LUXEMBURG
COLETTE MART

Gleich zweimal rückte das Thema der Diskriminierung in der Politik in den letzten Wochen in den Mittelpunkt der Aktualität. So beklagte die CSV-Politikerin Astrid Lulling die Stigmatisierung älterer Politiker, und allgemein älterer Menschen in der Gesellschaft, und CSV-Chef Marc Spautz passierte jener „Ausrutscher“ mit den rosa Polizeiuniformen, der sich über die Homosexualität des zuständigen Ministers lustig macht.

Astrid Lulling hat recht. Hänseleien gegenüber älteren Menschen sind häufig, und Politiker über 60 werden immer wieder von jüngeren Kollegen unterschätzt und herabgewürdigt. Traurig dabei ist, dass die heutige Generation der über Sechzigjährigen im Respekt vor den Älteren erzogen wurde, und diesen Respekt auch in jüngeren Jahren einhielt.

Jetzt, wo ihnen selbst wegen vieler Jahrzehnte Arbeit und Einsatz für die Gesellschaft dieser Respekt von den Jüngeren zustehen würde, bleibt er leider viel zu oft aus. Denn Respektlosigkeit allgemein ist zu einem gesellschaftlichen Problem geworden.

In der Politik geht es in diesem Generationskonflikt nicht einmal um eine vernünftige Verjüngung, die keiner beanstandet, sondern vielfach um Partikularinteressen. Es kann durchaus vorkommen, dass jüngere Politiker, die nicht auf Anhieb in verantwortliche Positionen gewählt werden, ältere Kollegen unbedingt verdrängen wollen, um so schnell wie möglich führende Positionen in der Gesellschaft zu übernehmen. Diese Art und Weise, sich zu benehmen, verrät nichts Gutes über den Charakter, und es ist verheerend, wenn Menschen ohne Respekt, ohne ausreichende Lebenserfahrung, vielleicht ja auch ohne Empathie für andere in führende Positionen gelangen. Die Realität in der Politik zeigt uns, dass nach wie vor ältere und jüngere Politiker in den ersten Reihen fungieren. Der Wähler, und sonst niemand, sollte hier das letzte Wort haben und urteilen. Was jetzt die Präsenz Homosexueller in der Politik anbelangt, so fanden und finden sich letztere in allen Parteien wieder. Das ist normale Realität und demgemäß auch gut so.

Es ist prinzipiell sogar überhaupt kein Thema, welche sexuelle Orientierung ein Politiker hat. Allerdings ist davon auszugehen, dass Homosexuelle, auch wenn sie heute öffentliche und anerkannte Persönlichkeiten sind, in ihrer Kindheit und Jugend, oder auch im Erwachsenenalter zahlreiche Erfahrungen der Diskriminierung machen mussten. Diese Erfahrungen sind schmerzhaft, und der Schmerz der Diskriminierung ist auf jeden Fall ein Thema, über das wir nachdenken sollten, ob es sich jetzt um Homosexuelle, um ältere Menschen, um Frauen, oder auch um Behinderte handelt.

Wenn demnach ein homosexueller Politiker den Weg bis in die erste Reihe schafft, also bis in eine Regierung, so trägt er dieses Wissen um Ausgrenzung in sich, und im besten Falle kann er daraus Empathie, Mitmenschlichkeit und Mitgefühl für andere, sowie Sensibilität gegen Diskriminierung entwickeln.

Allgemein wäre die Diversität auch in der Politik ein Ziel, das erstrebenswert ist und die Realität der Gesellschaft widerspiegelt.