Ab März werden in der US-Ausgabe des Playboy keine nackten Frauen mehr abgedruckt. Das Unternehmen hofft dadurch, mehr Hefte zu verkaufen. Das Schlimme: Das könnte klappen.
Als im Dezember 1953 die erste Ausgabe des Playboy erschien, war es für Marilyn Monroe fast schon Routine, sich auszuziehen. Ein Jahr vorher war ein Kalenderblatt mit ihr auf den Markt gekommen, auf dem sie nackt auf rotem Samt posierte. Doch für die Presse und die Gesellschaft war die nackte Monroe eine sexuelle Revolution auf Papier. Nun endet diese.
Ab kommendem März werden in der US-Ausgabe des Playboy keine nackten Frauen mehr abgedruckt, sondern nur noch „sexy“ und „verführerische“ Bilder von Frauen. Das Ganze geht einher mit einer Überarbeitung des Heftes. Als Begründung gibt das Unternehmen auf ihrer Website unter der Überschrift „Playboy is Doing What?!?“ lediglich an: „times change“.
Dramatischer Auflagenverfall und digitaler Erfolg
Was sich auf jeden Fall ändert, und zwar drastisch, ist die gedruckte Auflage. 2013 lag sie noch bei 1,25 Millionen. Aktuell liegt sie bei 800.000. Ganz anders die Webseite. Nach einem Relaunch vor gut einem Jahr hat sich die Besucherzahl vervierfacht und das Durchschnittsalter der Leser sank von 47 auf 30 Jahre. Weshalb?
Die Seite wurde „safe-for-work“ gemacht, ohne nackte Frauen. Diesen Erfolg möchte Playboy Enterprises nun auf das Heft übertragen. Das heißt aber nicht, dass das Unternehmen mit Nacktheit kein Geld mehr verdient, sie wurde bloß auf digitale Bezahlkanäle ausgelagert. So gibt es etwa auf playboyplus.com ab zehn Euro im Monat Videos und Fotos zu sehen, wie sie freizügiger nie im Heft waren. Und auf playboytv.com wird gar mit Pornoclips verdient.
Von all dem unbeeindruckt ist der deutsche Playboy. Chefredakteur Florian Boitin sagt: „Auf die Ausrichtung und die Gestaltung des deutschen Playboy hat die Entscheidung der Amerikaner keinen Einfluss.“
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Prüde Bunnys: ein Kommentar
Was das tiefpuritanische Amerika in 62 Jahren nicht geschafft hat, erledigt der Playboy nun selbst: er zensiert sich, er wird keusch. Ab März werden keine nackten Frauen mehr in der - und nur in der - US-Ausgabe abgedruckt. Der wahre Grund dafür ist allerdings noch schlimmer als eine Kapitulation vor der Prüderie: Geld.
Das Heft verkauft sich immer schlechter, nun denken die Amis, sie könnten mit weniger nackter Haut mehr Papier verkaufen. Auch schlimm: Das könnte klappen. Mit der Webseite hat Playboy Enterprises das vorgemacht.
Die Verantwortlichen versuchen die Entscheidung zu rechtfertigen. Sie reden von Zeiten, die sich ändern, und dass es heute ja Nacktheit und Sex auf Mausklick überall im Internet gebe. Und überhaupt gehe und ging es ja immer schon um Unterhaltung für Männer im Allgemeinen beim Playboy. Der Punkt ist: Das ist alles richtig, für schöne nackten Frauen alleine kauft schon seit Jahrzehnten niemand mehr ein Heft wie den Playboy, doch es ist kein Grund, dem Playboy seine - pardon - Eier abzuschneiden.
Der Playboy war nie vulgär, nie pornografisch. Das nackteste, das zumeist zu sehen war, war eine nackte Brust. Diese Ästhetik verschwindet nun. Und sie wird nicht zu ersetzen sein, durch die schönsten Fotos, denn sie werden begleitet werden von einem schalen Beigeschmack.




