin Zammit Lupi beschäftigt sich mit den Neuankömmlingen in Malta. „Neimënster“ stellt indes die Kultur Maltas im Rahmen der maltesischen EU-Ratspräsidentschaft 2017 ab Ende Januar bis Mitte März in den Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe.

Irakischer Humorist Ahmed Albasheer

Ein großes Highlight der Saison ist der Auftritt des populären irakischen Humoristen Ahmed Albasheer, der 2011 bei einem Selbstmordattentat viele Freunde verlor und nach Jordanien floh, wo er heute noch im Exil lebt. Er ist einer der Gäste des diesjährigen Festivals „Humour pour la paix“ im Februar. Albasheer moderiert im jordanischen Fernsehen zur besten Sendezeit eine Satireshow, in der er das Chaos in seiner Heimat verspottet und den IS parodiert. Damit ist er zu einem der beliebtesten Komiker im arabischen Raum aufgestiegen.

Klangerlebnis: „The Bock“ im Hof der Abtei

Ein weiterer Höhepunkt ist zweifelsohne die Kreation der Philharmonie „The Bock, Festung Europa. Ein Panorama.“ am 9. Dezember im Hof der Abtei: Blasorchesterklang wird den Bockfelsen einhüllen, Bewegungen und Klangaktionen aus den Kasematten und der ganzen Umgebung tun ihr Übriges, um ein einzigartiges Klangerlebnis zu erzeugen.

Märchenwaldlandschaft für das junge Publikum

Das Märchenfestival „Contes sans frontières“ für Kinder steht diesmal ganz im Zeichen des Waldes. Vom 19. bis 22. November verwandelt sich die Abtei in eine Märchenwaldlandschaft mit Elfen, Waldgeistern und Gnomen. Erzähler werden das Publikum mit auf eine fantastische Reise nehmen, es wird gebastelt und gemalt.


Das ganze Programm unter www.neimenster.lu