LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Sehenswert: Die Komödie „Long Shot“ spielt im Politikermilieu

Gute amerikanische Komödien waren in letzter Zeit Mangelware. Regisseur Jonathan Levine wurde 2013 durch die originelle Zombie-Komödie „Warm Bodies“ bekannt, und seine neueste Produktion „Long Shot“ ist seit langem wieder ein Film „made in Hollywood“, der lustig ist. Im Mittelpunkt stehen der Journalist Fred Flarsky (Seth Rogen) und seine Jugendliebe, die amerikanische Außenministerin Charlotte Fields (Charlize Theron). Speziell Charlize Theron beweist, dass sie komödiantisches Talent hat. Der Kanadier Seth Rogen dagegen versucht sich meist in komischen Rollen, doch zu oft kann man nicht über seine Figuren lachen, was nun etwas anders ist.

Politische Interessen kontra Idealismus

Fred ist Investigations-Journalist. Er entkommt mit knapper Not den wütenden Mitgliedern einer Neonazi-Gruppierung, bevor er erfährt, dass seine Zeitung an den Medienmogul Parker Wembley (Andy Serkis) verkauft wurde, der sich nicht für die Themen interessiert, die Fred am Herzen liegen. So kündigt er seinen Job. Sein bester Freund Lance (O’Shea Jackson Jr.; er ist der Sohn vom Rapper Ice Cube) versucht ihn aufzumuntern und nimmt ihn mit zu einer Spendengala, bei der die Gruppe Boyz II Men auftritt. Bei dieser Gala begegnet er Charlotte wieder, seine einstige Babysitterin und erste große, aber heimliche Liebe.

Da Charlotte einerseits ein ökologisches Projekt umsetzen will und andererseits bei den nächsten Wahlen als US-Präsidentschaftskandidatin antreten will, da der amtierende Präsident Chambers (Bob Odenkirk) sich seiner Fernseh- und Filmkarriere widmen will, braucht sie jemanden, der eine spitze Feder und viel Humor hat, um ihre Reden zu schreiben. Ihre Wahl fällt auf Fred, der überrascht ist und etwas widerwillig annimmt. Zusammen mit Charlottes Beratern Maggie (June Diane Raphael) und Tom (Ravi Patel) reist er um die halbe Welt, um genug Politiker für Charlottes Öko-Projekt zu gewinnen. Beide verlieben sich ineinander, was nicht alle erfreut, schon gar nicht Parker Wembley, der mit Chambers befreundet ist. Beider politische Interessen haben nichts mit Charlottes Idealismus zu tun, und so erpressen sie die angehende Wahlkandidatin mit einem peinlichen Video mit Fred.

Lustiger Drogenrausch

Charlotte will unbedingt Ecstasy ausprobieren und es folgt eine der witzigsten Szenen überhaupt. In einer Disco lassen sie und Fred sich gehen, bis ein Sicherheitsbeamte sie auf einen politischen Zwischenfall aufmerksam macht, der eine dringende Entscheidung von ihr verlangt. Mit Konfetti in den Haaren und komplett zugedröhnt löst sie das Problem. Das Video von Fred, das zu Komplikationen führt, überrascht ebenfalls durch seine Freizügigkeit - dazu wird aber nichts verraten. Ein großes Kompliment verdienen die Drehbuchschreiber Dan Sterling und Liz Hannah, welche die üblichen sulzigen Dialoge, die einem stets in amerikanischen Filmen auf die Nerven gehen, weggelassen haben. Die einfachen und lustigen Gespräche zwischen den Protagonisten sind viel angenehmer. Die beiden Liebenden begegnen etlichen Komplikationen, deren Behebungen nicht unbedingt vorhersehbar sind. Ein paar romantische Momente und musikalische Evergreens runden die sehenswerte Komödie ab.