LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Nathalie Galampoix hat lange Unternehmen beraten - und jetzt ihren Gastro-Traum verwirklicht

Nathalie Galampoix berät schon lange Unternehmen. Seit drei Monaten aber kümmert sie sich vor allem um den „Planet Pizza“ im Bonneweg, den sie übernommen hat. Hier gibt es eine Auswahl an Pizzen, aber auch Nudeln, Tapas, Fajitas und Hühnchen. Das „Journal“ hat sie gefragt, woher der Appetit auf den Wechsel kommt und welche Erfahrungen sie bis jetzt gemacht hat.

Warum betreiben Sie eine Pizzeria? In Ihrem Beruf als Beraterin sind Sie doch erfolgreich.

Nathalie Galampoix Das liegt an meinen Eltern! Ich bin in Metz als Kind eines Italieners und einer Französin aufgewachsen. Meine Eltern hatten erst ein Café und dann eine Gastwirtschaft und ein Restaurant. Ich bin in dieser Atmosphäre groß geworden. Vor zehn Jahren, als ich mit meinem Mann in Paris war, habe ich schon eine erste Erfahrung mit der Gastronomie gemacht. Dort hatte ich eine Trattoria namens „Al dente“ eröffnet. Es gab frische italienische Speisen, das lief vier Jahre lang gut. Dann haben uns die beruflichen Wege nach Metz geführt, wo ich Karriere im Verkauf gemacht habe und in Bereichen wie Automobil und Sicherheit tätig war. 2009 sind wir nach Luxemburg gezogen und 2012 habe ich ISM Conseil eröffnet. Das ist eine Unternehmensberatung. Ich mache das immer noch, aber jetzt nur noch montags, sonst schaffe ich es nicht. Mir war schon klar, dass ich wieder in den Bereich Gastronomie wollte. Seit drei Monaten zieht jetzt Planet Pizza seine Bahnen.

Eine Pizzeria klingt nicht sehr innovativ. Was machen Sie anders?

Galampoix Wir haben die Karte neu gemacht, auch physisch, auf Umweltpapier. Ich beziehe jetzt Fleisch und Hühnchen von lokalen Anbietern. Wir setzen konsequent auf Qualität. Zweimal täglich bereiten wir den Pizzateig frisch zu, auch mit Mehl aus Luxemburg. Vorher gab es hier auch einen Pizzeria, allerdings mit einem anderen Ansatz. Wir haben schon die erste positive Resonanz von Kunden. Allerdings schlägt sich das auch preislich nieder. Manche Schüler, die früher herkamen, finden es jetzt zu teuer. Bei der Lieferung setzen wir stark auf Dienste wie foostix.com. Immerhin liefern wir 80 Prozent der verkauften Pizzen und Burger aus. Den Lieferbereich habe ich aus Kostengründen auch umorganisiert. Ich kann keine Pizza für zwölf Euro bis in den Ösling liefern. Das muss sich rechnen.

Wie sehen Ihre Arbeitstage aus?

Galampoix Im Moment habe ich gefühlte 70-Stunden-Tage - aber das geht natürlich nicht ewig. Physisch ist das ein echtes Abenteuer. Am Schlimmsten ist es abends um 19.00, wenn alle anrufen. Ich stehe um 6.00 auf und gehe um Mitternacht ins Bett. Loslassen geht in der Anfangsphase nicht. Es ist eine enorme Herausforderung. Jetzt haben wir das erste Event bei einer Kanzlei, da will natürlich vor Ort sein. Diesen Bereich mit Catering für Unternehmen wollen wir ausbauen. Aber jeden Montag führe ich noch meine Unternehmensberatung weiter, das ist momentan mein Ruhepol. Wenn es ganz schlimm ist, helfen meine beiden Söhne und mein Mann auch mal mit. Sonst ginge das auch nicht.

Pizza und Burger - das klingt nach einer merkwürdigen Mischung.

Galampoix Das hat sich historisch ergeben und wird weiter stark nachgefragt. Wir arbeiten jetzt an der Qualitätssicherung. Dann wollen wir expandieren. Ich bin 51 und kann nicht ewig warten. Aufgrund meiner Lebenserfahrung kann ich jedoch die Situation gut einschätzen. Im ersten Semester 2017 sollte es ruhiger laufen. Dann kann ich mich um weitere Themen wie die Weinkarte kümmern. Denn wir verkaufen auch viel Wein.

www.planetpizza.lu