Wie kleine Schüler behandelten die Lehrergewerkschaften ihre Kollegen, als sie ihnen in minutiösen Anleitungen vorschrieben, wie sie sich als Mitglieder der Examenskommission zu verhalten hätten: Schweigend vor dem Saal stehen, mit einigen Minuten Verzögerung vereint und unter Stillschweigen eintreten, einer verliest laut die Protestmitteilung, danach setzen oder stehen bleiben und zuhören, aber keinen Ton sagen. Man wolle stumm gegen die angedachten Sparmaßnahmen protestieren und werde das Timing der Examensvorbereitung stören, aber die Examen nicht boykottieren - wohlweislich, dass es illegal wäre. Schließlich hatte der Minister den Antrag der Lehrer auf Entlassung aus den Examenskommissionen ja abgelehnt.
Juristisch bewegt sich die Lehrerschaft auf hauchdünnem Eis, zumal für manche Lehrer die Anweisungen noch nicht verständlich genug waren und sie die Kommissionssitzungen doch boykottierten. Als leuchtendes Vorbild in einem demokratischen System, das unter anderem politische Bildung vermitteln soll ist die Lehrerschaft längst eingebrochen.
Was lernen die Schüler aus dem Lehrerprotest über die Regeln eines demokratischen Rechtsstaats? Man darf ungestraft Dritte, sogar wenn man ihnen gegenüber eine besondere Sorgfaltspflicht hat, instrumentalisieren, um seine ureigenen Besitzstände zu verteidigen. Im Machtkampf mit dem Arbeitgeber ist alles erlaubt. Was lernen sie über Sozialpartnerschaft? Sogar wenn eine Berufsgruppe sich gewerkschaftlich organisiert hat, um ihre Interessen zu verteidigen, so kann ihre Repräsentativität jederzeit willkürlich in Frage gestellt werden. Es können plötzlich Gruppen ohne Mandat, wie die „Comités des professeurs“ auftauchen und die Verhandlungen torpedieren. Unglücklich genug, dass drei ganz unterschiedlich von moderat bis radikal ausgerichtete Gewerkschaften am Tisch sitzen, wer im Moment überhaupt welches Mandat als repräsentative Gewerkschaft hat, mit wem der Minister noch verlässlich verhandeln kann, ist völlig ungewiss.
Was lernen die Schüler über Sozialkonflikte? Regeln braucht man nicht einzuhalten. An Prozeduren, wie Verhandlungsphase, Scheitern, Schlichtungsphase, Scheitern, Protestaktionen braucht man sich nicht zu halten. Wozu Dialog, wenn man doch gleich Zeichen für seine unumstößliche Haltung setzen kann? Und schließlich: Was lernen Schüler über Diskussionskultur? Wir hatten ein Abkommen, wir hatten kein Abkommen - offensichtlich saß man zusammen, aber auf was man sich schlussendlich einigte, kann hinterher nicht festgestellt werden. Nett ausgedrückt. Nicht so nett ausgedrückt: Lügen ist kein Problem, wenn es meiner Sache dient.
Es gibt viele Gruppen, auch ganze Berufsstände, die von Sparmaßnahmen betroffen sind. Ein solches Hickhack, eine solche Aufgeregtheit, ja geradezu Hysterie hat kein anderer fertig gebracht.
Erpressung, Willkür, Sprunghaftigkeit, Unzuverlässigkeit, Fundamentalopposition: Lasst doch endlich die Schüler und ihre Examen aus dem Spiel und verhaltet Euch pädagogisch wertvoll!



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