NIC. DICKEN

Einem Hinweis des Nachhaltigkeitsministeriums zufolge werden in einigen Wochen die neuen „Plans Sectoriels“ vorgestellt, mit denen die zukünftige funktionelle Organisation des nationalen Territoriums festgeschrieben werden soll. Es bleibt zu hoffen, dass diesem Unterfangen ein nachhaltigeres Schicksal beschieden bleibt als es für die zahlreichen Vorläufer der Fall war, die seit Ende der 70er Jahre immer wieder für kurzes Aufhorchen gesorgt, anschließend aber mit schöner Regelmäßigkeit in der Versenkung verschwunden sind. Der letzte Anlauf auf dem Gebiet einer umfassenden Landesplanung, der bereits 2002 mit dem „Integrativen Verkehrs- und Landesplanungskonzept“ (IVL) genommen und über ein Jahrzehnt hinweg kaum vorangebracht worden war, wurde nach einer forcierten Initiative der neuen Regierungsmannschaft 2015 fallen gelassen aufgrund massiver Proteste aus unterschiedlichen Interessenkreisen in Luxemburg. Während die neuen „plans sectoriels“ sich weitgehend an die bereits zuvor erbrachten Vorleistungen anlehnen dürften, kommt man an der Feststellung nicht vorbei, dass schon wieder ein halbes Jahrzehnt vergangen sein wird, bevor die erforderliche öffentliche Konsultierung und Konzertierung zu einem Abschluss gebracht werden kann. Die nach wie vor dynamische Entwicklung von Wirtschaft und Demografie bringen mit sich, dass sich die Basisdaten in der Zwischenzeit weiter verändert haben. Die Einigung auf ein tragfähiges Konzept, das den Ansprüchen von Natur- und Umweltschutz, Wohnungsmarkt, öffentlichem Transport und sozialem Zusammenhalt gerecht werden soll, hat sich damit keineswegs erleichtert.

Zuletzt machten die Verantwortlichen von „Natur an Ëmwelt“ in der vergangenen Woche auf ein bedenkliches Schrumpfen der Biodiversität aufmerksam und forderten als Hilfsmaßnahme u.a. eine Konzentrierung auf drei nationale Kernzonen, die konsequent ausgebaut würden, während die ländlichen Regionen weiträumig als Schutzzonen für den Erhalt der Biodiversität reserviert bleiben sollen. Ungenügendes und dadurch überteuertes Wohnungsangebot in diesen drei - na ja: - „Ballungsgebieten“ wird auch weiterhin dafür sorgen, dass der Druck auf die kurz- und weiträumigen Randgebiete anhalten und damit angesichts sub-optimaler Verkehrsanbindung auch der Individualverkehr weiter zunehmen dürfte.

Die Neuausrichtung der Gemeindefinanzierung auf die Einwohnerzahl wird viele Landgemeinden weiter in Bedrängnis bringen, gerade auch wenn sie ein besonderes Gewicht auf die Erhaltung einer natürlichen Umwelt legen wollen. Die Barrieren für diese Gemeinden im Bereich der neu zu erstellenden „plans d’aménagement généraux“ (PAG) sprechen jetzt schon Bände. Es kann ja nicht sein, dass die einen alle Mittel vereinnahmen, während die anderen Pendlerströme und Einschränkungen über sich ergehen lassen müssen ohne angemessene Gegenleistungen.

Daraus wird ersichtlich, dass jede irgendwie geartete Neuorganisation weit über reine Planungsarbeit hinausgeht und zahlreiche andere Aspekte Berücksichtigung erfahren müssen. Auf einem florierenden, nur knapp 2.600 km² großen Territorium sollte eigentlich eine genau so klare wie rücksichtsvolle und gerechte Planungsarbeit möglich sein.