LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

37 Schüler und kreative Profis heben den Jugendklassiker als „ID-#Neverland“ in die Großstadt

Wir fliegen mit einer roten Kugel ins ,Neverland‘, aber erst muss ich daraus trinken“, beschreibt Angie eine der Schlüsselszenen, die sie in dieser modernen Version von Peter Pan spielt. Die 13-Jährige verkörpert mit der Figur der Wendy eine der Hauptrollen in dem Stück „ID-#Neverland“ - die rote Kugel ist übrigens eine Anspielung an einen bekannten Energydrink und steht damit für die Modernität der Inszenierung. „Ich mag den Film und finde die Figur nett, sie hat die ganze Verantwortung“, erzählt Angie über ihre Rolle. Die Arbeit auf der Bühne gefällt ihr gut, erst recht, nachdem sich die Schüler besser kennengelernt haben und sich bei den Proben engagieren. „Nicht jeder hat die Chance, so etwas Tolles zu machen“, sagt Angie, der das Stück sehr gefällt.

Im Stück geht es natürlich um Peter Pan, die Titelfigur aus dem berühmten Roman von James Matthew Barrie. Nur wird der Stoff hier in die Großstadt verlegt. Mittels Rap und Hip Hop-Tanz erzählt „ID-#Neverland“ die Geschichte von dem Jungen, der nie erwachsen werden wollte, neu: Neue Medien und Technik bekommen ihren eigenen Platz. So muss für den Flug nach Nimmerland auch der Flugzeugmodus im Smartphone eingeschaltet werden, sonst können Peter, Wendy und die Jungs auch trotz Red Bull nicht abheben. Und Wendy teilt ihre Gedanken und Ängste um das bald drohende Erwachsenwerden mit der Spracherkennungssoftware Siri.

37 Schüler auf undhinter der Bühne

Auch das Universum von „Neverland“ selbst wird hier zeitgemäß dargestellt. Die „Lost Boys“ sind jugendliche Waisen, die von Peter Pan in einem Heim aufgenommen werden, von wo aus man sich der Verantwortung der Erwachsenenwelt entziehen und viel vorm Smartphone abhängen kann.

Rappen, tanzen, schauspielern und beatboxen: Auf dem Weg nach Nimmerland wird von den Schülern jedenfalls viel verlangt. Damit bis zur Premiere von „ID-#Neverland“ alles sitzt, sind die insgesamt 37 Schüler auf und hinter der Bühne ganz schön am Wirbeln und Rotieren. Die 13- bis 15-Jährigen bestreiten das Stück auf Französisch, Deutsch, Luxemburgisch und Englisch. Von den insgesamt 37 Teilnehmern stehen 31 auf der Bühne, sechs Schüler kümmern sich ausschließlich um die Kostüme.

Das Projekt versammelt Schüler aus vier Lyzeen: das „Lycée Technique du Centre, annexe Kirchberg“, das „Lycée Technique de Bonnevoie“, das „Lënster Lycée“ und das „Lycée Aline Mayrisch“. Begleitet werden die Schüler von einer künstlerischen Truppe bestehend aus der Choreografin und Schauspieldirektorin Piera Jovic, dem Rapper David Galassi, der Kostümbildnerin Natercia Rebelo, dem Beatmaker Eric Bintz, dem Szenografen Raoul Gross und der Schauspiel-Assistentin Amandine Moutier.

Erst einmal warm werden

Am Anfang waren die Jugendlichen weniger involviert. Peter Pan, ausgerechnet Peter Pan? Aber wie die Aufgaben verteilt wurden, Szenen durch Texte, Rap und Kostüme Gestalt annahmen, standen sie mehr und mehr hinter dem Projekt. „Sie mussten sich Choreographien erst aneignen, dann verstehen und dann verinnerlichen“, erklärt Schauspieldirektorin Jovic. Ebenso mussten die Jugendlichen mit der Bühne zunächst warm werden. „Sie müssen auch erst einmal verstehen, wie es ist, auf der Bühne zu stehen und dass sie nicht sich selbst spielen“, führt sie weiter aus.

Entwickelt wurde das Konzept #Neverland von Kendra Horsburgh. Die gebürtige Luxemburgerin verfolgt seit mehreren Jahren eine Karriere als Tänzerin, Choreografin und künstlerische Leiterin in London. Das ID Projekt wiederum gibt es seit 2009. Jedes Jahr versammelt es Schüler aus mehreren Gymnasien, die ihr eigenes Theaterstück auf die Beine stellen. Ein Team von Künstlern aus verschiedensten Bereichen und ihre Lehrer unterstützen sie dabei.


Das Stück ist am Samstag, 19.00, und am Sonntag, 17.00,

zu sehen. Tickets für sechs Euro, ab zehn Jahren.

Schulvorstellungen am Freitag, 10.30, und am Montag, 10.30.

Weitere Infos unter www.rotondes.lu und www.kendraj.com