LUXEMBURG
SVEN WOHL

Die Sammlung „Super Mario All-Stars“ poliert Klassiker auf

Es gab einmal eine Zeit, da war eine Retro-Sammlung eine brandneue, sogar bahnbrechende Idee. 1993 etwa überraschte Nintendo die Videospielwelt mit „Super Mario All-Stars“, einer extravaganten Sammlung der NES-„Super Mario Bros.“-Spiele, welche für die 16-Bit-Konsole, dem Super Nintendo, neu aufgelegt worden. Man beließ es jedoch nicht bei einer simplen Portierung, sondern verpasste den bereits damals schon als Klassikern geltenden Titeln einen neuen Anstrich.

Dauerhaft hübsch

Dass dahinter ein gewisser Aufwand steckt, macht sich relativ schnell bemerkbar. Wo einst statische, einfarbige Hintergründe dominierten, scrollen nun Parallax-Ebenen, wie es sich für ein 16-Bit-Spiel gehört. Die erweiterte Farbpalette und höhere Auflösung erlaubten es den Künstlern, mehr von der Spielwelt zu zeigen. Musikalisch tut sich auch einiges, da der Soundchip doch mehr drauf hat, als das 8-Bit-Gedüdel des NES. Die Neufassungen mögen nicht nach jedermanns Geschmack sein, doch immerhin hat man sich möglichst Mühe gegeben, nahe an der Vorlage zu bleiben. Beim Gameplay wurde vor allem an den Details gearbeitet. Und auch wenn nicht das Effektfeuerwerk eines Super Mario World losgelassen wurde – der Titel diente schließlich dazu, die Fähigkeiten der gerade gestarteten 16-Bit-Konsole zu demonstrieren – ist das immer noch ganz anschaulich. Starke, kontrastreiche Farben gepaart mit gutem Design: Eine Kombination, die die Zeit überdauert.
Das Paket begnügte sich nicht mit dem Überarbeiten bereits bekannter Spiele, sondern wartete mit einem Leckerbissen auf. Hinter den „The Lost Levels“ verbergen sich nicht etwa wiederentdeckte Archivleichen Miyamotos, sondern ein komplettes „Super Mario Bros.“- Spiel, das dem Westen bis dahin vorenthalten blieb. Tatsächlich handelt es sich hierbei um die japanische Version von „Super Mario Bros. „2, welches Nintendo zu schwer für den westlichen Markt war und flugs durch ein anderes Spiel ersetzt wurde. Dabei handelt es sich um „Yume Kōjō: Doki Doki Panic“, das ursprünglich nichts am Hut mit Mario und Konsorten hatte, jedoch von Shigeru Miyamoto entwickelt wurde. Nach ein wenig Auswechslungsarbeit hatte man daraus dann doch noch ein „Super Mario Bros.“-Spiel entwickelt, das in Japan amüsanterweise „Super Mario USA“ heißt – obwohl es auch in Europa erschien. Wer sich an die „Lost Levels“ wagt, wird auch schnell feststellen, dass die Level ein gutes Stück fieser sind, aber im Angesicht der diabolischen Entwürfe mancher „Super Mario Maker“-Level, denen man begegnen kann, sind sie regelrecht harmlos.

Guter Startpunkt

Da Nintendo wegen der aktuellen Feierlichkeiten bezüglich des 35. Geburtstags von Super Mario Bros. in Spendierlaune zu sein scheint, erhalten Abonnenten des „Super Nintendo Switch Online“–Dienstes seit einigen Wochen die Möglichkeit, diese tollte Sammlung zu spielen. Lohnt sie sich, wenn man erst vor kurzem die Originale in der NES-App gespielt hat? Nur bedingt, denn auch wenn der neue Anstrich hübsch ist und die Spielbarkeit keinen Deut abgenommen hat, muss man zugeben, dass es an Extras fehlt. Das unterstreicht das zeitlose Design der 8-Bit-Titel, sicherlich und während die Packung in den 90ern eine bemerkenswerte Leistung war, die viel Spaß für einen kleinen Preis bot, ist es hier nicht viel mehr als eine nette kleine Dreingabe. Wer die 8-Bit-Titel nie gespielt hat, kann diese überspringen und einfach hier anfangen.