LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Regierung macht Weg zur Unterstützung der Opfer frei - Helfer aus dem Saarland im Einsatz

Das Aufräumen im Südwesten des Landes geht voran. Der Krisenstab der Regierung hat gestern Morgen unter Vorsitz von Innenministerin Taina Bofferding getagt. Gemeinsam mit den Gemeindevertretern, dem Petinger Bürgermeister Pierre Mellina und Frank Pirotte, Schöffe von Käerjeng, ging es darum den aktuellen Stand der Dinge zu klären und Entscheidungen über weitergehende Maßnahmen in den nächsten Tagen zu treffen.

Das großherzogliche Rettungskorps CGDIS findet sich seit Freitagabend im Dauereinsatz, aktuell waren gestern noch 100 Mitglieder des CGDIS an den Aufräum- und Sicherungsarbeiten beteiligt. Unterstützt werden sie weiterhin von Kräften der Armee. Nach einem Hilfeersuchen des CGDIS beteiligen sich seit gestern auch Mitglieder des deutschen Technischen Hilfswerks (THW) am Einsatz im Katastrophengebiet in Käerjeng und Petingen.

Dazu teilte die Deutschen Botschaft gestern mit: „Am Sonntagabend erreichte das THW ein offizielles Hilfeersuchen aus Luxemburg, Unterstützung bei der Bewältigung der Tornado-Schäden zu leisten. Heute Morgen haben 81 THW-Ehrenamtliche aus elf Ortsverbänden - vorwiegend aus dem angrenzenden Saarland - ihren Einsatz in Luxemburg begonnen. In kleinen Teams von bis zu fünf Einsatzkräften unterstützen sie die luxemburgischen Einsatzstellen dabei, die teils schwer beschädigten Dächer zu reparieren. Zu jedem Team gehört eine Baufachberaterin oder ein Baufachberater, die/ der Einsatzstellen analysieren und Risiken abschätzen kann - beispielsweise ob ein Gebäude einsturzgefährdet ist.“

Das Wetter sorgt für Eile

Vor allem geht es darum bei der nun herrschenden schlechten Witterung die betroffenen Gebäude so schnell wie möglich regendicht zu machen und vor Sturmböen zu schützen. Die Bevölkerung soll auf jeden Fall die Wetterentwicklung im Auge behalten und sich regelmäßig via www.meteolux.lu informieren.

Aufgrund der Rettungs- und Sicherungsarbeiten ist die Verkehrssituation in den betroffenen Gemeinden weiterhin sehr schwierig. Der Krisenstab appelliert an Ortsfremde das Katastrophengebiet zu meiden und verweist ausdrücklich auf die höhere Wachsamkeit der Polizei in diesen Bereich. Angesichts der beginnenden Arbeiten zum Wiederaufbau, erging auch eine dringende Warnung sich von den umgestürzten Strommasten und zerstörten Stromleitungen fern zu halten.

Die Notrufnummer 112 ist - was eigentlich logisch sein sollte - Notrufen vorbehalten. Auskünfte und Antworten rund um die Katastrophe erhalten Betroffene unter der Hotline (+352) 8002 8002. Die Gemeinden Petingen und Käerjeng haben eigene Hotlines für ihre Bürger eingerichtet. Für Petingen ist es die Nummer 50 12 51-2222, für Käerjeng die 621 455 716. Der Krisenstab weist auch darauf hin, dass eine psychologische Unterstützung für traumatisierte Opfer des Tornados über die Hotline angefragt werden kann.

Die Kunden des Gasversorgers Sudgaz, werden dringend dazu aufgefordert ihre Anschlüsse nicht selbst wieder in Betrieb zu nehmen, sie sollen die Hilfe eines Experten abwarten. Auch bei Sudgaz gibt es eine entsprechende Hotline: 55 66 55 75.

Aber mit dem Aufräumen allein ist es nicht getan. Viele Hausbesitzer und Firmeninhaber stellen sich natürlich die Frage: „Wie geht es weiter nach der Naturkatastrophe?“

Hilfe für Firmen

In Bezug auf die durch den Tornado hervorgerufenen Schäden weist Wirtschaftsminister Etienne Schneider darauf hin, dass es auch finanzielle Hilfen für Unternehmen gibt, die von Naturkatastrophen betroffen sind. Der Regierungsrat habe am Samstag noch einmal bekräftigt, dass es sich bei dem Tornado um ein Schadensereignis handelt, dass alle Voraussetzungen für staatliche Hilfeleistungen erfüllt. Hilfen werden an Klein- und Mittelunternehmen (PME/KMU) ausgezahlt, die unmittelbar vom Tornado betroffen sind.

Auskünfte und Hilfe erhält man zu den Bürostunden unter 247-74 704 oder unter info.aide.pme[at]eco.etat.lu. Direkte Informationen und auch online-Formulare für Anträge auf Hilfeleistung finden sich auf tinyurl.com/Firmenhilfe

Finanzielle Hilfe für Privatpersonen

Das Unwetter vom Freitag erfüllt auch die Voraussetzungen dafür, dass Privatpersonen finanzielle Hilfe des Staates in Anspruch nehmen können. Laut „guichet.lu“ handelt es sich dabei um „eine solidarische Hilfe für private Haushalte, deren wirtschaftliche Lage infolge einer Naturkatastrophe bedroht ist.

Sie ist als finanzielle Beihilfe zur Begleichung unbedingt notwendiger Instandsetzungs- und Anschaffungskosten bezüglich des Hauptwohnsitzes gedacht. Sie richtet sich an die Opfer, deren Hauptwohnsitz sich am Ort der Naturkatastrophe befindet und deren wirtschaftliche Lage bedroht ist. Die Anträge müssen spätestens bis zum 1. November 2019 eingereicht werden.“

Unter tinyurl.com/Privatpersonenhilfe finden sich Details und Antragsformulare.

Informationsversammlung In Lamadelaine

Heute Abend gibt es um 18.00 in Lamadelaine, im „Centre de loisirs“ in der rue Grousswiss, eine Informationsversammlung von Familienministerin Corinne Cahen und dem Schöffenrat von Petingen. Sie richtet sich an Bürger die vom Tornado am 9. August geschädigt wurden und informiert über staatliche Hilfen für die Opfer.