LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Mevlüde-Aysun Tokbag sieht „Wildgen4women“ in der Konsolidierungsphase und wünscht sich eine Plattform, auf der alle Initiativen für Frauen übersichtlich ihre Termine ankündigen

Vor drei Jahren gründete Mevlüde-Aysun Tokbag, Partnerin in der Kanzlei Wildgen, mit anderen die Initiative „Wildgen4women“. Wir haben nachgefragt, was aus dem Netzwerk zur Unterstützung von Frauen mittlerweile geworden ist.

Frau Tokbag, Wildgen4women gibt es jetzt schon eine kleine Weile. Was haben Sie in der Zwischenzeit erreicht?

Mevlüde-Aysun Tokbag Wir haben die Initiative vor drei Jahren gemeinsam mit unseren Partnern gegründet. Dazu gehört die Asian University for Women, die Adem, die Fondsfrauen und die „Charte de la diversité Lëtzebuerg“. Ich stelle allgemein fest, dass es in Luxemburg mehr Angebote im Bereich Frauennetzwerke gibt, und diese sich auch weiter häufen, aber leider keine Übersicht oder eine Plattform, die eine Zusammenarbeit gewährleisten und alle Termine und Angebote zusammenfasst. Dabei tut sich viel.

Wir als Kanzlei haben bislang einiges gemacht, rund fünf bis sechs Termine jährlich bis jetzt. Das reicht von Terminen mit der Adem, Firmenauftritten beispielsweise bei ArcelorMittal und anderen Unternehmen, Get together bis zu unseren regelmäßigen Rundtischgesprächen zu aktuellen Rechtsentwicklungen. Neben der sozialen Ader unserer Initiative ist letzteres natürlich unser Kerngeschäft - die Rechtsberatung.

Gab es konkrete Veränderungen an Ihrem Arbeitsplatz?

Tokbag Ja, allein schon dadurch, dass wir mittlerweile auch auf Partnerebene einen Frauenanteil von 50 Prozent erreicht haben. Wir versuchen, unsere Ideen aus der Initiative auch hier in der Kanzlei zu leben. Ich bin selbst junge Mutter und daher - so denke ich zumindest - auch eine gute Ansprechpartnerin für andere hier im Haus, die in der gleichen Situation sind.

Als Arbeitgeber setzen wir sehr auf Flexibilität. Wir unterstützen soweit wie möglich Familie und Beruf. Es ist nicht immer leicht - aber machbar. Viele Faktoren spielen hier eine Rolle. Wir versuchen das Maximum an Flexibilität unseren Mitarbeitern zu geben. Home office ist nur ein Beispiel. Teilzeit auch. Teilzeit ist schon umstritten, in der heutigen Zeit der mobilen Kommunikation birgt es darüber hinaus aber auch Gefahren.

Ich warne immer davor, sich aus unserem Berufsleben zu weit zu verabschieden, weil es auf juristischer Ebene ständig Änderungen gibt und es ist wirklich schwer, sonst damit Schritt zu halten. In anderen Bereichen mag es einfacher sein. Allgemein gilt die Faustregel: Je höher eine Frau in der Hierarchie ist, desto schneller kommt sie wieder in den Beruf zurück.

Sie unterstützen aber auch gezielt junge Frauen?

Tokbag Wildgen S.A. als Kanzlei ist vor kurzem eine Partnerschaft mit dem türkischen Kulturverein Luxemburgs (ACTL) eingegangen, genauer gesagt mit dem Ladies Club dieses Vereins. Dessen Hauptziel ist die Unterstützung von Bildungsprogrammen für Mädchen in der Türkei. Gemeinsam mit dem Ladies Club und dem Türkischen Verein zur Unterstützung Modernen Lebens, dem Çagdas Yasami Destekleme Dernegi, unterstützen wir eine bestimmte Anzahl Mädchen pro Semester finanziell bei ihrer Schulbildung. Unsere türkischen Partner achten darauf, dass vor Ort alles nach den von uns gewünschten Standards abläuft. Unser Wildgen4Children-Programm besteht darüber hinaus natürlich auch noch.

Ferner will ich aber auch auf unsere Aktionen mit der Adem hinweisen. Dabei geht es darum, qualifizierte Frauen aus dem Finanzbereich mit oder ohne Hochschulbildung, die arbeitslos sind, zu unterstützen. Wir waren sehr erstaunt, als wir feststellten, wie viele dieser Frauen es gibt. Für sie organisierten wir Mentoring-Programme und informieren sie bei Bedarf über die Rechtslage. Pro Bono natürlich. Solche Termine sind auch gut, um das Selbstbewusstsein der Betroffenen zu stärken.

Wir hoffen, weitere Aktionen dieser Art in 2020 fortzutreiben. Denn Idee unserer Initiative ist eben das Learning, Leveraging und Leading - ein Kreis, der geschlossen werden und dann stets weiter laufen soll.

Wie erleben Sie Unterschiede im Verhalten zwischen Frauen und Männern?

Tokbag Ein Beispiel: Seit rund drei Jahren führen wir alle zwei bis drei Monate Roundtables für Frauen zu spezifischen Rechtsgebieten durch. Meine Partner-Kolleginnen und ich veranstalten diese Events je nach unseren Rechtsbereichen. Da kommen dann rund 25 Teilnehmerinnen aus der Finanzwelt zusammen. Wenn Männer bei vergleichbaren Terminen aus unserem Haus anwesend waren oder bei externen Events, waren Frauen in der Regel sehr zurückhaltend und fragten fast nichts. Bei unseren „women only“-Events, aber auch den anderen auf dem Markt, sieht es anders aus. Das läuft viel lebhafter ab und es gibt viele gute Diskussionen. Man stellt fest: Frauen unter Frauen fragen anders als Männer. Sie gehen die Themen anders an. Das macht uns natürlich Spaß.

Welche Wünsche haben Sie?

Tokbag Bei den großen Organisationen und Verbänden in Luxemburg wäre ein Engagement von mehr Frauen wünschenswert. Nehmen wir als Beispiel die Alfi und oder die ABBL. Insbesondere diese großen Player bei ihren großen Events könnten ermäßigte Tickets für Studentinnen anbieten. Sofern die Firma die Kosten nicht trägt, ist für eine junge Frau die Teilnahme kaum zu schaffen. Die Lpea hat vor kurzem den Frauen-Blick zumindest gestartet. Wir sind guter Dinge bei den anderen Organisationen. All in all: Wir würden uns ferner insgesamt über differenziertere Angebote freuen, die auch - nur - Frauen berücksichtigen.

Was planen Sie noch?

Tokbag Am 21. November, zum Mittagstisch, steht unser jährliches Roundtable wieder an, wo alle unsere Frauen-Partner einen Tisch in ihrem Spezialgebiet hosten. Aus den letzten Jahren wissen wir :die Plätze sind heiß begehrt, das Event insgesamt laut. Bei knapp 50 bis 60 Frauen in einem Restaurant auch kein Wunder. Ich persönlich freue mich auf das Event, wo auch die Agenda unserer W4W Initiative für 2020 vorgestellt wird.

Darüber hinaus wollen wir die Zusammenarbeit mit anderen Frauen-Initiativen gern enger verzahnen. Es sollte irgendwie eine Konsolidierung aller Vereinigungen geben - nur so kann man aus unserer Sicht mehr - das Maximum - erreichen. Denn es gibt sehr viel auf dem Markt - aber man kriegt gar nicht immer alles mit. Mal sehen was 2020 in diesem Sinne bringt. Es laufen diverse Ideen und Gespräche.