LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Regionalflughäfen waren eine ganze Zeit sehr in Mode. Sobald eine ehemalige Militärbasis schloss, kam die Idee zu einem Regionaflughafen auf - in vielen Ländern. Doch die Pläne, dass diese in strukturschwachen Räumen massenhaft Arbeitsplätze schaffen würden, erfüllten sich nicht. Um Luxemburg herum arbeiten Flughäfen wie Lorraine Airport oder Hahn  schon seit langem defizitär. Tatsächlich hat sich der Findel als einziger in weiterem Umkreis einen Namen durch Zuwachs und schwarze Zahlen gemacht.

Die massiven Millionenhilfen von Bundesländern wie Rheinland-Pfalz, das eine zeitlang mit Hahn und Zweibrücken gleich zwei Regionalflughäfen hatte, aber auch von der Region Lothringen, die ihren künstlich in der Mitte zwischen Metz und Nancy angesiedelten Airport immer wieder stütze, riefen schließlich Kritiker auf den Plan - und die EU.

Diese entschied, dass Regionalflughäfen keine Millionengräber sein sollen. 2014 beispielsweise musste in einem Beihilfeverfahren so der Flughafen Zweibrücken zugunsten des nur 30 km entfernten Flughafens Saarbrücken geschlossen werden.

Gleichzeitig machte der politische Wunsch nach einem Regionalflughafen diese erpressbar. Wenn eine Billigfluglinie kam, konnte sie oft genug die Bedingungen diktieren. Landebahn verlängern, Verzicht auf Gebühren, Extras bei der Abfertigung: Angesichts von Hilfen in zweistelliger Millionenhöhe und Schulden, die teils bei dreistelligen Millionenbeträgen lagen, gaben die Verantwortlichen nach. Auch den Frachtfliegern wurde der rote Teppich ausgerollt. So peppte sich Lothringen für DHL auf. Doch die Konzernspitze entschied für Leipzig und gegen Lothringen. Die lange Landebahn half erstmal nicht weiter. Hinzu kam Missmanagement. In Lothringen sorgte die Besetzung der Direktionsstelle mit der Vertrauten des Regionalpräsidenten monatelang für Schlagzeilen rund um Verschwendung, Entlassungen und Klagen. Auf der Militärbasis Chambley wurde das Projekt des Skylander-Flugzeugs der Firma Geci 2013 ein 160-Millionen-Euro-Grab. In Rheinland-Pfalz kam es 2016 beim Beinahe-Verkauf an einen nicht existenten chinesischen Käufer, zu dem KPMG geraten hatte, zu einem öffentlichen Eklat. Ob es wirklich eine gute Idee war, den Flughafen dann an die chinesische HNA-Gruppe zu verkaufen, steht angesichts der aggressiven Seidenstraßen-Initiative noch auf einem anderen Blatt. Teuer bleibt er allemal. Bis 2024 sollen noch 70 Millionen Euro Steuergelder fließen, hieß es aus Mainz vor ein paar Jahren.

Das Geld der Steuerzahler dient letztlich dazu, Billigfliegern gute Bedingungen zu bieten - bis sie nicht mehr wollen. Das ist jetzt so am Flughafen Hahn, den Ryanair zwar als Destination behalten will. Wer aber angesichts der Entlassung von 170 Piloten noch dahin fliegen kann, weiß man nicht. Die Gewerkschaften verweisen auf den Repressionskurs von Ryanair. Die Iren müssten eigentlich Geld im Säckel haben. Denn nachdem sie lange versucht hatten, die Mehrheit an der ebenfalls irischen Aer Lingus zu übernehmen, von der sie schon 29,8 Prozent hielten, verkauften sie ihn 2015 schließlich an die British-Airways-Mutter IAG für 1,4 Milliarden Euro.

Die Flugindustrie steckt in der Coronakrise; okay. Aber Regionalflughäfen haben sich angesichts der TGVs und veränderter Bedingungen vielerorts schon lange überflüssig gemacht. Das Geld kann die Politik besser anlegen als in Bruchlandungen. Die Millionenhilfen stehen in keinem Verhältnis zu der Zahl der Arbeitsplätze.