DUBLIN
SVEN WOHL

Inklusion eines der Hauptthemen bei den diesjährigen Hugo Awards

Science-Fiction ist ein Genre, das zwangsläufig politische Inhalte transportiert. Doch bei den diesjährigen Hugo Awards - benannt nach dem Luxemburger Hugo Gernsback - nahm man erneut kein Blatt vor den Mund. Die bekannteste Science Fiction Auszeichnung prämierte dieses Jahr ein diverses Aufgebot an Schriftstellern.

Dies, nachdem bereits in vergangenen Jahren eine Kehrtwende erreicht wurde. Nach Jahren an Streitereien mit eher rechtskonservativ einzuschätzenden Gruppierungen, ist zumindest in dieser Hinsicht Ruhe eingekehrt. Doch politisch wurde es gleich zu Beginn, als der John W. Campbell Award für die beste neue Schriftstellerin an die aus Hong Kong stammende Jeannette Ng überreicht wurde. In ihrer Rede kritisierte sie John W. Campbell (1910 - 1971), Science-Fiction Schriftsteller und Herausgeber, und bezeichnete ihn als Faschisten. Anschließend nutzte sie die Gelegenheit, die Proteste in Hong Kong zu kommentieren: „In diesem Moment kämpfen Protestler in der cyberpunk-artigsten Stadt der Welt gegen die maskierten, anonymen Stormtropper eines autokratischen Imperiums. (...) Ich kann nicht anders, als stolz auf sie zu sein, um sie zu weinen, ihren Schmerz zu beklagen.“

Diversität als Trumpf

In anderen Kategorien setzte man bereits Zeichen durch die Wahl der Gewinner. Elsa Sjunneson-Henry ist die erste taube und blinde Person, die einen Hugo Award (Kategorie: „Best Semiprozine“) erhielt. „Wenn du behindert bist und man dir sagte, dass du nicht ins Verlagswesen, oder in die Welt im allgemeinen, gehörst, dann ist diese Auszeichnung von uns für dich, damit wir nach den Sternen greifen“, so die Gewinnerin in ihrer Rede. Mary Robinette Kowal, mehrfache Hugo Award Gewinnerin, nahm am Sonntag die Trophäe für den besten Roman entgegen und unterstrich, dass sie auch in Zukunft eine diversere Science-Fiction schreiben wolle. „Ich sehe euch. Ich werde dafür sorgen, dass ihr in meiner Fiktion seid“, versicherte sie bei ihrer Dankesrede. Gérard Kraus, Präsident der „Science Fiction & Fantasy Society Luxembourg“ war vor Ort: „Es ist schön zu sehen, dass die Science-Fiction und Fantasy-Szene Diversität mit offenen Armen empfängt.“ Zwar mangele es vielleicht aktuell an männlichen Kandidaten, doch er ist sich sicher, dass ein gewisses Gleichgewicht nach der Gegenreaktion zur Unterwanderung durch rechte Kräfte, gefunden wird.

HUGO AWARDS

Die Gewinner (Auswahl)

Bester Roman: „The Calculating Stars“ von Mary Robinette Kowal, Beste Novelle: „Artificial Condition“ von Martha Wells, Beste Novellette: „If at First You Don’t Succeed, Try, Try Again,“ von Zen Cho, Beste Kurzgeschichte: „A Witch’s Guide to Escape: A Practical Compendium of Portal Fantasies,“ von Alix E. Harrow, Beste Serie: „Wayfarers“, von Becky Chambers, „Best Related Work“: „Archive of Our Own“, Beste graphische Geschichte: „Monstress, Volume 3: Haven“, von Marjorie Liu und Sana Takeda“, Bestes „Semiprozine“: Uncanny Magazine.