LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Im Fall um den sexuellen Missbrauch durch einen Pfarrer kommen immer mehr Details ans Licht

Im Prozess um eine mutmaßliche Vergewaltigung eines Jungen durch einen Pfarrer hat das mutmaßliche Opfer, der heute 22-jährige Pierre K., am Mittwoch vor Gericht eingeräumt, dass die sexuelle Initiative vom Pfarrer ausgegangen war. Der Geistliche hätte dem Jungen sogar gesagt, er dürfe nicht über die Tat sprechen. Der Pfarrer behauptet das Gegenteil. Die Initiative sei vom Jungen ausgegangen. Gewalt hätte er nie angewendet.

Es bleibt eine Herausforderung

Die Konstellation „Aussage gegen Aussage“ blieb somit weiter eine Herausforderung für die Kriminalkammer. Am Donnerstag wurde der Prozess gegen den beschuldigten Pfarrer fortgesetzt. Anzumerken ist, dass der Priester viele Unterstützer im Gerichtssaal hatte.

Die vorsitzende Richterin war allerdings von der Richtigkeit einer Bescheinigung, die im Dossier gefunden wurde, nicht überzeugt. Das Attest bescheinigte dem Pfarrer einen guten Umgang mit den Kindern.

In etwas hineingeschlittert

Zwei oder drei Monate vor dem Vorfall hatte sich der Pfarrer bei einer Bistumsbeauftragten gemeldet und ihr berichtet, er sei in etwas hineingeschlittert, wo es zu sexuellen Kontakten kam. Die Bistumsangestellte kannte den Priester seit 2000. Die Zeugin beschrieb den emotionalen Zustand des Pfarrers als „ausgebrannt.“ 2008 hätte sich dieser Zustand verschlimmert, sagte sie. Sie sprach sogar von Selbstmordgedanken des Pfarrers. Die depressiven Neigungen hätten sich auch nach einem zweimonatigen Urlaub nur leicht gebessert. Den Brief des Pfarrers an das Bistum hätte sie auch in den Händen gehabt. Auf die Frage, ob sie auch den Satz im Brief gelesen habe, der folgender Maßen lautete „Ech hu mir dat ze verzeihen, vir un allem wëll de P. mech ugemat huet“ antwortete die Beauftragte, sie habe nur wenig vom Brief in Erinnerung. Auf die Frage von Maître Vogel, ob die Beauftragte etwas über einen sexuellen Missbrauch mit Jugendlichen wüsste, verneinte sie.

Vermeintliche Hexenjagd

Ein anderer Zeuge, ein ehemaliger Professor des Angeklagten, verurteilte die Art und Weise wie mit dem Pfarrer umgegangen worden war. Vor allem, dass der Fall publik gemacht wurde. Das sei tiefes Mittelalter. Man hätte den Pfarrer an den Pranger gestellt und auf ihn gespuckt. Er sei regelrecht vernichtet worden. Er bedauere, dass der Pfarrer sich „einmal“ vergessen habe. Moralisch sei sein Akt nicht zu verteidigen. Der Pfarrer sei aber ein anständiger Kerl, meinte der Zeuge.

Der beste Freund des Opfers gab zu Protokoll, P. hätte ihm einmal gebeichtet, dass er den Verdacht habe, sich mit Aids angesteckt zu haben. P. hatte ihm auch den Vorfall mit dem Pfarrer erzählt und hätte geweint. P. hätte aber offener über die Sexualität gesprochen als andere, sagte der Zeuge. Der Zeuge hatte damals auch bei der Polizei ausgesagt, dass der Pfarrer leichtes Spiel mit P. gehabt habe, denn dieser sei homosexuell. Der Prozess wird am Freitag mit der Vernehmung des Pfarrers fortgesetzt.