KLEINBETTINGEN
CLAUDE KARGER

Insgesamt durchschnittliche Ernte 2019 - Wetter macht Pflanzen zu schaffen - Absatzpreise niedrig

Wird die luxemburgische Landwirtschaft sich auf Dauer auf Hitzewellen und Wassermangel einstellen müssen? Auf jeden Fall waren die letzten beiden Jahre geprägt von hohen Temperaturen und Trockenheit, die der Pflanzenproduktion sehr zusetzte, wie gestern Morgen bei den traditionellen „Erntegesprächen“ zum Abschluss des „Karschnatz“ zu erfahren war. Obwohl die Getreideernte kein einheitliches Bild bot - Wetterkapriolen zogen sie im Norden in die Länge, während der Osten besonders stark unter der Hitze litt - bezeichneten die Experten gestern morgen beim Rendezvous in der Mühle in Kleinbettingen den Ertrag als insgesamt „zufriedenstellend“.

Raps leidet

Während die Mais- und Kartoffelernten noch laufen und demnach noch kein genaueres Bild zu den Erträgen gezeichnet werden kann, hat der Raps bereits zum zweiten Jahr in Folge beim Ertrag enttäuscht. Die Energiepflanze komme mit den hohen Temperaturen nicht klar, erklärte Klaus Palzkill, Vorstandsmitglied der genossenschaftlichen „Verband“-Gruppe. Außerdem werde der Rapsanbau wegen niedriger Absatzpreise immer weniger attraktiv für die Landwirte. Ferner würde Europa massiv Soja- und Palmöl importieren. „Da hat Rapsöl kaum eine Chance“, sagte Palzkill, der die Pflanze als wichtige Alternative zum Getreideanbau bezeichnete. Sie sei nicht nur ein Eiweißlieferant für die Viehzucht; ein Hektar Raps ergebe auch zwischen 50 und 100 Kilo Honig.

Doch die Anbauflächen für Raps schwinden wegen der oben angeführten Ursachen; von insgesamt rund 4.500 Hektar 2010 auf heute etwa 3.500 Hektar.

Preise im „freien Fall“

Auch die Futterweizenpreise würden sich „im freien Fall“ befinden. Erreichte der Preis pro Doppelzentner im Frühjahr noch um die 19 Euro, so sind es derzeit etwa 15. Eine Differenz, die sich negativ auf die Rentabilität der landwirtschaftlichen Betriebe auswirkt.

Dass sich „längerfristig viele Fragen für die Landwirtschaft stellen“, wie Ressortminister Romain Schneider zum Abschluss meinte, liegt also auf der Hand. „Vor allem im Bereich der Forschung an Getreidesorten, die sich den Klimaveränderungen anpassen, müssen wir weiter kommen“, meinte der LSAP-Politiker, der die Qualität bei der Lebensmittelproduktion im Großherzogtum lobte.

„Die Qualität ist hoch, stellen wir sie in die Vitrine“, sagte Schneider, der sich auf Nachfrage noch einmal das Bestreben der Regierung bestätigte, darauf hinzuwirken, dass bis 2025 20 Prozent der Agrar-Anbaufläche nach den Kriterien der biologischen Landwirtschaft bewirtschaftet werden. „Wir sind auf dem guten Weg“, meinte der Minister, der kürzlich vom „Fräie Lëtzebuerger Bauereverband“ unter anderem dafür kritisiert wurde, das Ziel ohne Diskussion mit den Betroffenen zu diskutieren. Schneider sprach von einem neuen „Bioaktionsplan“, für den sämtliche Bemerkungen Betroffener in Betracht gezogen würden. Außerdem soll es mehr und neue budgetäre Mittel geben, um die Landwirtschaft bei der Erfüllung der 20-Prozent-Vorgabe zu unterstützen.

20 Jahre Label „Produit du terroir“

Auf jeden Fall sei die Qualität der Lebensmittel entscheidend für den Erfolg auf den Märkten. Das haben vor 20 Jahren „eine Handvoll Bauern und Bäcker“ erkannt, als sie das Label „Produit du terroir - Lëtzebuerger Wees, Miel & Brout“ gründeten, wie sich „Moulins de Kleinbettingen“-Direktor Jean Muller erinnerte.

Ziel dieser Initiative ist es, regionale Produkte aus nachhaltiger Herstellung anzubieten. Mittlerweile arbeitet die Kleinbettinger Mühle bereits mit rund 250 lokalen Bauern zusammen, die im Durchschnitt rund 18.000 Tonnen Weizen für regional hergestelltes Mehl auf 3.100 Hektar ernteten. Die Qualität des Weizens sei wesentlich, denn sie bedingt die Qualität des Mehls und somit auch der Backwaren, die später daraus hergestellt werden. „Hat der Weizen mehr Proteine, wird das Brot später luftiger und schmackhafter“, erklärte Muller, dessen Unternehmen in diesem Jahr zum ersten Mal eine Konvention mit der „Bio-Bauere-Genossenschaft Lëtzebuerg“ abgeschlossen hat. Rund 350 Tonnen Bioweizen wurden im Rahmen dieser Zusammenarbeit von der Kleinbettinger Mühle verarbeitet.