LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Fünf Schülerinnen aus Luxemburg erlebten in Florida, wie Seekühe wissenschaftlich begleitet werden

Das Wasser ist lauwarm und angenehm. Hier am „Crystal Spring“ in Florida kommt eine heiße Quelle mit Süßwasser aus dem Boden, das sich mit dem Meerwasser vermischt. Es ist nicht besonders tief. Livia Gavard genießt die angenehme Temperatur. Die 17-jährige Schülerin des Lycée Aline Mayrisch trägt einen Taucheranzug und eine Schnorchelmaske. Sie schwimmt unentschlossen durch das lauwarme Wasser, als sich der graue Grund unter ihr bewegt. Erst hält sie einen Moment inne. Das, was da unter ihr schwimmt, ist kein kleiner Fisch. Das Tier misst rund drei Meter und wiegt bis zu 600 Kilo; ein riesiger, Respekt einflößender Koloss. „Endlich! Eine Seekuh!“ denkt Livia nach dem ersten Schreck. Dafür ist sie hergekommen.

Die Luxemburgerin erlebt mit fünf anderen Schülerinnen ihrer Heimat ein ganz besonderes Praktikum: Eine Woche lang Rundschwanzseekühe in Florida beobachten und vermessen. Organisiert wird es von Pierre Gallego. Der auf Meerestiere spezialisierte Tierarzt führt seit zehn Jahren über seinen Verein „Odyssea“ solche Reisen durch. „Als Student hatte ich große Probleme, selbst Praktika zu finden“, berichtet er. Vor allem aber kann er mit seinem Verein auch seine Begeisterung für das Meer weitergeben.

Livia findet die Idee toll. Sie kennt Gallego, weil er an ihrer Schule im vergangenen Jahr ein Praktikum zur Beobachtung von Delfinen und Walen in Spanien durchgeführt hat. „Das fand ich so toll, dass ich wieder mitfahren wollte.“ Die anderen Teilnehmerinnen kommen vom Lycée Michel Rodange.

Eine Woche lang sind die Schülerinnen in Florida. Morgens fahren sie mit dem Kajak zum Crystal River. „Seekühe sind sehr temperaturempfindlich. Im Winter kommen sie hierher, weil es schön warm ist“, erklärt Livia. Drei heiße Quellen sorgen dafür, dass das klare Wasser des Naturschutzgebietes 21 Grad warm ist.

Längst hat sich Livia vom ersten Schreck erholt. „Die Seekühe sind sehr zutraulich. Sie schwimmen auf einen zu, drehen sich auf den Rücken und wollen am Bauch gekrault werden - wie meine Katze!“ Angst vor den Pflanzenfressern hat sie längst nicht mehr.

Seekühe sind gefährdet, vor allem, weil Motorboote die Tiere, die das Wasser nie verlassen, leicht verletzen. Gemeinsam mit der Universität fangen die Schülerinnen Tiere, wiegen sie und nehmen Blutproben oder führen Tests durch. „Mit den Mitarbeitern der Universität Florida zu diskutieren ist super“, meint Livia.

Sie interessiert sich ohnehin für Biologie und Naturwissenschaften. „Im Sommer will ich mit Odyssea nach Spanien oder Ecuador“, sagt sie. Für Florida muss Livia noch fünf Präsentationen in verschiedenen Schulen vorbereiten. Dazu hat sie sich verpflichtet.

Denn ihr Praktikum, das eigentlich 3.200 Euro kostet, wird vom Service National de la Jeunesse (SNJ) gefördert. So musste sie nur 1.400 Euro zahlen. Dafür wird sie ihre Erfahrung an andere Schüler weitergeben. Für das Praktikum muss man mindestens 16 Jahre alt sein und schwimmen können.

Für Livia war das Praktikum eine Entscheidungshilfe. „Beruflich will auf jeden Fall in die Richtung“, sagt sie.