TRIER
MARCUS STÖLB

Ein Geschichtsbuch über das Papstamt

Ein Buch liest man gemeinhin nicht von seinem Ende her, doch in diesem Fall lohnt es, eine Ausnahme zu machen: „Die Päpste“ lautet der Titel eines jetzt in der Deutschen Verlagsanstalt erschienenen Sammelbands, „Herrscher des Glaubens - von Petrus bis Franziskus“ sein Untertitel.

Der Mann, der am 13. März die Loggia von St. Peter betrat und die Menschen mit einem ebenso freundlichen wie schlichten „Buona Sera“ begrüßte, hat bei vielen Gläubigen und auch der katholischen Kirche eigentlich fernstehenden Menschen neue Hoffnungen geweckt; und dafür gesorgt, dass das vollkommen aus der Zeit gefallene Amt des Papstes von Neuem fasziniert.

Glaubenslehre bliebt meist aufder Strecke

Autoren des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und renommierte Kirchenhistoriker sowie Schriftsteller widmen sich der Geschichte des Petrusamtes. Das letzte Kapitel porträtiert jenen Jorge Mario Bergoglio, der als erstes Kirchenoberhaupt in der Geschichte aus Lateinamerika stammt und von dem Autor Norbert F. Pötzl schreibt, er sei der Mann, der ein Drittes Vatikanisches Konzil ausrufen könnte - und der damit an Johannes XXIII. anknüpfen könnte.

Weil indes noch niemand abschätzen kann, wie weit Franziskus gehen und ob er sich innerhalb der Kurie durchsetzen kann, bleibt naturgemäß vieles noch Spekulation, weshalb das Franziskus-Kapitel noch sehr dünn ausfällt. Erst retrospektiv wird man eines Tages urteilen können, ob der neue Papst die alte Kirche über seine Gesten hinaus tatsächlich in eine neue Zeit geführt hat.

Dass sich Papstamt und Vatikan im Rahmen ihres dem Zeitgeist grundsätzlich abholden Selbstverständnisses immer wieder und meist sehr spät erneuern mussten, wird in den verschiedenen Kapiteln deutlich. Der Vatikan war immer auch ein Hort von Korruption und Missgunst, Intrigen und Machtkämpfen - die reine Glaubenslehre blieb meist auf der Strecke, wenn es um wahrhaft weltliche Interessen ging.

Spannend geschriebener erster Eindruck

Fundiert und bisweilen im Stil eines Kriminalromans geschrieben berichten die Autoren über zwielichtige Gestalten, etwa Alexander VI., der als Rodrigo Borgia durch Ämterkauf an die Kirchenspitze gelangte und das Amt fortan vor allem zur Bereicherung seines Clans nutzte. Roms unheilvoller Schlingerkurs gegenüber den faschistischen Regimen wird ebenso thematisiert wie der „Menschenfischer“ Johannes Paul II. oder das Zweite Vatikanische Konzil und die damalige Rolle des späteren Papst Benedikt XVI.

Die lange Geschichte der Petrus-Nachfolger wird in diesem Sammelband nicht erzählt - das ließe sich auch nicht leisten und würde selbst den geneigten Leser überfordern. Wer sich einen ersten hintergründigen und spannend geschriebenen Eindruck verschaffen möchte von dem Amt, das nach Auffassung des Kirchenhistorikers Walter Kardinal Brandmüller „im genetischen Code des Christentums enthalten“ ist, für den lohnt die Lektüre. Auch der in der Materie bewanderte Leser erfährt manch Neues über „den Herrscher über das Reich des Noch-Nicht“, als den der bedeutende Schriftsteller Martin Mosebach das Papstamt bezeichnet.
Norbert F. Pötzl, Johannes Saltzwedel (Herausgeber): Die Päpste, Herrscher über den Glauben - von Petrus bis Franziskus, München 2013, 336 Seiten.