NEW YORK
BOB DIESCHBURG

Edward Steichen Awards in New York: Die Preisträger Daniel Wagener und Esther Hovers wurden am Mittwoch im Luxemburger Konsulat geehrt

Im Jahr 2004 rief die „Edward Steichen Association“ zum ersten Mal ein biennales Preisausschreiben ins Leben, das dem künstlerischen Erbe des großen Fotografen gewidmet ist. Es verdankt sich der Initiative von Diplomat und Hobbymaler Hubert Wurth, der in Zusammenarbeit mit Joanna Steichen das Projekt einer vier- beziehungsweise sechsmonatigen Residenz erarbeitete, das Jungtalente der visuellen Kunst und Medien in die Vereinigten Staaten führt. Als Höhepunkt gilt dabei die Auszeichnung der Laureaten, die 2018 zum ersten Mal in New York stattfand und mit Daniel Wagener und Esther Hover zwei vielversprechende Künstler aufweist.

New York als Spielplatz

Die Initiatoren der Awards hatten Steichen als Brückenbauer gesehen und im Sinne der „kulturellen Diplomatie“ seine luxemburgische Herkunft mit dem Siegel seiner internationalen Kunstproduktion versehen: Die Biografie Steichens liest sich in der Tat als Folie einer transatlantischen Freundschaft, die auch die Kunst und Motivik der beiden Fotografen Wagener und Hovers bedient. Sie erleben New York als Protagonisten ihrer Residenz am „International Studio & Curatorial Program“ - die Stadt als Spielplatz und Hort der Avantgarde, an dem sich die luxemburgischen Talente messen.

Esther Hovers sucht in ihren Werken nach immer neuen Ausdrucksvariationen, die die Stadt nach psychografischen Prinzipien untersuchen: Wie beeinflusst sie unser Verhalten? Welche Freiheiten kann sie bieten? Hovers sieht im Stadtleben die Gefahr einer Konditionierung durch digitale Überwachung. Diese Dystopie wird lediglich behoben in der Vielzahl an Möglichkeiten, die sie uns in alltäglichen Entscheidungsmomenten gibt. Hovers fasst dieses Paradox gerne in mathematischen Problemstellungen zusammen, die das Konzeptuelle ihrer Fotografien resümiert. Ihre bisherige Arbeit - mit „False Positives“ überschrieben - hofft sie in der intensiven Erfahrung New Yorks zu vertiefen.

Unterschiedliche Schwerpunkte

Einen unterschiedlichen Schwerpunkt setzt Daniel Wagener: Den ästhetischen Charme seiner Motive kennzeichnet sein Interesse an formaler Harmonie, die beinahe abstrahierend wirkt. Hier wird der luxemburgische Künstler als Grafiker wahrnehmbar, der seinen Aufenthalt in den USA zudem für eine Reise durch die Südstaaten und vor allem Louisiana nutzte. Seine Werke seien apolitisch, so Wagener, der die Häuserschluchten New Yorks gerne als Experimentierfeld von Perspektiven nutzt. Den Universalitätsanspruch seiner Kunst begründet er mit der Forderung, dass seine Motive auch ohne Kontext verständlich sein müssten.

Im Blicke Steichens

Das luxemburgische Konsulat, sowie die Handelskammer haben die beiden Laureaten am Mittwoch feierlich empfangen. Sie verbrachten einen Abend im Zeichen des internationalen Kunstaustauschs, an dem auch die Präsidentin der „Edward Steichen Association“, Françoise Poos, und Kuratoren der wichtigsten New Yorker Museen beteiligt waren. Françoise Poos betonte die Reichweite der Edward Steichen Awards, die nicht nur den Preisträgern ein gewaltiges Karrieresprungbrett bietet, sondern den Standort Luxemburg als Kulturlandschaft fördert. Das beste Beispiel hierfür sei die große Retrospektive, die die „Edward Steichen Association“ zum zehnjährigen Jubiläum der Awards im Mudam organisiert habe und die auch international für Aufmerksamkeit sorgte.

Daniel Wagener und Esther Hovers jedenfalls nutzten das festliche Ambiente des Konsulats, um ihre neuesten Fotografien zu präsentieren und Pläne für die Zeit nach ihrer Residenz zu schmieden. Während Hovers sich auf ihr zweites internationales Programm vorbereitet, will sich Daniel Wagener zunächst auf die Weiterentwicklung seiner Kunst in Luxemburg konzentrieren und seine grafischen Stilzüge weiter vertiefen. Ein dankbarer Seitenblick galt dabei der heimlichen Gegenwart Steichens an diesem Abend: Das Konsulat besitzt den Originalabzug einer Steichen-Fotografie, die sowohl die beiden Laureaten als auch ihre Gäste am Treppenaufgang begrüßte.