LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Eliane Fuchs und Nicole Avez-Nana erzählen, was „Femmes Leaders Luxembourg“ Neues machen - und blicken auf zehn Jahre Vereinsgeschichte zurück

Anfang Juli haben sie Geburtstag gefeiert mit mehr als 200 Gästen: „Femmes Leaders Luxembourg“ (FLL) ist einer der ersten Verbände zur Förderung der Interessen von berufstätigen Frauen in Luxemburg. Aber die Ziele und Ansprüche haben sich verändert, wie Präsidentin Eliane Fuchs und Nicole Avez-Nana aus dem Vereinsvorstand berichten. Mittlerweile gibt es viel mehr Vereine für Frauen - und neue Pläne für die eine Talent-Plattform der FFL.

Frau Fuchs, vor zehn Jahren waren Sie das Gesicht der „Personal Officers Group“, der POG in Luxemburg. Aber dann sind sie zur frisch gegründeten FFL gewechselt, deren Präsidentin Sie heute sind. Warum?

Eliane Fuchs Nicole Avez-Nana und Clara Moraru haben mich damals angerufen. Ich war zu dem Zeitpunkt Direktorin einer Bank und Präsidentin der POG. Den Anruf fand ich komisch. Was geht mich das an, dachte ich. Für Frauenfragen fühlte ich mich nicht kompetent. Das lag bestimmt auch daran, dass ich jahrelang in einer Bank und als Wirtschaftsprüferin fast ausschließlich mit Männern gearbeitet habe. Ich war es so gewohnt, dass ich dachte, ich kann über die Situation der Frau nicht gut kommunizieren. Nach zwei Wochen habe ich mich aber dann doch dazu entschieden. Mein Verhalten ist nicht untypisch, denke ich heute. Alle Frauen zweifeln immer an sich und ihren Kompetenzen. Doch dann dachte ich: Warum nicht?

Nicole Avez-Nana Und wir haben uns gefreut! Wir wollten Eliane unbedingt dabei haben, weil sie die Glaubwürdigkeit des Verbandes erhöht hat. Wir wollten Leute, die unsere Werte teilen. Und ein Kopf mehr bringt natürlich auch viel mehr Ideen mit. Eliane war das Puzzleteil, das uns noch fehlte. Anfangs waren noch Eva Ferranti, Emmanuelle Saint-Medar und Clara Moraru unter den Gründerinnen.

Was hat sich in den zehn Jahren verändert?

Fuchs Einige Gründungsmitglieder sind nicht mehr dabei, vor allem aber haben sich unsere Ziele bewegt. Das ist ja auch normal. Heute gibt es kein Herumreden um den Brei mehr. Die Frauen, die hierher kommen, wollen nicht Visitenkarten fürs Geschäft austauschen. Hier geht es um Leute und Werte. Beziehungen und Vertrauen sind sehr wichtig. Außerdem ist der Kontext anders. Damals gab es viel weniger Frauenverbände und da für viele unsere Mitglieder der Unternehmerinnenverband nicht passte, waren wir eine willkommene Struktur. Viele Frauen dachten damals, sie müssten sich alleine schlagen. Aber tatsächlich gleichen sich die Situationen. Diese Erfahrung zu teilen hat etwas Magisches. Aber es geht nur, wenn es keine Hintergedanken gibt.

Was sind Ihre Ziele heute?

Avez-Nana Unsere Vision ist ein Teilen von Verantwortung und Einfluss zwischen Frauen und Männern. Wir wollen Führungsmöglichkeiten für Frauen aufzeigen und ihr Engagement in Politik und Wirtschaft unterstützen. Darüber hinaus setzen wir uns für Weiterbildung von Frauen ein. Unsere Mitglieder sind Frauen mit leitenden Positionen auf allen Ebenen und in allen Branchen. Für die veranstalten wir beispielsweise jedes Trimester thematische Frühstücksveranstaltungen zu Themen wie „öffentlich Auftreten“ oder „Führungsverhalten stärken“. Aber wir haben auch Abendveranstaltungen wie Diskussionen zu Themen rund um Führungskraft und Frauen. Darüber hinaus bieten wir richtige Weiterbildungskurse im Rahmen unserer Leadership Academy an.

Das klingt abstrakt. Was ist mit den konkreten Problemen der Mitglieder?

Fuchs Eine junge Frau hat mir erzählt, ihr Chef würde immer nur auf ihr Äußeres achten und ihre Kompetenzen nicht sehen. Ich habe ihr geraten, mit ihrem Chef zu reden, aber ihr auch von mir erzählt. Ich kenne das gut. Ich war 15 Jahre lang in der Bank und im Prüfungswesen immer sehr strikt gekleidet und habe mich bei der Auswahl von meinem Mann beraten lassen. Erst danach habe ich den Stil etwas gelockert. Die Kollegen haben darauf nicht reagiert - aber mein Mann musste sich erst daran gewöhnen (lacht)!

Avez-Nana Unsere Leadership Academy ist auch sehr konkret. Wir holen Schulungsleiter von außen. Seit 2016 gibt es die „Success Academy“, denn die Frauen wollen Folgeveranstaltungen. Wir sind sehr in der Praxis und wollen keine Bücher abbilden. Beispielsweise hatten wir ein Seminar mit einem Pferdetrainer. Da musste eine Frau in der Mitte der Halle stehen und ein Pferd dazu bringen, außen im Kreis zu laufen - ohne irgendwelche Hilfsmittel. Anfangs kam das Pferd in die Mitte und prustete die Probandin an. Aber am Ende haben alle gemerkt, wie sie sich durchsetzen müssen. Und wir planen mehr.

Welche Neuheit schenken Sie sich zum 10. Geburtstag?

FuchsGestern haben wir unsere Talent-Plattform vorgestellt. Jede Frau hat Talente, die sie teilen kann. Das ist eine neue Idee, bei der wir gemeinsam das vorhandene Potenzial nutzen. Wenn man teilt, geht es mit dem Lernprozess viel schneller. Das kann sogar Blockaden lösen.

In den vergangenen Monaten sind viele neue Netzwerke für Frauen entstanden. Wie erklären Sie sich das?

Avez-Nana Die Frauen sehen, dass das wichtig ist. Ich erinnere mich noch gut, wie sauer die damalige Gleichstellungsministerin Hetto-Gaasch angesichts unserer Gründung war. Sie wollte einen Verein für alle Frauen. Aber Frauen haben ganz unterschiedliche Synergien und Bedürfnisse. Ein Verein wäre unmöglich. Und diese Bedürfnisse treten immer deutlicher hervor. So erklärt sich die Gründung von WIDE, den Fondsfrauen oder verschiedenen Netzwerken für Juristinnen. Den Unternehmerinnenverband FFCEL gibt es ja schon lange. Diese Entwicklung ist gut, denn so kommen Frauen weiter. Wir arbeiten mit einigen wie der FFCEL oder dem „Women´s International Network“ zusammen und laden auch andere ein oder werden eingeladen, beispielsweise vom Economist Club oder der POG oder auch von Unternehmen. Deutlich wird, dass auch immer mehr Männer für Frauen im Job sind.