SAARBRÜCKEN
OLIVER HILT (DAPD)

Saarland erstes deutsches Bundesland mit unabhängigem Pflegebeauftragten

Der designierte saarländische Pflegebeauftragte Nikolaus Schorr spricht sich für eine qualifizierte Ausbildung für Pflegekräfte aus. „Meiner Meinung nach sollte diese Ausbildung drei Jahre dauern“, sagte Schorr im Interview der Nachrichtenagentur dapd.

Der Umgang mit pflegebedürftigen Menschen sei „eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit“, bei der die Pflegekräfte heute zum Teil Aufgaben übernehmen müssten, die früher Ärzten vorbehalten gewesen seien, sagte Schorr. Das könne man den Leuten „nicht in einem Schnellkurs vermitteln“.

Konsequenz aus Skandalin einem Seniorenheim in Elversberg

Die Einrichtung eines unabhängigen Pflegebeauftragten war von der Landesregierung als eine Konsequenz aus dem Skandal in einem Seniorenheim in Elversberg auf den Weg gebracht worden. In der Einrichtung sollen zwei Pfleger Bewohner misshandelt haben, in deren Folge zwei Bewohner vorzeitig verstorben sein sollen. Zweite Konsequenz war die Einberufung eines saarländischen Pflegekongresses, der heute in Saarbrücken zum ersten Mal zusammentritt.

Status wie der Datenschutzbeautragte

Das Gesetz über den Pflegebeauftragten soll demnächst in zweiter Lesung verabschiedet werden, möglicherweise noch in der Dezember-Sitzung des Landtags. In der gleichen Sitzung soll Schorr, der von der Landesregierung für das Amt nominiert wurde, dann vom Landtag gewählt werden. Der ehemalige Arbeitsrichter ist seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Hospizbewegung aktiv.

Die Wahl durch den Landtag halte er für einen „optimalen Weg“, weil dadurch die Unabhängigkeit des Pflegebeauftragten deutlich hervorgehoben werde, sagte Schorr. Dadurch habe der künftige Pflegebeauftragte einen ähnlich unabhängigen Status „wie der Rechnungshof oder die Datenschutzbeauftragte“. Wesentliche Aufgabe des Pflegebeauftragten sei es, eine „breite Akzeptanz und Wertschätzung in allen gesellschaftlichen Bereichen“ zu erreichen. Dies gelte für die Belange der pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen, aber auch für die Belange der in der Pflege Beschäftigten, sagte der designierte Beauftragte.

Im Saarland fehlen bis 20304.800 Pflegekräfte

Mit dem Pflegekongress will Sozialminister Andreas Storm alle am Thema Pflege beteiligten Einrichtungen und Experten an einen Tisch bringen. Nach Ministeriumsangaben werden knapp 300 Teilnehmer erwartet. Im Mittelpunkt des Treffens am heutigen Donnerstag stehen zum einen die Ergebnisse von sechs Arbeitsgruppen, die nach dem Pflegeskandal in Elversberg ins Leben gerufen worden waren. Zum anderen soll es um Schlussfolgerungen aus dem Landesseniorenbericht gehen, demzufolge die Zahl der Pflegebedürftigen im Saarland bis zum Jahr 2030 um etwas mehr als ein Drittel auf dann voraussichtlich rund 40.000 steigen wird. Einer Bertelsmann-Studie zu Folge werden bis dahin im Saarland etwa 4.800 Pflegekräfte fehlen.