LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Sauberes Wasser ist nicht selbstverständlich, weiß Catarina de Albuquerque, CEO von „Sanitation and Water for All“ und UN-Berichterstatterin für das Recht auf Wasser

Catarina de Albuquerque ist CEO von „Sanitation and Water for All“. Mit über 200 Partnern will sie sich für einen besseren Zugang zu sauberem Wasser einsetzen. Gleichzeitig ist sie die erste Berichterstatterin der Vereinten Nationen für das Recht auf Wasser. Wir haben sie bei einer Stippvisite in Luxemburg gesprochen - und gleich erfahren, wie sie das Land in ihre Initiative einbinden will.

Frau de Albuquerque, was haben Sie bislang erreicht?

Catarina de Albuquerque Wir sind 2003 gegründet worden und haben schnell gemerkt, dass in Themen wie Gesellschaft oder Bildung viel mehr Geld floss als in Wasser. Es fehlte an politischer Unterstützung. Dahinter stand die Idee, Minister würden schon selbst alles regeln. Wir haben uns deshalb mit Ministern getroffen - unter anderem mit dem Finanzminister - um sie von der Notwendigkeit des Zugangs zu sauberem Wasser zu überzeugen, damit das in die Budgetplanung einfließen kann. Zum Glück ist auch die Weltbank unser Partner. Jetzt treffen wir uns alle zwei bis drei Jahre, um über den Preis für sauberes Wasser zu reden. Doch die Finanzminister wollten nicht allein kommen, deshalb haben wir auch die Gesundheitsminister eingeladen. Da sie schon in Washington waren, haben wir daraus einen Sektor-Treff gemacht. Das fanden sie toll, zumal sie Kollegen aus anderen Kontinenten trafen, mit denen sie sich über Themen wie Sanitär und anderes ausgetauscht haben. Allerdings war es etwas naiv von uns, zu glauben, das von allein etwas passiert. Jetzt gibt es die Treffen im Wechsel zwischen Finanz- und Gesundheitsministern alle 18 Monate. Gemeinsam mit der Weltbank haben wir regionale Berater in den Regionen. Denn in vielen Regionen passiert sonst nichts.


Haben Sie ein Beispiel dafür?

De Albuquerque Wir waren im Oman. Dort ist weder die Weltbank noch die Asian Development Bank aktiv. Damit das Thema Wasser vorankommt, müssen intergouvernementale Treffen stattfinden. Natürlich ist Wasser Sache der Regierung, aber allein schafft sie das oft nicht.

Ist Wasser überall auf der Welt ein Thema?

De Albuquerque Es gibt Länder, in denen es schlecht läuft wie in Vietnam, Mozambique oder Äthiopien. Dort werden unsere Anforderungen von keinem Land erfüllt. Aber auch in der EU gibt es Probleme: Obdachlose verrichten ihr Geschäft an den Wänden, Flüchtlinge leben in wilden Camps. Während der Finanzkrise wurde vielen Haushalten in Portugal, Spanien oder Griechenland das Wasser abgedreht. Wir wollen nicht, dass Wasser gratis ist. Aber es sollte auch nicht abgedreht werden, denn es ist in vielen Fällen nicht die Schuld dieser Menschen, dass sie in einer Notlage sind. Am auffälligsten sind jene Länder, in denen der Zugang zum Wasser ein Problem darstellt - für bestimmte Gruppen. So gibt es Aufnahmen von Kairo, auf denen Pools und Menschen, die ihr Auto waschen, zu sehen sind, während es in den Slums keinen einzigen Wasserhahn gibt. Der Klimawandel treibt dieses Problem noch weiter an.

Wessen Interessen vertreten Sie?

De Albuquerque Wir haben viele Stakeholder, was nicht immer einfach ist, da wir nachhaltig handeln wollen. Für mich ist das wie ein Puzzle, bei dem der Privatsektor ein Teil des Ganzen ist. Vor kurzem war ich in Indien und dort gibt es laut einem Bericht einen Bedarf von 61 Milliarden Dollar. Wenn man alle erreichen will, auch die Armen, dann muss man die Regierung auch ins Boot holen.

Welche Rolle spielen internationale Finanzinstitutionen?

De Albuquerque Sie sollten die Regierungen bei der Umsetzung unterstützen. Investitionen sind in vielen Ländern nicht interessant, so lange die Regierung nicht ihre Hausaufgaben erledigt. Nur ein Beispiel: Wenn ein Unternehmen in einem Land ohne Regeln für die Klärung von Fäkalien zuständig ist, dann kann es das machen - aber wird es das ohne Kontrolle auch tun? Es gibt immer Cowboy Companies, die das irgendwo in die Gegend kippen. So was ist nicht sexy und korrekt - und deshalb sind funktionierende Abläufe wichtig. Indien subventioniert diesen Bereich. Die Weltbank war früher dagegen, hat aber ihre Meinung geändert. Wir setzten auf viele Partner. In diesem Sinne könnte Luxemburg auch unser Partner werden, ebenso die Europäische Investitionsbank. Es kostet ja nichts.