LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Vor zehn Jahren wurde die „Fondation de Luxembourg“ gegründet, die das heute Abend feiert - Wie sie sich entwickelt hat und was sie für Luxemburg bedeutet, erklärt Generaldirektorin Tonika Hirdman

Vor zehn Jahren wussten viele nicht, was das soll: Eine Dachstiftung. Genau das sollte die „Fondation de Luxembourg“ sein, die damals vom Luxemburger Staat und dem „Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte“ gegründet wurde. Sie war angekündigt als eine Institution, die in Luxemburg noch fehlte. Seit der ersten Stunde leitet Tonika Hirdman die „Fondation“, die heute stolz auf ihre Bilanz blicken kann.

„Damals gab es in Frankreich die „Fondation de France“ und in Belgien die „Fondation Roi Baudouin“, mit denen wir bis heute gut zusammen arbeiten. Wir wollten es durch unsere Gründung Stiftern hier in Luxemburg einfacher machen. Zu der Zeit sprach ja kaum jemand über Stiftungen. Die Leute hatten Ideen, aber es fehlte an Möglichkeiten, das umzusetzen“, erinnert sich Hirdman. „Durch den Bankenplatz hatten wir die Chance, die Leute hierher zu holen.“

Sie sieht in den Dachstiftungen der Nachbarländer eher Partner als Konkurrenten. Genau wie im Ausland bietet auch die „Fondation de Luxembourg“ Stiftern an, ihnen Arbeit wie Schriftverkehr oder Verwaltungsakte abzunehmen. Dennoch gibt es Unterschiede zu den Dachstiftungen der Nachbarländer, die über bedeutend mehr Mittel verfügen. „Sie können wegen dieser Mittel auch eigene Projekte durchführen, während wir hier sind, um die Gründer zu unterstützen. Daher gab es auch nie Zweifel an unserer Unabhängigkeit“, erläutert die Generaldirektorin. Der zweite Unterschied ergibt sich durch die Größe der Länder. Frankreich und Belgien sind größer, daher stammen die Stiftungen dort in der Regel von Einheimischen. „Bei uns entfällt etwa die Hälfte der Stiftungsgründungen auf Luxemburger, die andere auf Ausländer, meist Deutsche, Belgier oder Franzosen“, erklärt Hirdman.

Ihr liegt viel daran, Philanthropie zu professionalisieren. „Früher schon war man in Luxemburg großzügig, aber meist mit dem Scheckheft“, erzählt sie. „Wir wollen die Organisationen, mit denen wir zusammen arbeiten, bewerten und überwachen, damit die Projekte auch klappen.“ Das ging nicht immer gut, aber Hirdman und ihr Team lernten daraus. Als ein Partner Namibia, wo eine Stiftung aktiv war, verließ, griffen sie auf ein lokales Netz zurück, das im Land bleibt. Auch eine Scheidung brachte ein Projekt mal zum Platzen. Jetzt weiß die „Fondation de Luxembourg“ mit solchen Fällen umzugehen.

Angesichts des anhaltenden Niedrigzinses ist es Hirdman wichtig, die Kosten im Blick zu haben, damit das Stiftungskapital auch für das Anliegen reicht. „Die Situation ist eine Herausforderung“, sagt die ehemalige Bankerin. „Vor 15 Jahren hätte man leicht fünf Prozent am Markt erhalten, heute ist das nicht drin. Daher gehen wir mehr Risiko ein. Darüber hinaus können die Stiftungen fünf Prozent des Kapitals als Ausgleich nutzen.“

Große Feier zu Ehren der Fondation heute Abend

Um die zehn Jahre gebührend zu feiern, will die „Fondation de Luxembourg“ auf der Konferenz am heutigen Abend im alten Arbed-Verwaltungsgebäude an der „Avenue de la Liberté“ jene sprechen lassen, die sie ausmacht: Die Gründer. Zu Wort kommen so unterschiedliche Stifter wie jene der Stiftung Prairial, die sich in der Solidarwirtschaft engagiert, der Stiftung Pierre Werner, die Stipendien für Doktoranden finanziert, sowie die Stiftung „Education and Integration for all“, die vor allem Waisenkindern in Namibia hilft, aber auch hierzulande Menschen integrieren will. Für die musikalische Untermalung sorgt eine Harfenspielerin, die ein Stipendium von der „Fondation Michelle“ erhalten hat. Ein Interview mit einem Stipendiaten der „Fondation Enovos“ rundet den Abend ab. Die Schlussworte des Festaktes vor dem Cocktail spricht Finanzminister Pierre Gramegna.

„Die Gründer haben sich nicht gedrängt, um beim Festakt im Vordergrund zu stehen. Viele sind diskret und handeln wirklich aus persönlicher Überzeugung“, freut sich Hirdman. Sie freut sich, dass nun anders als in den Anfangsjahren immer mehr Luxemburger unter den Gründern sind. „2018 wurden von elf Stiftungen, die in diesem Jahr gegründet wurden, acht von Luxemburgern initiiert. Das ist bemerkenswert.“ Insgesamt wurden under dem Dach der „Fondation de Luxembourg“ 80 Stiftungen gegründet. Einige hatten oder haben ein zeitlich begrenztes Ziel, wodurch sich Schwankungen ergeben. Das Mindestkapital sind 250.000 Euro. „Wer in Luxemburg ein Haus erbt, ist schnell bei diesem Betrag“, gibt Hirdman zu bedenken. Die Gründer haben kein einheitliches Profil, sagt sie. Das ältere Paar, das keine eigenen Kinder hat und etwas Gutes für die Gesellschaft tun will, ist ebenso darunter wie die Familie mit Kindern, die meist Anfang bis Mitte 20 sind und oft selbst viele Ideen einbringen. „Dazu kommen Unternehmen, die durch eine Stiftung oft die Kontinuität eines Engagements sicherstellen wollen“, stellt Hirdman fest. Oft sind die Gründer sehr aktiv dabei und kümmern sich.

Die Generaldirektorin fühlt sich durch die Erfolge der Vergangenheit bestätigt. Nur eines macht ihr Sorgen. Die wachsende Zahl der Stiftungen geht mit viel Arbeit einher. „Wir sind wirklich ein kleines Team, da ist das nicht immer einfach“, bemerkt sie. „Auch, wenn es natürlich toll ist, dass wir so stetig wachsen.“

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