LUXEMBURGCHRISTIAN SPIELMANN

Die neue „Revue“ „Ramba T’Samba“vom „Lëtzebuerger Theater“

Die erste „Lëtzebuerger Revue“ hat Alexis Brasseur 1896 geschrieben. Seit 1957 ist es die Truppe des „Lëtzebuerger Theater“, die ununterbrochen den satirischen Jahresrückblick auf das politische, kulturelle und soziale Geschehen im Großherzogtum spielt. Unter dem Titel „Ramba T’Samba“ inszenierte Zoltan Gaetti die Sketche von Romey (Roland Meyer), Wagu (Guy Wagner), Jochri (Jos Christen), Marquis (Marc Weidert), Muje (Jean-Claude Muller), Patkay (Patrick Kayser) und ZoGa (er selbst) im Großen Theater. Wie immer spielen Martine Haubrich, Dana Zangerlé, Tania Schaeffer, Stéphanie Welbes, Will Aust, Marc Camy, Ricardo Vieira, Raoul Albonetti und Jean-Claude Muller. Die Choreografien des Ensembles und der Tanztruppe „Sambrasil“ stammen von Li Marteling und Cathy Moes.

Von Bettel, Dilli und dem Manneken-Pis

Die 2015-Ausgabe des luxemburgischen Theaterevents des Jahres beginnt wie eine Show auf der Copacabana. Wenn das Sketch über eine Frau, die endlich eine Diagnose über ihre unzähligen Wehwehchen erhalten hat - sie leidet unter Hypochondrie - ein fragwürdiges medizinisches System auf die Schippe nimmt, wird bei „Jo oder Neen“ ein strenger Finger gegen das kommende Referendum erhoben. Es folgt eine Parodie auf die Rundtischgespräche bei RTL, die teils lustig ist, doch politisch streng wirkt. Nachdem Ern und Bert vergeblich auf den Tram gewartet haben, treffen sich Astrid Lulling, Jacques Poos und Jacques Santer nach einem Begräbnis zu Kaffee und Schnaps. Peinlich wirkt das Liebesduett zwischen Dilli (Pierre Dillenburg) und Rolli (Roland Hubsch) zu Peter Maffays „Du“, ehe sich die politische und großherzogliche Welt zur Hochzeitsfeier der beiden trifft. Im zweiten Teil nervt eine hyperintelligente Frau ihren Mann im Flugzeug. Der beste Moment der Revue beschreibt Jean-Claude Junckers Leben in Brüssel, wo er neben einem Dixi-Klo auf der Straße leben muss. Er führt Gespräche mit dem Manneken-Pis, und Passanten werfen ihm Münzen zu. Francine Closener besucht den „Härebierg“, gefolgt von einem lustigen Sketch, in dem Maria Teresa ihrem Henri „Oh Henri, mäi Chéri“ zur Melodie von Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ singt. Ein auf dem Klo sitzender Xavier Bettel muss eine Affäre mit einer Fernsehshow regeln, die Jean Asselborn und Erzbischof Hollerich betrifft. Schließlich beendet eine „Ramba T’Samba“ die Revue.

Zu viel Politik

Politische Themen dominieren die Show übertrieben stark, so als hätten in Luxemburg keine anderen Themen das Tagesgeschehen bestimmt. Es fehlen Parodien auf den Sport, die Kultur, den „Bommeleeër“, Maître Vogel oder jene kulinarischen Events, die in Luxemburg für Gesprächsstoff sorgten. Zu oft wiederholen sich die Macken oder sexuelle Orientierungen unserer Politiker, wie die Schuhe von Corinne Cahen, die Kleider von Maggy Nagel, die Fehltritte von Francine Closener oder die Homosexualität des Premierministers. Eine Anspielung hätte genügt. Somit fehlen die Überraschungsmomente, originelle Gags, komische und überdrehte Situationen, welche die Lachmuskeln stimulieren. Zu oft ahnt man den kommenden Witz, weil er sich wiederholt.

Auf den Weggang von Hoppen Théid, alias Marc Schmit, angesprochen, meinte Zoltan Gaetti: „Dies ist die Revue - seit über 50 Jahren. Sie hängt nicht von einem Mann oder einer Frau ab.“ Eines scheint aber sicher: Der Revue fehlt ein Zugpferd, ein Mann oder eine Frau mit einer außergewöhnlichen Ausstrahlung und einem ausgeprägten Sinn für Humor.


Weitere Informationen und Tickets

www.letzebuergertheater.lu.