LUXEMBURG
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Uni-Studie bestätigt: Reform der Sozialhilfe und Reorganisation der Sozialämter trägt ihre Früchte

Das Sozialhilfegesetz von 2009 hat bedeutende organisatorische Veränderungen mit sich gebracht und stellte auch neue Anforderungen an die Arbeit der Akteure in den neu gegründeten Sozialämtern, deren Zahl auf 30 begrenzt wurde, an die Sozialhelfer, das administrative Personal und selbstverständlich auch an die Mitglieder und Vorstände der Verwaltungsräte der Sozialämter. Wie kommen die Beteiligten damit klar und was hat die Reform den Sozialhilfeempfängern gebracht? Diese und andere Fragen nahm die Uni Luxemburg im Auftrag des Familienministeriums unter die Lupe. Die von Dezember 2016 bis Juli 2018 unter der Leitung von Prof. Dr. Helmut Willems durchgeführte Studie wurde gestern im parlamentarischen Ausschuss für Familie und Integration vorgestellt.

Noch Luft nach oben

Die Bilanz fällt durchwegs positiv aus. So sei die Zufriedenheit der Adressaten von Sozialhilfe im Hinblick auf die Art und Weise der Betreuung und des Umgangs mit ihnen hoch, auch was die Auswirkung der Unterstützung auf ihre Lage anbelangt. Die Forscher führen auch die hohe Motivation der Mitarbeiter der Sozialämter an, ihre Identifikation mit deren Aufgaben und ihre relative Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen. Positiv hervorgehoben wird auch die erfolgreiche Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich der Professionalisierung der Sozialhilfe und die Ausrichtung der Offices als „moderner“ sozialer Dienstleister. Befunde, „die im Sinne einer gelungenen Reorganisation der Sozialhilfe in Luxemburg durch das Gesetz verstanden werden können“. Allerdings gibt es noch Luft nach oben. Zum Beispiel bei den infrastrukturellen Bedingungen. Oder bei der Dokumentation der Sozialarbeit, bei der eine für alle Sozialämter einheitliche Nomenklatur empfohlen wird. Die Experten raten ferner zur Anpassung des Personalschlüssels an die schwankende Arbeitsbelastung. Der Schlüssel solle an einen „Sozialindex“ gekoppelt werden. Die Professionalisierung solle weitergetrieben werden, auch durch Schulungen der Verwaltungsratsmitglieder, derweil die Zusammenarbeit mit externen Partnern wie andere soziale Dienstleister verbessert werden könne. Wichtig sei auch eine Harmonisierung der Leistungsvergabe, die oft noch von den „Offices“ unterschiedlich gehandhabt werde. Auch müsse mehr Information betrieben werden. Familienministerin Corinne Cahen (DP) sieht aufgrund der Studie keinen Handlungsbedarf für eine weitere Reform der Sozialhilfe. Die Diskussion über die aufgeworfenen Probleme wollen Ministerin und Ausschuss allerdings vertiefen.