LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Ein Erfahrungsbericht

Der Sommer lädt dazu ein, sich mit einem Cocktail entspannt an den Strand zu legen, dem Wellenrauschen zuzuhören, im kühlen Sand friedlich einzunicken und erst wieder aufzuwachen, wenn die Ferien vorbei sind. Doch leider geht das nicht, hat man sich doch womöglich schon vor einigen Monaten einen Praktikumsplatz organisiert und genau davon soll folgender persönlicher Erfahrungsbericht handeln.

Wissenswertes vor der Bewerbung

Zunächst sollte man sich Gedanken über die Berufssparte machen. Es bietet sich an, mehrere Einrichtungen dieses Bereichs zu kontaktieren, weil Praktikumsplätze rar gesät sind und es sogar vorkommen kann, dass eine Firma grundsätzlich keine Praktikanten annimmt. Um die Chancen zu erhöhen, ist es immer gut, zeitlich flexibel zu sein. Manche Perioden können für einige Jobs zudem günstiger sein als andere. So ist es beispielsweise interessanter, im Herbst Zeitungsluft zu schnuppern, wenn das „Sommerloch“ vorbei ist. Auch sollte man sich bewusst sein, dass manche Firmen selbst vom Praktikanten schon erste praktische Erfahrung verlangen. Selbst wenn das nicht der Fall ist, kann das Praktikum nach den jeweiligen Grundkenntnissen ausgerichtet werden, so dass einem andere, anspruchsvollere Aufgaben zuteilwerden.

Keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung

Der konkrete Ablauf hängt sehr stark vom jeweiligen Arbeitgeber ab. Manche vermitteln direkt klare Aufgabenstellungen, andere lassen dies zunächst offen.

Offen ist auch schon ein gutes Stichwort, denn das sollte der Praktikant auf jeden Fall sein. Er muss auf andere zugehen und Fragen stellen. Dafür ist das Praktikum schließlich da, und es ist nicht immer so, dass der Chef oder die Angestellten von sich aus auf einen zukommen. Er muss sich - und das ist das Wichtigste, das ich weitergeben möchte - darauf einstellen, auch mal auf sich gestellt zu sein. Oft ist nämlich der Wille seitens der Arbeitgeber da, Praktikanten aufzunehmen, aber nicht unbedingt die Zeit. Wer erwartet, rund um die Uhr betreut zu werden, muss seine Erwartungen etwas zurückschrauben.

Ich wurde bisher zwar an jeder Arbeitsstelle ermutigt, mich zu melden, falls ich keine Beschäftigung haben sollte, wurde dennoch manchmal vertröstet, man würde sich später um mich kümmern, und so habe ich bei meinem vorletzten Praktikum beim Radio mehrere Stunden am Tag frustriert meine Zeit mit einem Buch abgesessen. Es ist nicht so, dass ich nicht öfter um Beschäftigung gebeten hätte. Aber man muss ein Gespür dafür haben, wann das wirklich angebracht ist und die Balance finden zwischen der Tatsache, kein Interesse zu zeigen und der, aufdringlich zu sein, und das fand ich immer sehr schwierig.

Nicht immer rosig

Ich muss dem entsprechenden Radiosender zu Gute halten, dass er viele Praktikanten aufnimmt und ihnen so die Möglichkeit bietet, erste Erfahrungen zu sammeln. Das ist zwar löblich, aber womöglich wäre es sinnvoller, weniger Plätze zu vergeben und sich dafür intensiver mit jedem einzelnen zu befassen.

Eine kleine persönliche Enttäuschung war dieses Praktikum für mich aber auch deshalb, weil ich mir gewünscht hätte, zumindest ein einziges Mal meine Stimme im Radio zu hören. Ich nahm zwar einmal etwas im Studio auf, es dauerte über eine ganze Woche, bis jemand sich das anhörte, und mir das ernüchternde Feedback gab, es sei nicht hoffnungslos, aber man würde mindestens noch vier Wochen brauchen, damit das radioreif klingen würde, das bekäme man jetzt in der verbliebenen Woche nicht mehr hin so mit mir.

Überfachliche Erkenntnisse

Von anderen Praktika habe ich zum Glück weitaus Positiveres zu berichten, so zum Beispiel von dem bei der Zeitung und im Verlag. Dort wurde ich sehr viel mehr eingebunden und hatte das Gefühl, einen ähnlichen Arbeitsalltag zu haben, wie alle „normalen“ Angestellten, und nur so kann man sich meiner Ansicht nach wirklich ein Bild von dem Job machen.

Ich lernte viel dazu, nicht nur fachlich, sondern auch darüber hinaus, man gab mir Anerkennung für meine Mühe und legte Wert auf meine Meinung, was ich sehr zu schätzen weiß.

Was ich zudem immer ganz aufschlussreich fand, war, zu beobachten, wie der Umgang untereinander war, wer mit wem gut auskam, und selbst ein bisschen vom „Beschass“ drang zu mir durch, aber ein „liebevoller Beschass“, denn es herrschte eine sehr familiäre Atmosphäre vor, in der ich mich direkt wohl fühlte. Einmal fand ich es zugegebenermaßen etwas zu familiär, als mich ein Mann mittleren Alters einladen wollte, mit ihm vor seinem Kamin ein Glas Rotwein zu trinken. Aber was soll’s, auch das bereitet einen nur darauf vor, was einen später im Job alles erwarten kann …

Persönliches Fazit

Der kleine Haken bei der Sache ist letztlich eigentlich nur der, dass Praktikanten grundsätzlich nicht entlohnt werden und das, obwohl die Tätigkeit durchaus mit Unkosten verbunden ist: Mittagessen, Hin- und Rückfahrt, mögliche Fahrten während der Arbeitszeit und so weiter. Allerdings wird man tausendfach dafür entschädigt, denn ich ging zwar nie mit vollen Taschen nach Hause, dafür aber mit neuen Kenntnissen und dem guten Gefühl, zu wissen, wo ich mich später sehe und was ich machen möchte, sowie neuen Kontakten und der Möglichkeit, mich neben dem Studium weiter beruflich zu betätigen.

Schlussfolgernd würde ich ein Praktikum auf jeden Fall jedem empfehlen, der nicht nur Kopien und Kaffee machen möchte, sondern wirklich etwas dazulernen will. Mein erstes Praktikum in der Zeitungsredaktion hat mein Leben zum Positiven verändert, und ich bin äußerst dankbar dafür.