LUXEMBURG
SVEN WOHL

Filmkritik: „A Million Ways to die in the West“

Ohne mit der Tür ins Haus fallen zu wollen: „A Million Ways to die in the West“ ist schlecht. Unfassbar schlecht sogar und man kann sich vorstellen, wie Zuschauer, die nach dem Film aus den Sälen strömen, innerlich der Zeit nachweinen, die sie dort vergeudet haben und nie wieder sehen werden. Denn was sie dort auf dem Bildschirm erlebt haben, stellt einen der lächerlichsten Versuche einer Wildwest-Parodie dar, die einem unter kommen kann, denn sie ist einfallslos, simpel und offenbart, dass der Macher, Seth Macfarlane, sich selbst maßlos überschätzt.

Ein typischer Serientäter

Seth MacFarlane, Regisseur und Hauptdarsteller des Filmes, machte sich dabei bereits einen Namen mit dem Film „Ted“, an dem sich die Geister scheiden. Unter dem Strich kann man festhalten: Wer den letztgenannten Film mochte und was mit „Family Guy“ anfangen kann, könnte diesem neuen Werk eventuell etwas abgewinnen.

Das Problem des Filmes liegt dabei nicht bei den Darstellern. Die meisten spielen ihre Rollen routiniert, aber ohne großen Schnitzer. Dass MacFarlane sich entschieden hat, auch noch die Hauptrolle in dieser Romantik-Parodie zu übernehmen, stellt sich als Patzer heraus: Mit einer Hand voll Gesichtsausdrücken schafft er es weder das humoristische, noch das romantische, Potenzial der Handlung rund um den Schafhirten Albert Stark zu nutzen. Eine gelungene Parodie, die eben auf die akzentuierte Ausspielung von Ernsthaftigkeit und Albernheit setzt verpufft dabei in sekundenschnelle.

Es hilft nicht, dass die Mehrzahl der Witze nicht zündet. Der Sprachhumor ist zu einfältig, die visuellen Gags scheitern an einer mäßigen Kameraführung und der Fäkalhumor könnte dank „South Park“ ausgelutschter nicht ausfallen. Martialisch gebrochene Knochen retten da auch nichts mehr und Stiere, die einfach mal durchs Bild huschen um einen Nebendarsteller aufzuspießen, lassen sich nur noch mit dem Prädikat „zufällig“ beschreiben.

In den 116 Minuten findet sich kein Witz, der nicht adäquat durch das Betätigen der Klospülung repliziert werden kann. MacFarlanes größtes Steckenpferd, Referenzhumor, ist und bleibt sein größtes Problem, das er, und das kann man als bewundernswert empfinden, bis heute gänzlich ignoriert.

Ziellose Zitate

Der Schreiber weiß zwar, dass man mit dem Verarbeiten von popkulturellen Referenzen und Zitaten durchaus humoristische Effekte schaffen kann, nur hat er das mit dem „Verarbeiten“ nicht verstanden. Beispiel: In einer Szene erblickt der Protagonist eine Scheune, in der es blitzt. Ein kurzer Blick hinein und siehe da: Doc Brown aus „Zurück in die Zukunft“ ist gerade dabei, an seinem Delorean zu arbeiten. Die Szene stammt so direkt aus dem dritten Film der Kultreihe. Der Protagonist fragt , was das soll; Brown antwortet, es sei ein Wetterexperiment und damit ist die Szene beendet. Kein Aufbau, keine Pointe, kein Nichts, die Referenz existiert und vegetiert einfach so vor sich hin. Einfallsloser geht es nicht!

„A Million Ways to die in the West“ sollte also auf jeden Fall ignoriert werden. Für die wenigen Szenen, die tatsächlich funktionieren, lohnt es sich auf jeden Fall nicht, eine Eintrittskarte zu bezahlen.