PATRICK WELTER

Es ist ein traumhaft schönes Land mit lauter freundlichen Menschen, Gastfreundschaft wird groß geschrieben und die Wirtschaft boomt. Es könnte alles so toll sein, gäbe es da nicht die Regierung…

Keine Angst, das ist nicht der 28. Kommentar über den Kerl im Weißen Haus. Nein, die Politchaoten, um die es hier geht, liegen uns geografisch erheblich näher. Während bei den deutschen Nachbarn ein Wahlkampf im Valium-Modus stattfindet, herrscht weiter im Osten, jenseits von Oder und Neiße, mentaler Bürgerkrieg. Die national-konservative Regierung Polens hat sich in den letzten zwei Jahren von allem abgewandt, was der politische Anstand gebietet. Die Regierung der PiS kämpft gegen die Opposition im Parlament, gegen weite Teile der Bevölkerung, gegen die Presse, gegen die Justiz, gegen die EU und deren verhassten polnischen (!) Präsidenten, gegen EU- Vereinbarungen, und und und…

Mittlerweile hat sich sogar der von der PiS ins Amt gebrachte polnische Präsident Andrzej Duda gegen die „Parteifreunde“ gestellt und versucht, die Regierung von Beata Szydlo in ihrem konservativen Furor zu bremsen. Zwischen Präsident und Verteidigungsminister Antoni Macierewicz - beide PiS - tobt eine offene Schlacht. Den Verbindungsoffizieren im Präsidentenbüro wird vom Minister eine Sicherheitsstufe verweigert. Duda weigert sich vom Minister vorgeschlagene Offiziere zu Generälen zu machen.

Um vom Krach abzulenken, hat Macierewicz mal wieder die „Forderung nach deutschen Reparationen“ aus dem Hut gezaubert. Ein leere Drohung: 1953 hat Polen der DDR gegenüber offiziell auf Reparationen verzichtet, zum anderen hat man- zu Recht - ein Viertel des deutschen Reichsgebiets erhalten. Für den verlorenen polnischen Osten war Stalin verantwortlich.

German-bashing funktioniert in Polen aber nicht mehr richtig. Wo hingegen die Angst vor Russland in der ganzen Bevölkerung latent ist. In jedem anderen Land würde Macierewicz politisch unhaltbar sein, ist er doch ein Verfechter der „Smolensk-Theorie“. Soll heißen, weder Nebel noch ein Pilotenfehler waren Schuld am Absturz der polnischen Militärmaschine in Smolensk bei der Präsident Lech Kaczynski ums Leben kam, sondern eine Bombe, Laserstrahlen oder ein elektromagnetischer Impuls Made - inklusive Exekution einiger Überlebender durch russische Soldaten.

Kein Wunder, dass er der engste Vertraute von Jaroslaw Kaczynski ist, der der wahre Machthaber in Polen ist. Beata Szydlo bellt, wenn er es befiehlt. Glücklicherweise hat sich Andrzej Duda von seinem Übervater befreit und große Teile der antidemokratischen Justizreform nicht unterzeichnet. Der durch den Tod seines Zwillingsbruders traumatisierte Kaczynski, sieht sich von Feinden umzingelt. Er hasst Donald Tusk, die Liberalen, die Russen, die Anti-Klerikalen, die EU und natürlich die Deutschen - in dieser Reihenfolge.

Polen profitiert erheblich von seiner EU-Mitgliedschaft, politisch und finanziell, umso erschreckender ist die Ignoranz gegenüber europäischen Werten. Nicht „der Polen“ im Allgemeinen, sondern der PiS-Führung. Egal, ob es um den Rechtsstaat oder einen der letzten Urwälder Europas und seinen durch den EuGH verordneten Schutz geht. Für die PiS gilt stets die simple Parole: „Hau weg den Scheiß!“