LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Dreamland“ und „Cuentos del Rio“: zwei Produktionen von Calach Films auf VOD.lu

Durch die Corona-Krise haben sich etliche luxemburgische Filmproduzenten entschlossen, ihre Filme auf VOD.lu anzubieten. Calach Films bietet zwei Filme an, die auf dem letzten „Luxembourg City Film Festival“ programmiert waren: „Dreamland“ von Bruce McDonald und „Cuentos del Rio“ von Julie Schroell. Die Premiere von Schroells Film konnte allerdings wegen des Abbruchs des Festivals nicht stattfinden.

Theater am Fluss

Julie Schroell drehte 2007 ihren ersten Dokumentarfilm „100 Joer Jeunesse Esch - E stoarkt Stéck Minett“. 2011 folgte ein weiterer Dokumentarfilm, „De Bauereblues“. Ihr neustes Dokument „Cuentos del Rio“ (Raconte-moi le fleuve) wurde 2018 in Nicaragua gedreht und spielt am Fluss San Juan. Der Film beginnt mit einem Schriftzug, auf dem erklärt wird, dass Hernán Cortés 1524 dem spanischen Kaiser Karl V. schrieb, dass es einen Fluss gibt, der den Pazifischen Ozean mit dem Atlantischen verbindet. Dieser verläuft an der Grenze von Nicaragua zu Costa Rica. 2014 erhielt ein chinesischer Geschäftsmann die Erlaubnis, den Fluss zu einem schiffbaren Kanal auszubauen.

Dann widmet sich die Regisseurin einem ganz anderen Thema. Yemn Jordan Taisigüe López lehrt Sozialwissenschaften an einer Universität. Da sich niemand für dieses Fach eingeschrieben hat, nutzt er die Zeit, um seine Familie im Dorf El Castillo zu besuchen, das am Fluss liegt. Mit den Kindern des Dorfes beginnt er ein Theaterstück zu proben, das die Geschichte des Landes behandelt.

Die Bilder der Proben des Theaterstücks sind der Hauptbestandteil des Films. Aber man sucht vergeblich nach interessanten und universellen Aspekten. Das Ganze plätschert so wie der Fluss dahin, ohne dass irgendetwas Spezielles geschieht, das den Zuschauer interessieren könnte.

Gerichtsgebäude wird zum Palast

Der kanadische Regisseur Bruce McDonald realisiert vornehmlich Fernsehserien und -filme. 2008 drehte er den Horrorfilm „Pontypool“, der zum Kult wurde und bei dem es um ein tödliches Virus geht. Sein neuester Film „Dreamland“ ist eine kanadisch-belgisch-luxemburgische Koproduktion, die auf Luxemburger Seite von Jesus Gonzalez-Elvira (Calach Films) mitfinanziert wurde. Während des LuxFilmFest lief ein zweiter Film mit demselben Titel, den Miles Joris-Peyrafitte gedreht hat. Der Großteil der Außenaufnahmen entstand in Luxemburg, wo das Gerichtsgebäude auf dem Heilig-Geist-Plateau zu einem Palast umfunktioniert wurde, in dem eine Gräfin (Juliette Lewis) und ihr Bruder (Tómas Lemarquis), ein Vampir, leben. Zusammen mit weiteren Szenen aus Charleroi wurde das Ambiente zu einem „Dreamland“, in dem alles surrealistisch zugeht.

Am Anfang des Films killt Johnny (Stephen McHattie) ein paar Leute, brennt den Tatort nieder, ein Auto, und rapportiert die Tat seinem Auftraggeber Hercules (Henry Rollins), der etliche junge Mädchen gefangen hält. Eine von ihnen, Olivia (Thémis Pauwels), soll den Grafen heiraten. Hercules verlangt, dass Johnny den kleinen Finger von einem Star-Trompeter (auch McHattie) abschneidet, der bei der Hochzeit auftreten soll. Als Olivias Bruder Dario (Morgan Csarno-Peklar) Johnny um Hilfe bittet, zeigt sich die gutherzige Seite des Auftragsmörders. Er versucht zu helfen. Zudem bringt er es nicht übers Herz, den Trompeter um seinen Finger zu erleichtern.

Einige Szenen, wie der Anfang, ein Streit in Hercules’ Büro und der Showdown im Palast, sind relativ hart. Doch nutzt der Regisseur diese Gewalt im Zusammenhang mit den komplett surrealen Figuren nicht konsequent aus. Die einzelnen Charaktere und der pädophile Hintergrund bieten viel Potenzial für einen Film mit Horrorelementen. Somit bleibt die Geschichte alles in allem recht brav. In Nebenrollen spielen unter anderem Eugénie Anselin, Brigitte Urhausen, Gintare Parulyte, Astrid Roos und Hana Sofia Lopes.