LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

In „Winterstarre“ spielt die junge Schauspielerin Elena Spautz ihre erste Hauptrolle

An einem Tisch in einer Bar sitzt eine junge Frau. Offenbar zufällig und belanglos spricht sie einen fremden Mann an und beginnt schließlich aus ihrem Leben zu erzählen. Diese junge Frau ist Elena Spautz. Das Gasthaus bildet die Kulisse des Theaterstücks „Winterstarre“ von Astrid Kohlmeier in einer Inszenierung von Jean-Paul Maes für das „Kaleidoskop Theater“. Premiere ist heute Abend im Schloss Bettemburg. Elena Spautz ist ein relativ neues Gesicht in der Theaterszene Luxemburgs. Ihren Bachelorabschluss hat die 27-Jährige erst im Oktober vergangenen Jahres an einer Schauspielschule in Cork in Irland gemacht. In „Winterstarre“ ist sie nun in ihrer ersten Hauptrolle zu sehen. Wir haben uns vorab mit der Nachwuchsschauspielerin über ihre ersten Schritte auf der heimischen Bühne unterhalten.

Wie kamen Sie zur Schauspielerei, beziehungsweise warum sollte es ausgerechnet dieser Beruf sein?

Elena Spautz Am Theater und an Filmen war ich immer schon interessiert, es stand also früh fest, dass es beruflich in diese Richtung gehen sollte. Im Jahr 2010 habe ich angefangen, Schauspielunterricht am Konservatorium in Esch/Alzette und Luxemburg zu nehmen. Witzigerweise war Jean-Paul Maes damals mein erster Schauspiellehrer. Während dieser Zeit habe ich mich immer mehr fürs Theater begeistert. Schließlich hat mich mein Weg nach Irland geführt, um dort meinen Bachelor in „Drama und Theatre Studies“ zu machen. Gesangsunterricht gehörte ebenfalls dazu. Aufgetreten bin ich während meiner Studienzeit auch.

Warum ausgerechnet Irland?

Spautz Ich wollte in einem englischsprachigen Land studieren. Ich mag die Sprache, und die Theaterstücke, die ich zuvor etwa in London gesehen hatte, haben mich sehr geprägt. Da mir Irland immer schon gut gefallen hat, war ich froh, an der Schauspielschule in Cork angenommen zu werden. Natürlich weiß ich, dass es in Luxemburg eher schwierig ist, ein Engagement in einem englischsprachigen Stück zu bekommen, Deutsch als Sprache liegt mir aber auch sehr.

Also war es keine Option, in Irland zu bleiben?

Spautz Natürlich habe ich darüber nachgedacht, auch einen Master hatte ich zeitweilig ins Auge gefasst, bevor ich mich dann doch dazu entschied, nach Luxemburg zurückzukehren. Beruflich Fuß in Irland zu fassen, ist für Schauspieler von außerhalb ohnehin nicht so einfach, alleine schon wegen des Akzents. Mein Englisch ist zwar ziemlich gut, mein irischer Akzent dann aber vielleicht doch nicht perfekt genug.

In Luxemburg Fuß zu fassen, ist also leichter?

Spautz Ein paar Castings musste ich schon durchlaufen, bevor es jetzt mit dieser Rolle klappte. Natürlich ist das nicht ungewöhnlich, diese Erfahrung macht wohl jeder Schauspieler. Davon darf man sich nicht entmutigen lassen. Über die Zusage für die Rolle in „Winterstarre“ habe ich mich jedenfalls sehr gefreut, und auch dass ich dieses Vertrauen so kurz nach meiner Ausbildung bekommen habe. Ich denke aber, dass es in Luxemburg tatsächlich etwas leichter ist, als junger Schauspieler an eine Rolle zu kommen, wenn man sich noch keinen Namen gemacht hat. In einer großen Stadt im Ausland ist die Konkurrenz meiner Meinung nach deutlich größer. In Luxemburg ist die Szene überschaubarer und bietet mehr Chancen, denke ich.

Welche Rolle spielen Sie in „Winterstarre“?

Spautz Ich spiele eine junge Frau, die über ihre Kindheit spricht, beziehungsweise von ihren damaligen Erfahrungen erzählt. Die Beziehung zu ihrem Vater war relativ schwierig, da er unter Depressionen litt. Zudem ist sie eine Frau, die auf der Suche nach sich selbst ist und mit den Erfahrungen, die sie in der Kindheit gemacht hat, nicht richtig klarkommt. Sie muss noch vieles verarbeiten. Davon erzählt sie einem Fremden in einer Bar, redet in gewisser Weise auf ihn ein, und er hört dieser traurigen Seele zu.

Das Thema Depression ist ja doch noch ein gewisses Tabu. Im Theater wurde es bislang auch kaum behandelt. Empfinden Sie die Rolle als Herausforderung?

Spautz Als ziemliche Herausforderung sogar, es ist schon eine schwere Rolle. Die Person, die ich spiele, ist ständig hin- und hergerissen, was man natürlich auch im Spiel zeigen muss. Was nun die Thematik anbelangt, so haben wir viel untereinander darüber geredet, auch wie wir das Ganze als Außenstehende empfinden. Das hat mir sehr dabei geholfen, mich auf die Rolle vorzubereiten, auch emotional.

Ist es denn ein deprimierendes Stück?

Spautz Das könnte man meinen, aber nein, so wollte es der Regisseur nicht darstellen. Das wäre auch zu schwer für das Publikum. Im Endeffekt ist es ein Stück, das einem Hoffnung gibt und das auch leichtere Momente bereithält. Jean-Paul Maes sagt sogar, dass es eines der positivsten Stücke ist, die er in den letzten Jahren inszeniert hat.

Sie stehen nicht alleine auf der Bühne, dennoch hört sich das Ganze doch an, als wäre es eher ein Monolog?

Spautz Ich rede tatsächlich während eines Großteils der Zeit. Es ist nun aber kein allzu langes Stück, sodass der Text gut zu bewältigen war. Von der Sprache her ist es auch nicht so schwer. Eigentlich war „Winterstarre“ tatsächlich anfangs als Monolog gedacht, wurde aber dann in Dialogform umgeschrieben. Wie gesagt, war ich sehr glücklich, als ich die Zusage bekam, gleichzeitig hatte ich aber auch etwas Angst und bin definitiv aufgeregt (lacht). Wir hatten aber so viele Proben, dass ich nicht einmal wirklich Zeit hatte, mir zu viele Gedanken zu machen und zu nervös zu sein. Lampenfieber gehört trotzdem dazu. Das Adrenalin hilft dann auch, noch mehr Energie auf der Bühne zu haben.

„Winterstarre“ wird jetzt fünf Mal gespielt, haben Sie schon weitere Pläne?

Spautz Ein neues Engagement hat sich bislang nicht ergeben. Da ich aber jetzt noch einen Master in Theaterwissenschaften an der Uni Luxemburg mache, setze ich mich nicht zu sehr unter Druck und warte erst einmal ab, was mir diese Erfahrung bringt und wie es danach weitergeht.

„Winterstarre“ feiert unter der Regie von Jean-Paul Maes heute Abend (25. April) um 20.00 Premiere im Schloss Bettemburg. In weiteren Rollen spielen Neven König - er war im „Kaleidoskop Theater“ bereits als Walter Faber und Faust zu sehen - und Esther Correia. Weitere Vorstellungen am 7., 8. und 9. Mai jeweils um 20.00 sowie am 10. Mai um 17.30. Zusätzliche Infos unter www.kaleidoskop.lu