MARC GLESENER

Soziale Netzwerke werden auch bei Politikern immer beliebter. Sie sind ja Menschen wie alle anderen. Oder? Egal. Es wird eifrig und in voller Breite mitgeteilt, was einem so auf dem Herzen liegt. Mit kurzen, knappen Statements will man politisch punkten und zeigen, wie cool man ist.

Die „Geheimdienstaffäre“ bietet da den idealen Rahmen für die Eigeninszenierung via Netz. Vor den Sitzungen wird schnell noch ein kantiger Spruch abgesetzt und schon ist man der selbst ernannte Held der Aufklärer. So funktioniert das eben in der bunten Informationsdemokratie, in der (fast) nichts unmöglich ist.

Politiker und ihre Facebook-Auftritte. Das ist ein Thema, das mir persönlich seit langer Zeit schon auf dem Magen liegt. Spätestens seit den letzten Wahlen, als man sich vor Freundschaftsanfragen von Kandidaten kaum noch retten konnte. Aber müssen Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sich mit der nötigen Seriosität um schwierigste Dossiers kümmern sollen und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein müssten, wirklich Tag ein, Tag aus belangloses Zeug veröffentlichen?

In Sonntagsreden, bei Parteikongressen und in Interviews wird sich bitter über die Abwertung des Politischen und die grassierende Banalisierung komplexer politischer Zusammenhänge beklagt. Andererseits wird weiter munter drauflos gepostet. Alles Mögliche!

Ein Beispiel vom Wochenende. Schreiber ist der LSAP-Chef. Er beschäftigte sich am Samstag via Facebook mit dem, was (in seinen Augen) Land und Leute heute so bewegt.

„Leschten rouegen Weekend am Januar. Villäit en neien Teppech fir an d’Stuff... awer net fir eppes drenner ze kieren! loosse mer vun den Solden profitéieren.“ Was mag uns der Vorsitzende der parlamentarischen Untersuchungskommission über die Geheimdienstaktivitäten der letzten 48 Jahre mit dieser Botschaft wohl sagen wollen? Nichts Gutes, oder...?