PASCAL STEINWACHS

Eigentlich könnte man ja meinen, nach dem Umfragedesaster beim Brexit und bei den US-Wahlen, wo nahezu alle Umfrageinstitute bis zuletzt Hillary Clinton als Siegerin sahen, würde die Politik die Prognosen der Meinungsforschungsinstitute nicht mehr ganz so wichtig nehmen, aber die Aufregung nach solchen Umfragen ist jedes Mal immer noch groß. Nach außen hin wird so getan, als würde man die Ergebnisse der Umfragen zwar zur Kenntnis, aber nicht so richtig ernst nehmen, doch in Wirklichkeit sind die Umfrageergebnisse den Politikern und den politischen Parteien natürlich alles andere als egal. So ist der Wähler zwar ein unberechenbares Wesen, und kann - im Falle Luxemburgs - bis zum entscheidenden Wahltermin im nächsten Jahr noch so einiges passieren, doch sind gute Umfrageergebnisse mit Sicherheit besser für die Moral.

Was beim aktuellen, im Auftrag von „Luxemburger Wort“ und RTL von TNS Ilres durchgeführten „Politmonitor“ indes auffällt, ist, dass Blau-Rot-Grün bei der „Sonndesfro“ derart schlecht abschneidet, dass die Bettel/Schneider/Braz-Koalition nicht weniger als sechs Sitze einbüßen würde (die Liberalen und die Sozialisten müssten jeder drei Sitze abgeben, von denen fünf an die CSV und einer an „déi Lénk“ gehen würden), das Vertrauen in die Regierung jedoch gleichzeitig wieder angestiegen ist (die Opposition stagniert ihrerseits bei 48 Prozent Vertrauen), und 63 Prozent der befragten Wähler der Meinung sind, dass die Regierung die Lage im Griff habe. Positiv bewertet wird auch die allgemeine Lage des Landes; 85 Prozent sind gar der Meinung, dass die wirtschaftliche Situation „ganz gut“ beziehungsweise „äußerst gut“ sei, so dass man sich fragen muss, warum die Koalition dann sechs Mandate einbüßen müsste, aber in einem Land wie Luxemburg, in dem die Mehrzahl der Leute keine materiellen Sorgen hat, spielt so etwas wie die wirtschaftliche Situation wahrscheinlich keine so große Rolle.

Auch gewinnen im „Politmonitor“-Ranking bis auf adr-Gruppenanführer Gast Gibéryen sämtliche Politiker an Zustimmung, wobei aber nicht ganz klar ist, nach welchen Kriterien die Politiker-Hitparade überhaupt zusammengestellt wurde, figuriert hier doch beispielsweise (anscheinend auf speziellen Wunsch von RTL, wie „Wort“-Chefredakteur Jean-Lou Siweck auf Twitter erriet) ein Luc Frieden, der gar kein politisches Mandat mehr inne hat, derweil ein Publikumsliebling wie Mars Di Bartolomeo diesmal nicht berücksichtigt wurde. Der Kammerpräsident spricht auf Facebook denn auch von Tricksereien, weil die Auftraggeber der Umfrage „willkürlech, ouni objektive Kritär“ einfach Leute gestrichen hätten, „déi hinnen ze wäit vir geland wäre“.

In diesem willkürlichen Ranking liegt LSAP-Beschäftigungsminister Nicolas Schmit übrigens auf Platz 21, der sich, nachdem es mit seinem Wechsel zum Europäischen Rechnungshof nicht geklappt hat, nun doch noch einmal dem Wähler stellen will, wie er gegenüber dem „Wort“ unterstrich. Dass er hier unter anderem in der Flüchtlingspolitik eine ganz andere Meinung als sein Parteikollege und Außenminister Jean Asselborn vertritt, dürfte unterstreichen, dass im Vorfeld der Wahlen langsam aber sicher auch innerhalb der Parteien der Kampf um die beste Positionierung begonnen hat...