LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Telearbeit-Pilotprojekt im öffentlichen Dienst soll ausgeweitet werden

Genau 100 Beamte in elf unterschiedlichen staatlichen Entitäten haben an dem im Oktober 2017 gestarteten Pilotprojekt zur Erprobung der Telearbeit im öffentlichen Dienst teilgenommen. Der zuständige Minister zieht ein insgesamt positives Zwischenergebnis des Projekts, das weitergeführt und ausgeweitet werden soll. Zudem soll die die Telearbeit im öffentlichen Dienst regelnde großherzogliche
Verordnung neu verfasst werden, um bestehende Einschränkungen auszuräumen.

Minister Dan Kersch (LSAP) stellte zunächst klar, dass am Vorwurf, der Privatsektor werde vernachlässigt, nichts dran sei. „Bei der Telearbeit hinkt der öffentliche Sektor dem privaten mehr als hinterher“, bemerkte er gestern, auch wenn das Arbeiten von zuhause aus eigentlich schon seit 2003 im öffentlichen Dienst möglich sei. Viel Gebrauch wurde davon aber bislang nicht gemacht. In einer 2015 durchgeführten Umfrage gaben 87 Prozent von 65 Verwaltungen an, nicht auf Telearbeit zurückzugreifen, 22 kannten die gesetzliche Grundlage nicht. Auf der Grundlage dieser Umfrage geht das Ministerium von etwa 60 Telearbeitern im öffentlichen Dienst aus, was gerade einmal 0,25 Prozent des Personalbestands entspricht.

Positive Auswirkungen

Die jetzige Auswertung des Pilotprojekts zeige aber, dass eventuelle Bedenken unbegründet sind. Die „allermeisten“ Projektteilnehmer geben an, dass sich Telearbeit positiv auf ihr Wohlbefinden und ihre Arbeitsleistung auswirkt und dass keine signifikante Beeinträchtigung der Stimmung im Büro zu verzeichnen sei. Etwa 60 Prozent entschieden sich für das flexiblere Modell (stundenweise Telearbeit), etwa 40 Prozent blieben an einem Tag in der Woche in den eigenen vier Wänden.

Als Vorzüge nennen die Teilnehmenden eine verringerte Fahrtzeit zur Arbeit sowie einen besserem Einklang vom Berufs- mit dem Privatleben und sich insgesamt besser zu fühlen. Ihre jeweiligen Vorgesetzten berichten Kersch zufolge von einer gesteigerten Motivation ihrer Mitarbeiter, weniger Stress und weniger krankheitsbedingte Ausfälle. Auch Arbeitskollegen wurden befragt. „Die Kollegialität hat nicht gelitten“, bemerkte Kersch, der damit - wenn die Spielregeln klar sind - auch Bedenken hinsichtlich der Telearbeit als ausgeräumt sieht. 75 Prozent der Arbeitskollegen hätten ebenfalls Interesse bekundet, einen Teil ihrer Arbeit in Zukunft von zuhause zu erledigen. Eine Schlussfolgerung Kerschs lautet daher, die großherzogliche Verordnung aus dem Jahr 2012 überarbeiten und „klare Kriterien“ festlegen zu wollen. Bisherige Einschränkungen sollen zudem wegfallen. In der geltenden Verordnung heißt es etwa, dass Beamte erst nach fünf Dienstjahren für Telearbeit infrage kommen. Zudem müssen Betroffene ihren Wohnsitz in Luxemburg haben - was im Lichte der Rifkin-Studie doch recht bizarr erscheinen mag. In dem im November 2016 vorgestellten Bericht wurde als Ziel ausgegeben, einen Telearbeitstag pro Woche zu erreichen. Im Dezember des gleichen Jahres war die Telearbeit im öffentlichen Dienst dann Inhalt einer Motion im Parlament, der Kersch aber eigentlich schon vorgegriffen hatte. Der zuständige Minister kündigte darüber hinaus an, an der internen Kommunikation zu feilen sowie die österreichische Ratspräsidentschaft im Auge zu behalten, die Telearbeit zu einem prioritären Thema erklärt hat.

In Sachen Telearbeit gehört Luxemburg im europäischen Vergleich zum Spitzenfeld. Einer Eurofound-Studie aus dem Jahr 2015 zufolge greifen etwas mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer auf unterschiedliche Formen von Telearbeit zurück, Rang 5 in der Europäischen Union.