LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Welches Fahrrad sich für eine längere Reise eignet, weiß Weltumradler Yannis Bastian

Am 1. September 2014 stieg der damals 30-jährige Yannis Bastian in Berburg auf sein Fahrrad und radelte mit vollbepackten Taschen los. Zweieinhalb Jahre später hatte er alle fünf Kontinente durchquert, 37 Länder bereist und insgesamt 32.187 Kilometer zurückgelegt. Bevor der junge Mann über eine solche Weltreise nachdachte, hatte er mit dem Radfahren übrigens relativ wenig am Hut. „Ich bin kein großer Radfahrer“, hatte er vor seiner Abreise in einem Interview mit dem „Journal“ zugegeben. „Wenn man eine derart weite Reise unternimmt, kommt das mit dem Radfahren irgendwann von ganz alleine“, zeigte er sich damals zuversichtlich. Eine übertriebene, sportliche Vorbereitung hielt er deshalb nicht für notwendig. Unerlässlich war aber, sich intensiv mit der Auswahl des richtigen fahrbaren Untersatzes auseinanderzusetzen. Auf was es dabei ankommt, hat er uns im Detail erklärt.

Reiserad muss großen Belastungen standhalten

„Ich war mir bewusst, dass ich ein zuverlässiges, robustes Fahrrad bräuchte. Da ich aber kein Radfahrer bin und mich auch nicht wirklich auskenne, habe ich mich erst einmal in das Thema ,Reiserad‘ eingelesen“, sagt Yannis. Anders als bei Straßenrädern oder Mountainbikes stehe nicht das Gewicht oder die Federung im Mittelpunkt. Ein Reiserad müsse vor allem großen Belastungen standhalten. „Das beginnt beim Fahrradrahmen. Ich habe mich für einen aus Stahl entschieden, da dieser - im Falle eines Bruchs - leicht wieder zusammengeschweißt werden kann, auch wenn dies den Nachteil hat, dass das Rad dadurch gleich ein paar Kilo schwerer wird. Ich habe mich schließlich für ein Modell der deutschen Marke ,Terra‘ - ,Patria Terra‘ heißt es - entschlossen“, fährt er fort.

Unbequem auf den ersten Blick

Ganz wichtig ist natürlich der Sattel, schließlich verbringt man viele Stunden darauf. „Mein Sattel (Marke ,Brooks‘) macht auf den ersten Blick einen äußerst unbequemen Eindruck. In der Tat ist er aus ziemlich hartem Leder und führte während der ersten Wochen dann auch sehr oft zu einem schmerzhaften Po. Nach rund 5.000 Kilometern war der Sattel dann ,eingefahren‘, und nachdem er die Form meines Hinterteils angenommen hatte, war es der gemütlichste Sattel überhaupt. Vor allem wird mit einem solchen Teil - im Gegensatz zu den ,gemütlicheren‘ Polstersatteln - vermieden, dass die Beine einschlafen, und die Knie schmerzen weniger schnell“, erfahren wir.

Wohlüberlegte Reifengröße

Was die Reifen anbelangt, so gibt es laut Yannis Bastian ein „Königsmodell“: „Marathon Mondial“ der Marke „Schwalbe“. Dieser Reifen sei fast nicht plattzukriegen. „Von Kolumbien zurück nach Luxemburg hatte ich nur einen Platten, und das war meine eigene Schuld, weil ich geradewegs durch stachelige Hecken gefahren bin“, lacht er. Auch über den Reifenumfang galt es sich eingehend Gedanken zu machen. „26, 28 oder 29 Zoll standen zur Auswahl. Ich war kurz davor, mich für 29 Zoll zu entscheiden, weil das ein ruhigeres, gemütlicheres Fahren bedeutet. Dann habe ich aber in verschiedenen Videos gesehen, dass in Istanbul anscheinend fast nur 26-Zoll-Reifen im Handel erhältlich sind, 29 Zoll wäre demnach keine gute Option gewesen, hätte ich dort ein Problem gehabt. 26 Zoll sind dagegen weltweit erhältlich“, bemerkt der Aussteiger auf Zeit.

Hydraulik- statt Scheibenbremsen

Nach der gleichen Überlegung habe er die Bremsen ausgewählt: „Viele Radler fahren mit Scheibenbremsen. Zweifelsohne sind sie reaktiver, und der Bremsweg ist extrem kurz. Da ich aber zum einen befürchtete, nirgends Ersatzteile zu finden, beziehungsweise davon ausging, dass man nicht überall wissen würde, wie man solche Bremsen repariert und ich noch dazu der Meinung war, für meine Bedürfnisse keine solchen Bremsen - normalerweise werden sie für Mountainbikes genutzt - brauchen würde, habe ich mich für Hydraulikbremsen der Marke ,Magura‘ entschieden. Damit hatte ich auch nie ein Problem. Nur ein einziges Mal, ganz unten in Patagonien, haben sie mich im Stich gelassen, weil die Bremsbacken abgenutzt waren und ich versäumt hatte, sie zu wechseln.“

„Auch das Dynamo (,Son 28‘) ist für eine solche Reise natürlich sehr wichtig - vor allem in abgelegenen Gegenden ist es gut, wenn man sein Handy/Navigationsgerät über das Fahrraddynamo aufladen kann. Außerdem funktionierte auch mein Vorderlicht über das Dynamo“, bemerkt Yannis.

„Versteckte“ 14 Gänge

„Was mein Fahrrad etwas spezieller macht, ist seine Gangschaltung. Ich hatte von der Nabenschaltung der Marke ,Rohloff‘ gehört: Alle Gänge befinden sich in der Fahrradnabe, sodass kein Schlamm, Wasser, Sand oder Schnee rankommt. Der Hersteller ,Rohloff‘ verspricht, dass seine Gangschaltung (14 Gänge) ein Leben lang hält. Alle 5.000 Kilometer muss nur das Öl darin gewechselt werden. Der positive Nebeneffekt war, dass die ,versteckten‘ Gänge dazu führten, dass mein Fahrrad für potenzielle Diebe uninteressant war, weil sie davon ausgingen, es hätte nur einen Gang“, gibt der junge Mann zu bedenken.

Das komplette Reiserad habe er dann über Internet bei der Firma ,Patria‘ zusammengestellt. Jede einzelne Komponente könne man so je nach seinen Bedürfnissen auswählen.

Robuste Packtaschen

„Auch für das Material habe ich sehr viele Magazine gelesen und Reiseblogs verglichen, um mir ein Bild davon machen zu können, was ich alles bräuchte und welche Marken sich am besten eignen würden“, erzählt Yannis. Zu den wichtigsten Dingen zählten natürlich die Packtaschen. Dazu Yannis‘ Empfehlung: „Die Taschen der Firma „Ortlieb“ sind robust und wasserdicht und können mit wegen des einfachen Systems schnell vom Fahrrad genommen werden“.

Klick-Pedalen, Rückspiegel und Kilometerzähler

„Auf was ich außerdem rückblickend bei meiner Reise nicht hätte verzichten wollen, sind die Klick-Pedalen - sie machen das Radfahren um einiges angenehmer, vor allem in den Bergen. Auch den Rückspiegel finde ich sehr wichtig, da der Verkehr oft ganz furchtbar ist und der Radfahrer dabei immer das Nachsehen hat. Aufgefallen ist mir außerdem, dass der Kilometerzähler von großer Wichtigkeit ist. Vor allem in Australien, wo das Fahren sehr langweilig war, konnte ich mir meine Tage dadurch gut einteilen und mir eigene kleine ,Challenges‘ setzen“, berichtet Yannis.