NEUNKIRCHEN
CHRISTIAN SPIELMANN

Ein neues Jukebox-Musical in Neunkirchen: „Big Bang Boom“

Der Begriff „Musicalstadt Neunkirchen“ entstand 2010. Mit Musical-Workshops begann man in der saarländischen Stadt alle, die Spaß am Musical hatten, professionell zu unterstützen. Ein Jahr später wurde daraus die Musicalschule. Natürlich bemühte man sich, selbst Musicals zu erschaffen. Mit der Hilfe von professionellen Musical- und Theatermachern entstanden unter anderem „Falco Meets Mercury“ (2014) und „Steam“ (2014), das im September wieder in die Neue Gebläsehalle zurückkehrt. Am Freitag war hier die Premiere des neuen Musicals „Big Bang Boom“, mit dem Untertitel „Riesenknall im All“. Wie bei „Falco Meets Mercury“ führt Elmar Ottenthal Regie, Judith Adam erschuf erneut wunderbare Kostüme, und Deimos Virgillito choreographierte die Tanzeinlagen.

Eigentlich soll ein Musical eine Geschichte erzählen. Erst nach drei Songs erklärt die off-Stimme vom Bordcomputer (Eberhard Schilling), dass sich drei Wissenschaftler, der Raketenforscher Dave (Sascha Krebs), der Kosmologe Alvin (Koffi Missah) und die Ökologin Lucy (Aino Laos), auf einer Forschungsreise im Weltall unterwegs sind, und auf dem Mond notlanden mussten. Dass das Kreativ-Team keinen Wert auf eine originelle und halbwegs logische Geschichte legte, beweist, dass die drei hier auf eine Gruppe russischer Kosmonauten stößt, die seit den 1960er Jahren verschollen sind und von Yuri (Deimos Virgillito) geleitet werden. Zuerst nehmen die Russen die Amis gefangen, dann verbrüdern sie sich, kiffen zusammen, um schließlich gemeinsam den Heimweg anzutreten.

Allein die Show zählt

Wer sich jetzt an den Kopf greift und ratlos die Halle verlässt, hat vielleicht Recht, aber der verpasst die Essenzen der Show, drei wunderbare Stimmen - Krebs, Missah und Laos -, perfekt getanzte Choreografien zu bekannten Songs aus der Pop- und Rockgeschichte, eine flotte Lichtshow und einen vorbildlichen Sound. Und zum Schluss versucht man mit Michael Jacksons „Earth Song“ noch eine ökologische Botschaft unterzubringen.

Oldies but Goldies

Die Show beginnt zu „Rocket“ von Def Leppard, geht weiter über „Major Tom“ von Peter Schilling, „Help“ und „Across the Universe“ von den Beatles, „Rocket Man“ von Elton John, bis hin zu Monty Pythons „The Galaxy Song“ gesungen von Albert Einstein (Maximilian Millen), „Ballroom Blitz“ von Sweet und „Far Far Away“ von Slade.

Die mögliche Geschichte ist schnell vergessen, und es zählt nur der perfekte Gesang zu eingespielter und teils live gespielter Musik auf der Posaune und Flöte von Vlad (Jan Kamp) und von Pjotr (Andy Puhl) auf den Keyboards, kombiniert mit rasanten und auch langsamen von der Gruppe „Moscow Movers“ getanzten Choreografien. Die besten Momente sind der Gesang und Tanz zu „Radio Ga Ga“ von Queen, wie zu David Bowies „Space Oddity“ und das stimmgewaltige Duett Krebs-Laos zu Bonnie Tylers „Total Eclipse of the Heart“. Überraschungseffekt haben „Top of the World“ von den Carpenters, „Kiss (You Don’t Have to be Beautiful)“ von Tom Jones und Michael Jacksons „Bad“.

„Big Bang Boom“ ist eine perfekt getanzte und gesungene Show, aber mit einer absolut mangelhaften Geschichte, wobei man nicht versteht wieso erfahrene Profis wie Ottenthal und Laos sich nicht weiter Gedanken über Sinn und speziell Unsinn dieser gemacht haben. Wer rein mustergültige Unterhaltung sucht, kann sich dieses Jukebox-Musical in Neunkirchen ansehen.


Weitere Informationen und Tickets unter www.big-bang-boom.de.