LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Mutmaßliches Vergewaltigungsopfer öffentlich befragt

Am Mittwoch war der zweite Prozesstag am Bezirksgericht Luxemburg gegen einen 59-jährigen Pfarrer, dem vorgeworfen wird, 2008 einen 13-jährigen Jungen mehrfach vergewaltigt zu haben. Dem Mann drohten 15 Jahre Haft.

Die mutmaßlichen Sexualdelikte waren erst 2014 zur Anzeige gebracht worden. Im Prozess steht die Aussage des mutmaßlichen Opfers gegen die Aussage des mutmaßlichen Täters.

Nachdem mehrere Personen, die dem Umfeld der Zeugen zuzuordnen sind den Saal verlassen hatten, wurde das Video der Vernehmung des Opfers gezeigt. Darauf schilderte der Junge die angebliche Tat dem Vernehmungsbeamten. Der damals 20 Jahre alte Mann beschuldigte den Pfarrer, ihn 2008 in Taizé (Frankreich) zum Sex gezwungen zu haben.

Er erzählte, dass er vor seinem Geburtstag mit einer Gruppe von Messdienern nach Taizé gefahren sei. Die Gruppe bestand aus neun Jungen und einem Mädchen. Vier Erwachsene seien als Aufpasser mitgefahren. Sie hätten in einem Gästehaus gewohnt. Die Gruppe sei in verschiedene Zimmer aufgeteilt worden. Er blieb als Letzter übrig. Das sei der Grund gewesen warum er mit dem Pfarrer in einem Zimmer übernachten musste. Der Pfarrer hätte ihm Andeutungen gemacht und hätte ihm die Hand gehalten. Dabei hätte er ihm gesagt „Ech hunn dech gären.“ Der Pfarrer hätte ihn dann geküsst. Der Junge hätte Angst gehabt und sich nicht gewehrt. Im Zimmer wäre das Licht ausgeschaltet worden. Der Pfarrer hätte sich dann ausgezogen und hätte sich nackt neben ihn ins Bett gelegt. Er hätte sich dann auch ausgezogen. Es wäre dann zur Masturbation und zum Oralverkehr gekommen. Der Pfarrer hätte aber nichts verlangt.

Der Junge wusste nicht was er darüber denken sollte, er wollte nur verstehen. Ein Jahr später bei einem Besuch in Rom soll es zu weiteren Übergriffen gekommen sein. Der Pfarrer wollte, dass der Junge nie jemand davon erzählen soll. In den ersten zwei Jahren nach dem Vorfall hätte er Selbstmordgedanken gehabt. Er sei dem Pfarrer dann aus dem Weg gegangen. Er sei zu eingeschüchtert gewesen und hätte ihm einmal gesagt, dass er den Vorfall der Polizei mitteilen würde. Er sei irgendwie befreit gewesen und hätte jetzt Gelegenheit einen Schlussstrich unter die Sache zu setzen - fürchtete aber, dass ihm nicht geglaubt werde. Für ihn sei es eine Vergewaltigung gewesen, und er ist der Meinung, dass der Pfarrer die Sache geplant hatte. Sein Vater hätte dann später mit dem Pfarrer geredet.

Die gerichtliche Vernehmung

Das Gericht beschloss, die Öffentlichkeit während der Vernehmung des Opfers vor Gericht nicht auszuschließen. Der junge Mann sagte, der Pfarrer hätte ihm vor dem Vorfall einmal gesagt „Du bass mäi Frënd.“ Er hätte sich dabei nichts gedacht und das Ganze nicht mit irgendetwas in Verbindung gebracht. Er sei eher vom Priester verwöhnt worden und hätte Extrageschenke vom Pfarrer bekommen. Das Opfer sprach von Annäherungsversuchen des Pfarrers. Im Bus nach Taizé hätte er neben ihm gesessen. Da hätte der Pfarrer ihn geküsst. Mit vierzehn Jahren sei er immens scheu gewesen. Der Pfarrer wäre für ihn eine Vaterfigur gewesen. Wenn der Pfarrer sich auf ihn gelegt habe, hätte er nicht die Kraft gehabt ihn wegzuschubsen, sagte das Opfer. Er hätte den Pfarrer einmal 2013 oder 2014 besucht. Er hätte dem Pfarrer gesagt, dass er Selbstmordgedanken gehabt hätte. Der Pfarrer hätte ihm geantwortet „Die habe ich auch.“ „Ich bin dann angeekelt und erbost nach hause gegangen“, sagte der junge Mann. Der Pfarrer hätte sich auch nie bei ihm entschuldigt. Er hätte volles Vertrauen in den Pfarrer gehabt. Einem Freund hätte er dann alles erzählt. Das hätte dann die Sache ins Rollen gebracht.

Weitere Schritte

Die Vorsitzende Richterin erklärte dann die weiteren juristischen Schritte: Wenn keinerlei sonstige Beweise vorliegen, obliegt es der Kriminalkammer, die Glaubwürdigkeit des Opfers und des mutmaßlichen Täters zu beurteilen.

Ex-Generalvikar Mathias Schiltz sprach dem Angeklagten nur Lob aus. In seiner langen Amtszeit hätte er nie über den Pfarrer klagen müssen. Er hätte allerdings gemerkt, dass der Angeklagte manchmal schwermütig war. Der Mann sei ein Hirte gewesen. Der Prozess wird Donnerstag fortgesetzt.