LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

EU-Projekt „Greenhouses to Reduce CO2 on RooFs“ hat auch ein Standbein in Bettemburg

Es ist eine tolle Vorstellung: Dächer sollen künftig mit Gewächshäusern ausgestattet sein, in denen Obst und Gemüse gedeihen und die mit Abwärme und Abluft funktionieren. Während es solche Konzepte schon jahrelang auf verschiedenen Kontinenten gibt, arbeitet die EU nun daran, standardisierte, flexible und auch noch wiederverwendbare Gewächshäuser zu entwickeln, um solche Lösungen großflächig einzusetzen.

Eins der Pilotprojekte dafür entsteht gerade in Bettemburg am „Institut de Formation Sectoriel du Bâtiment“ (iFSB) und beim Innovationszentrum für Bautechnologien „Neobuild“ und wurde gestern Morgen im Beisein von Energie- und Landesplanungsminister Claude Turmes (déi gréng) vorgestellt. Das Projekt „Greenhouses to Reduce CO2 on RooFs“ (GROOF) läuft seit 2017 und noch bis 2021 im Interreg-Förderprogramm Nord-West-Europa mit einem Gesamtbudget von 4,88 Millionen Euro, davon stammen 2,9 Millionen aus EU-Fonds.

CO2 um Pflanzen zu „füttern“

Es handelt sich um ein branchenübergreifendes Projekt, um CO2-Emissionen im Bau und in der Landwirtschaft zu reduzieren. Die Idee: die überschüssige Hitze aus den Häusern nutzen - etwa 30 Prozent geht im Durchschnitt über die Dächer verloren -, um Obst und Gemüse anzubauen. Da die Pflanzen auch CO2 zum Wachsen brauchen, soll das von den Menschen und dem Gebäude abgesonderte Gas dazu dienen, diese zu „füttern“. CO2-Einsparungen bekommt man indes durch die Reduzierung der Transportwege.

Wenn Obst und Gemüse auf dem Hausdach wachsen, braucht man sie nicht mehr heranzukarren. GROOF testet mit insgesamt elf Partnern über vier Pilotprojekte in Luxemburg, Deutschland, Belgien und Frankreich, welche Technologien am besten für das Vorhaben eingesetzt werden können und auf welche Hürden solche Projekte stoßen.

550 Quadratmeter-Gewächshaus am IFSB

Da wäre zum Beispiel mal die Baugenehmigung. Nicht leicht, eine solche zu bekommen für ein außergewöhnliches Projekt wie ein großes Gewächshaus von 550 Quadratmetern auf dem Dach des IFSB, das um die vier Meter hoch werden soll. Aber das Team um Direktor Bruno Renders ist zuversichtlich, in nächster Zukunft hier Fortschritte zu machen.

Das Innovationszentrum für den Bausektor hat bereits Erfahrung mit Gewächshäusern gesammelt. Seit 2014 steht auf dem Dach von „Neobuild“, das ansonsten mit unterschiedlichen Arten von Solarpanels bestückt ist, eine 55 Quadratmeter große Testanlage, in der Pflanzen etwa mittels Hydroponik gezogen werden. Bei dieser Technik wird völlig auf Erde verzichtet, stattdessen kommen künstliche Nährlösungen zum Einsatz. Das System unter einer Konstruktion aus spezieller Folie, das mit Abwärme aus dem Gebäude geheizt wird, setzt auf geschlossene Kreisläufe, das heißt Nährlösung und Wasser werden immer wieder verwendet. Auch verschiedene Substrate als Bodenersatz - etwa Kokosfiber - werden getestet.

Ob etwas, was im kleinen funktioniert, auch in einer größeren Anlage funktionieren kann, soll mit dem neuen Test-Gewächshaus geklärt werden, in das rund 600.000 bis 700.000 Euro investiert werden müssen.

Parallel entstehen weitere GROOF-Testanlagen im hessischen Bürstadt, auf einem Landwirtschaftsgut in Saint-Denis bei Paris und im belgischen Gembloux. Weshalb gleich vier Testprojekte?

Tests in verschiedenen Umfeldern

Weil die Anlagen auch in verschiedenen sozialen Umfeldern getestet werden und auch auf unterschiedlichen Gebäuden mit unterschiedlichen Technologien. Die Partner von GROOF stehen im regen Austausch miteinander. In Luxemburg wird das Interreg-Projekt vom „Conseil pour le Développement Economique de la Construction“ koordiniert.

Es geht also vor allem auch um den Austausch von Informationen und „best practices“. In diesem Sinne beinhaltet GROOF auch ein Coaching-Programm, in dem bis zu zehn Unternehmen geschult werden, wie man Gewächshäuser baut, umbaut und betreibt. Die Frist für eine Kandidatur zum Coaching läuft am 30. Juni aus. „Wir haben hier nicht nur eine ökologische und ökonomische Dimension“, erklärt IFSB-Direktor Bruno Renders, „sondern auch eine soziale, denn es geht auch darum die künftigen „green skills“ zu entwickeln, welche die Gesellschaft brauchen wird.“

Mehr: tinyurl.com/groofproject

Eine spezielle Folie wird eingesetzt, die keinen Schmutz ansetzt  - Lëtzebuerger Journal
Eine spezielle Folie wird eingesetzt, die keinen Schmutz ansetzt