LUXEMBURGGERHARD KLUTH

Den vorgestrigen Auftritt der SEL sollte man schleunigst aus dem Gedächtnis löschen

Die Konzerte der Solistes Européens Luxembourg (SEL) zeichnen sich normaler Weise durch ein sehr hohes künstlerisches wie auch technisches Niveau aus. Welch herrliche Abende haben die SEL ihrem Publikum schon im Grand Auditorium der Luxemburger Philharmonie geschenkt.

Dazu wollte der dritte Abend am vorgestrigen Montag der Kammermusikreihe „Camerata“ so gar nicht passen. Verantwortet wird die Konzertserie in der laufenden Spielzeit vom Trompeter Philippe Schartz, der diesmal Barockmusik für Orgel, Trompete und Sopran in den Mittelpunkt gestellt hatte. Vieles blieb bei dem Konzert unverständlich und löste schon beim ersten Werk manche Frage aus. Hierbei handelte es sich um die Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“, BWV 51, von Johann Sebastian Bach, bei der das Orchester durch eine Orgelfassung ersetzt wurde. Daneben standen unter anderem noch Werke von Johann Adolf Hasse, Alessandro Scarlatti und Georg Friedrich Händel auf dem Programm.

Die Philharmonie verfügt im großen Saal über eine Orgel, die allgemein als ein sehr gutes Instrument gelobt wird. Schartz nutzte sie nicht, sondern ließ im Kammermusiksaal ein elektronisches Gerät aufbauen, dessen Klang mit einer Orgel soviel zu tun hatte wie ein 2CV mit einem Rennwagen. Trotz einer beachtlichen Anzahl von Lautsprechern, die auf der Bühne installiert waren, stellte das akustische Ergebnis schlicht eine Zumutung dar. Hinzu kam, dass der deutsche Organist Thorsten Pech, der den Tastenpart übernommen hatte, offensichtlich nur unzulänglich vorbereitet war. An manchen Stellen war sein Spiel sehr unsicher, wies die Trefferquote Mängel auf.

Ähnlichkeiten mit einem Zirkusdirektor sind rein zufällig

Mit der Sopranistin Elena Fink hatte Schartz eine stimmgewaltige Sängerin verpflichtet, die aber besonders bei Bach ihrer Aufgabe nicht gerecht werden konnte. Zu groß war ihre Stimme, sowohl für das Werk als auch für den Saal. Zu wenig beachtete sie, dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen einer Bachkantate und etwa der Rolle der Königin der Nacht gibt. Bei Bach hat gerade bei den Kantaten der Musiker immer eine dienende Funktion gegenüber dem Inhalt.

Sie sind nicht geeignet, sich als Solist in den Vordergrund zu schieben. Hinzu kam, dass Fink manchen Melodieverlauf durch Atempausen unterbrach und damit zerstörte. Warum das Trio den Choral der Kantate wegfallen lies, musste rätselhaft bleiben.

Und auch Schartz selber wurde den Ansprüchen eines Konzertes in der Philharmonie nicht gerecht, wenngleich sein Spiel nahezu tadellos war. Zur Eröffnung des Abends kam er auf die Bühne, spielte das Thema des „Te Deum“ von Marc Antoine Charpentier (auch bekannt als Eurovisionsmelodie) und sagte dann einige Worte zum Konzert, die man auch im Programmheft nachlesen konnte. Der Vergleich mit einem Zirkusdirektor, der die beginnende Vorstellung ankündigt, lag hier nahe. Nein, dieser Abend passte nicht zu dem, was man sonst von den SEL gewöhnt ist.