LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Umsatz steigt leicht, Gewinn nach Steuern bricht ein - Neues Verwaltungsgebäude geplant

Die Post Group oder auch „déi nei Post“ will weiter investieren und sich so für die Zukunft rüsten. Gestern stellte sie die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Der mit 4.096 Mitarbeitern zweitgrößte Arbeitgeber Luxemburgs legte beim Umsatz leicht um zwei Prozent auf 691,48 Millionen Euro zu. „Damit sind wir angesichts der europaweiten Konkurrenz zufrieden“, versicherte Verwaltungsratspräsident Serge Allegrezza. Er betonte, die Post würde „massiv investieren“, vor allem in Infrastrukturen. Die Investitionen stiegen geringfügig um 0,72 Prozent auf 158,12 Millionen Euro. Allegrezza sagte, die Post habe insgesamt rund 200 Millionen Euro vor allem in den digitalen Bereich investiert. Er sprach vom „bien-être numérique des Luxembourgeois“, dem diese Investitionen dienten.

Auffallend an der Bilanz ist das Ergebnis nach Steuern, das um 31,27 Prozent zurückging auf 41,33 Millionen Euro. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ging um über sieben Millionen Euro zurück. Allegrezza erklärte dies mit hohen Abschreibungen und Investitionen der vergangenen Jahre in Kabel, Datenzentren und Informatiksysteme. Noch stärker nahm das Vorsteuerergebnis ab, nämlich um mehr als 14 Millionen Euro. Laut Allegrezza lag dies vor allem an außergewöhnlichen Belastungen in Höhe von 12 Millionen Euro. Zum einen müssen die CFM-Bauten abgerissen werden. Das Gebäude Mercier in gleichnamigen Straße nahe dem Hauptbahnhof musste neu bewertet werden. Nach dem Abriss soll dort ein neues Verwaltungsgebäude entstehen. Darüber hinaus wurden Rückstellungen für mögliche Strafzahlungen aus Prozessen vorgenommen. Dabei geht es um Konkurrenzfragen, eine letzte Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Der Staat als Aktionär erhält dennoch eine Dividende von 20 Millionen Euro.

Insgesamt zeigte sich die Post zufrieden mit den Zahlen. „Nach zwei Jahren der Stagnation bedingt durch strukturellen Rückgang der historischen Aufgaben der Postverteilung und des Festnetzes, der weiter anhält, stellt dies eine Rückkehr zum Wachstum dar“, hält die Post in ihrer Pressemitteilung fest.

Zusammenarbeit mit Raiffeisen ungewiss

Entsprechend optimistisch gab sich denn auch Generaldirektor Claude Strasser. Er verwies auf die modernen Infrastrukturen, den Erfolg im Cloud-Bereich mit Geschäftskunden und den wachsenden Paketbereich, der bedingt durch den Internethandel zunimmt. „Wir testen zur Zeit im Pilotprojekt Abholstationen zu Hause“, sagte Strasser. Weitaus kritischer ist die Situation der Post Finance. Auf der nächsten Verwaltungsratssitzung im Juni soll festgelegt werden, ob es eine Zusammenarbeit mit der Raiffeisen gibt.

Trotz sinkender Roaming-Gebühren will Strasser Umsatz und Wachstum halten. Er setzt auf die Zusammenarbeit mit der Supermarktkette Cactus, um Postdienste gewinnbringend auch in dünn besiedelten Orten anbieten zu können. Ein weiteres Problem für Kunden seien die Arbeitszeiten der Postmitarbeiter. Hinsichtlich des Abhörskandals durch den deutschen BND hat die Post Group sich noch nicht entschieden, ob sie Anzeige erstatten will. Der Kunde selbst trage auch Verantwortung.