LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Urlaubsrückkehrer, Bau, Saisonarbeiter: angepasste Corona-Teststrategie über den Sommer

Nach den Erkenntnissen der vergangenen Wochen und unter Berücksichtigung der Urlaubszeit verlagert sich die luxemburgische Teststrategie. So will die Regierung zum Ende des Kollektivurlaubs verstärkt im Bausektor testen. Nach Angaben von Gesundheitsministerin  Paulette Lenert (LSAP) werden die Unternehmen zu diesem Zweck Test-Voucher mit Codenummern erhalten, die sie an ihre Mitarbeiter verteilen können. Über den Zeitraum von mehreren Wochen - die Voucher sollen in zwei Phasen verteilt werden -  soll ein möglich vollständiges Bild entstehen. Bereits jetzt seien eine „ganze Reihe“ an Test-Einladungen an Beschäftigte des Bau- und Reinigungssektors verschickt worden. Über den Verlauf der vergangenen Woche wurden weitere Cluster in fünf Bauunternehmen festgestellt. Cluster bedeutet in dem Fall, dass mindestens drei positiv Getestete in demselben Betrieb arbeiten, nicht aber, dass sie sich auch zwangsläufig dort angesteckt haben. Die Cluster-Einordnung erlaubt es der „Santé“, das Risiko von weiteren Infektionen in den jeweiligen Unternehmen zu überwachen.
Verstärkt getestet werden sollen ebenfalls Rückkehrer aus dem Urlaub. Lenert kündigte eine „verstärkte Präsenz“ am Flughafen an. Studenten wurden rekrutiert, um Passagiere darüber aufzuklären, warum sie sich einem Covid-Test unterziehen sollen. Die Test-Bereitschaft am Flughafen steigt derweil, wenngleich sie überschaubar bleibt. Lag sie anfangs bei zehn Prozent, ließen inzwischen 15 Prozent einen Rachenabstrich vornehmen. 31 positive Fälle habe man auf diese Weise in der vergangenen Woche identifizieren können.

Engmaschigeres Testen bei Familien im Süden

Im Süden des Landes werden zudem die Haushalte stärker unter die Lupe genommen. In den Südgemeinden wurden in den vergangenen Wochen im Verhältnis die meisten Neuinfektionen registriert. Das Coronavirus werde in den meisten Fällen im familiären Umfeld oder Freundeskreis übertragen, wo die Barrieregesten nicht eingehalten werden.  In rund 200 Fällen sei die Übertragung des Coronavirus innerhalb der Familie erfolgt. Lenert erinnerte daran, dass es nicht ausreicht, am Arbeitsplatz Abstand zu halten und Hände regelmäßig zu waschen, wenn morgens in der Fahrgemeinschaft die Maske nicht aufsitzt oder beim Mittagessen oder bei der Feierabendzigarette die physische Distanzierung nicht eingehalten wird.

In der vergangenen Woche (20. bis 26. Juli) wurden rund 82.900 Tests durchgeführt, etwas weniger als in der Vorwoche (13. bis 19. Juli: 95.427). 695 mit dem Coronavirus Infizierte konnten so ausfindig gemacht werden. Die Positivitätsrate, also der Prozentsatz der positiven Tests, beträgt 0,83 Prozent und ist damit leicht höher als in der Vorwoche (0,72 Prozent), aber immer noch „vergleichsweise niedrig“ im Verhältnis zu anderen Staaten, wie Lenert bemerkte. Die LSAP-Ministerin bedauerte, dass die luxemburgischen Infektionszahlen im Ausland nicht im Verhältnis zur Mortalitäts- oder Positivitätsrate betrachtet werden. Die Regierung sei bemüht, das immer wieder zu erklären. „Wir glauben an unsere Teststrategie“, sagte sie. Ziel sei es, „präventiv zu handeln“. Auch andere Länder seien dabei, ihre Testkapazitäten hochzufahren. Im Großherzogtum konnten in der vergangenen Woche zwölf Prozent der positiv Getesteten über die großangelegte Testkampagne identifiziert werden. 72 Prozent des Testvolumens entfallen auf das „Large Scale Testing“. Auch Personen mit Symptomen werden bisweilen über die breite Kampagne ermittelt.  Sie zeigten in der Regel nur schwache Symptome.

242 von den 695 Fällen insgesamt gehen auf eine ärztliche „ordonnance“ zurück, 334 auf das Contact Tracing. Die Zahl der aktiven Infektionen steigt von 1.065 auf 1.382. Insgesamt gibt die Entwicklung der Infektionszahlen der Regierung weder Anlass zur Freude, noch zur Panik. Auf dem wöchentlichen Briefing sprach die Ministerin gestern von „ähnlichen Tendenzen“ oder einem „leichen Anstieg“, ohne deswegen für „Beunruhigung“ zu sorgen. Etwas mehr Aufnahmen von Patienten in den Krankenhäusern (33) wurden im Vergleich zur Vorwoche festgestellt (24).

Die Kontaktnachverfolgung bezeichnete Lenert als „nicht einfach“. Das Tracing von rund 3.500 Kontakten habe aber gemeistert werden können.

Lenert erwähnte kurz auch eine mögliche Teststrategie mit Blick auf die kommende „Rentrée“. Die Regierung wartet derzeit noch eine für Mitte August erwartete Studie ab. Daraufhin soll eine Strategie für den Schulstart definiert werden.