Die Griechen sind ein geschichts- und traditionsbewusstes Volk, das ist hinlänglich bekannt und lässt sich über die Jahrhunderte verfolgen bis in die heutige Zeit hinein. Vom sagenhaften Trojanischen Pferd über die Seeschlacht bei Salamis, als ihre optisch unterlegene Flotte die Übermacht des Xerxes bezwingen konnte, wissen sie besser noch als wir, dass man mit List und Schlauheit auch solche Ziele erreichen kann, die ansonsten Utopie bleiben müssten.

Dieses Bewusstsein scheint weiterhin so stark in ihrem Volksempfinden verankert zu sein, dass sie bis heute - und das nicht mal ohne Aussicht auf Erfolg! - mit List und Tücke in der internationalen Politik operieren.

Von Simitis in den 90er Jahren über Karamanlis, Papandreou, Papadimos, ein Zwischenspiel von Pikrammenos bis hin zu Samaras und schließlich Tsipras scheuten sich ihre jeweiligen Premierminister keineswegs, mit allerhand Tricks, Verschleierungen, Unterschlagungen und Täuschungen ihren europäischen Gesprächspartnern all jene Tatbestände vorzugaukeln, die notwendig waren, um im europäischen Boot vor allem zum eigenen Nutzen mitsegeln zu können.

Dass sie damit durchkommen konnten, lag nicht zuletzt am willfährigen Entgegenkommen von maßgeblichen EU-Granden, denen mehr an spektakulären Entscheidungen denn an der Stabilität und Glaubwürdigkeit der Staaten- und Währungsgemeinschaft gelegen war. Diese hat infolgedessen nach wie vor als Experiment zu gelten, weil ein dauerhafter und nachhaltiger Erfolg immer noch zu beweisen bleibt, solange man sich von einem Verlegenheitskompromiss zum nächsten hangeln muss. So kann man den „Kompromiss“ vom vergangenen Freitag denn auch allerhöchstens als erneuter Aufschub werten, dem schon morgen eine neue Entscheidung von Troika (die man nicht mehr so nennen darf) und Finanzministerrat wird folgen müssen. Prinzipientreue, wie man sie bei seriösen Abmachungen, in diesem Fall einer Währungsunion, eigentlich voraussetzen müsste, hat in den Jahren seit Gründung der Eurozone nie zu deren Stärken gehört. Eine zuvorderst auf Stabilität ausgerichtete Währungspolitik, wie sie der EZB zugrunde liegt, verlangt nachvollziehbare Regeln und Entscheidungen, vor allem aber auch Disziplin als Basis für Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Als schweren Sündenfall muss man in diesem Zusammenhang anprangern, dass die EZB alle hehren Grundsätze über Bord geworfen hat und sich zum Spielball einer dem Opportunismus verfallenen Politikerclique hat machen lassen. Vor noch nicht allzu langer Zeit hatte sich in Luxemburg ein bekannter Politiker zu der Aussage hinreißen lassen: „Politik ass kee Spill!“

Der griechische Finanzminister Varoufakis, der sich betont locker im VW-Bus zu den Brüsseler Tagungen fahren lässt, nutzt im heimischen Athen, wie dieser Tage im TV ersichtlich, eher flunderflache fahrbare Untersätze. Ein Ferrari, wer Böses dabei denkt!

Lasst endlich genug sein dieses grausame Spiel!

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